Günter Grass: „Der Dritte Weltkrieg hat schon begonnen“

Der Schriftsteller Günter Grass hat sich in einem Interview besorgt über die weltweite Entwicklung geäußert. Der Dritte Weltkrieg habe als weltweiter Verteilungskrieg bereits begonnen. Grass konstatiert eine gewisse Aggressivität der Nato und zeigt Verständnis für die Ängste, die das Verhalten des westlichen Bündnisses und der EU in Russland ausgelöst hat.

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Der Schriftsteller Günter Grass hat sich in einem interessanten Interview mit der Wiener Tageszeitung Der Standard zur aktuellen Lage der Weltpolitik geäußert. Sein Fazit ist nüchtern und auch für die deutsche Politik wenig schmeichelhaft – wenngleich Grass‘ Tonfall wesentlich gemäßigter ist als bei früheren Krisen.

Grass zum Dritten Weltkrieg:

„Die Menschheit ist noch nie so gut informiert gewesen wie heute, sie ist überschüttet mit Nachrichten, doch die eine löscht die andere. Das Unrecht geschieht vor unseren Augen an vielen Orten der Welt, in Afrika, im Nahen Osten, in der Ukraine. Wir wissen das alles. Zu den Hungersnöten, die provoziert werden, obwohl Nahrung für alle da ist, kommt die Wasserknappheit, die Klimaveränderung. Es findet alles gleichzeitig statt. Der dritte Weltkrieg hat schon begonnen – und es ist ein Verteilungskrieg. Historiker werden im Nachhinein darüber streiten, wann genau er anfing.“

Grass zur Putin und dem Westen:

„Es gab die Europäische Union, als Europa noch geteilt war. Damals hat sich Westeuropa als Gesamteuropa aufgespielt. Dann kam es zu einer sehr raschen Erweiterung, Staaten des Warschauer Paktes sind der EU beigetreten. Und trotz des Versprechens, dass die Nato an der Oder haltmacht, sind Polen und die baltischen Staaten in die Nato aufgenommen worden. Das russische Putin-System empfinde ich als schrecklich. Aber wenn ich es verstehen will, muss ich die Angst der Russen begreifen, dass Russland in die Zange genommen wird, wenn demnächst Georgien oder Moldawien zur Nato gehören sollten. Die Ursache für die hysterischen Reaktionen, die wir beobachten, liegt auch in einer gewissen Aggressivität der Nato, die sich immer mehr ausweitet. Ich hätte mir für Deutschland, das die Problematik in Bezug auf Russland kennen müsste, eine eher zurückhaltende Haltung gewünscht. Putin ist jemand, der provoziert und Macht behauptet, doch der Westen reagiert mit untauglichen Mitteln darauf. Man macht der Ukraine Versprechungen, die man nicht halten kann, und fördert so Unruhe auf beiden Seiten.“

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