Taliban: 126 Tote bei Massaker in Schule in Pakistan

Im pakistanischen Peshawar haben Taliban-Kämpfer ein Massaker in einer Schule verübt. Unter den 126 Toten befinden sich 84 Kinder. Das Taliban kämpfen in der Region gegen die pakistanische Armee.

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Mindesten 84 Kinder sind bei einer Racheaktion von Taliban-Extremisten in Pakistan getötet worden. Insgesamt kamen bei dem Überfall auf eine Schule nach offiziellen Angaben mindestens 126 Menschen ums Leben und 122 weitere wurden verletzt. Die Attentäter nahmen in dem Gebäude in der Stadt Peshawar am Dienstag Hunderte Schüler und Lehrer als Geiseln. Soldaten riegelten das Gelände ab und drangen in die Schule ein. Immer wieder waren heftige Schusswechsel zu hören. Später gab es drei Explosionen. Ministerpräsident Nawaz Sharif sprach von einer „nationalen Tragödie“ und begab sich umgehend nach Peshawar.

Taliban-Sprecher Muhammad Umar Khorasani sagte zunächst, Selbstmordattentäter der Gruppe seien in die Schule eingedrungen. Sie hätten die Anweisung, den Schülern nichts anzutun. Ihr Ziel sei das Militärpersonal. Später sagte er, der Überfall sei die Rache für das Vorgehen der Armee. „Wir haben die Armee-Schule für den Angriff ausgewählt, denn die Regierung geht gegen unsere Familien und Frauen vor. Sie sollen unseren Schmerz spüren.“

Die pakistanische Taliban hat in den nördlichen Gebieten des Landes ihr Rückzugsgebiet. Die Armee geht seit Monaten dort gegen die Extremisten vor. Bislang war sie aber nicht in der Lage, die Extremisten entscheidend zu schwächen. Auch die USA greifen mit unbemannten Flugzeugen, sogenannten Drohnen, immer wieder Unterschlüpfe der Taliban im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan an. Diese reagierte darauf mit Anschlägen auf Militäreinrichtungen.

Über der Schule kreisten Hubschrauber. Krankenwagen rasten an den Ort des Geschehens und transportierten Verletzte ab. Ein Krankenhaussprecher sagte, viele Menschen seien in einem kritischen Zustand. Der Regierungschef der Provinz, Pervaiz Khattak, sagte, in einem Krankenhaus seien 60 und in einem weiteren 24 getötete Kinder registriert worden. Ob die Opfer durch die Kugeln der Angreifer oder durch die Soldaten starben, war zunächst unklar. Am Nachmittag befanden sich noch immer Kinder in der Gewalt der Geiselnehmer.

Ministerpräsident Sharif sagte in Islamabad, angesichts der Tragödie könne er nicht in der Hauptstadt bleiben. „Dies sind meine Kinder“, sagte er. „Es ist mein Verlust, es ist ein Verlust für die Nation.“ Er werde die Aktion in Peshawar persönlich in die Hand nehmen.

Ein Schulbus-Fahrer berichtete: „Wir standen draußen, und plötzlich begann eine Schießerei. Überall brach Chaos aus. Schüler und Lehrer schrien.“ Ein Lehrer sagte vor der Schule, es hätten gerade Prüfungen stattgefunden, als der Überfall begonnen habe. „Nach einer halben Stunde war die Armee da und hat das Gebäude abgeriegelt.“ Dann rückten die Soldaten von Raum zu Raum vor.

„Wir waren im Prüfungsraum, als plötzlich Schüsse fielen“, berichtete ein Schüler. „Unsere Lehrer sagten, wir sollten uns flach auf den Boden legen und still sein. Wir haben da eine Stunde gelegen. Es fielen eine Menge Schüsse. Als sie abflauten, kamen unsere Soldaten und brachten uns raus.“

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