Russland: Erstmals fällt an den Märkten das Wort Staatspleite

Die amerikanische Nachrichtenagentur Reuters verwendet erstmals im Zusammenhang mit der aktuellen Entwicklung in Russland das Wort Staatspleite. Die Nervosität an den Märkten ist erheblich.

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Reuters berichtet von der Stimmung an den Finanzmärkten, nachdem es der russischen Zentralbank nicht gelungen war, mit einer spektakulären Zinserhöhung den Verfall des Rubel zu stoppen:

Trotz einer drastischen Leitzinserhöhung der russischen Zentralbank ist der Rubel weiter im freien Fall. Der Dollar kletterte am Dienstag in der Spitze um 24 Prozent auf ein Rekordhoch von 80,10 Rubel. „Für die Zentralbank wird es schwierig, den Rubel zu stabilisieren, solange der Ölpreis weiter fällt“, sagt Wladimir Miklaschewsky, Volkswirt bei der Danske Bank. Es sehe nicht so aus, als ob der sehr aggressive Zinsschritt ausreiche. An den Märkten grassierte die Furcht vor einer Staatspleite Russlands. Der russische Leitindex verbuchte den größten Tagesverlust seiner Geschichte.

Um den Werteverfall der russischen Währung zu stoppen, hatten die Notenbanker den Zinssatz in der Nacht auf 17 Prozent nach zuvor 10,5 Prozent angehoben. Doch nach einer kurzen Erholungsbewegung am Morgen verpuffte der Effekt – der Rubel nahm seine Talfahrt wieder auf. Seit Jahresbeginn hat er rund 70 Prozent an Wert verloren. Auch am russischen Aktienmarkt gab es kein Halten mehr: Der Leitindex fiel um 19,5 Prozent auf 578,21 Zähler.

Der Ausverkauf an den Märkten schürte die Angst der Anleger vor einer Staatspleite. Die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets russischer Anleihen gegen Zahlungsausfall (CDS) verteuerte sich um 109.000 auf 656.000 Dollar, teilte der Datenanbieter Markit mit. Das sei der höchste Stand seit fünfeinhalb Jahren.

Für Nervosität sorgt laut Marktexperten vor allem, dass die Zentralbank bislang offenbar machtlos gegen den Rubelverfall agiert. Wenn der jüngste Zinsschritt die Märkte nicht beeindrucke, bleibe noch die Möglichkeit, die heimische Währung mit Interventionen im Volumen von zehn Milliarden Dollar pro Tag zu stützen, sagt Natalia Orlova von der Alfa Bank.

Die Zentralbank hat in diesem Jahr bislang über 80 Milliarden Dollar ausgegeben, um den Rubel zu stützen. Russland sitzt noch auf Devisenreserven von 416 Milliarden Dollar.

Die Talfahrt der russischen Währung hatte sich im Zuge der westlichen Sanktionen als Folge der Ukraine-Krise beschleunigt. Die Konjunktur ist eingebrochen, Investoren zogen zuletzt Milliarden Dollar ab. Auch der fallende Ölpreis hat ein Loch in den Haushalt des rohstoffreichen Landes gerissen. Die russische Wirtschaft könnte der Moskauer Zentralbank zufolge im kommenden Jahr um rund 4,5 Prozent schrumpfen, sollte sich der Ölpreis bei 60 Dollar je Barrel einpendeln. Am Dienstag rutschte der Brentpreis in der Spitze um 4,2 Prozent ab auf 58,50 Dollar je Fass. Das war der tiefste Stand seit fünfeinhalb Jahren.

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