China: Banken schenken Kunden einen Mercedes, damit sie ein Konto eröffnen

Den chinesischen Banken laufen die Kunden davon. Geldmarktfonds und Internetfonds sind attraktiver. Den Banken fehlen dadurch Milliarden. Teure Geschenke und höhere Renditen sollen nun Kunden gewinnen. Doch die Konkurrenz ist groß und die Kunden sind wählerisch.

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Die Konkurrenz aus dem Internet beschert den chinesischen Banken in diesem Jahr immense Probleme. In den ersten elf Monaten sind der chinesischen Zentralbank zufolge die neuen Einlagen bei chinesischen Banken rapide gesunken: Allein gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 23 Prozent . In den Monaten Juli, August, September verloren die Banken so 950 Milliarden Yuan, berichtet Bloomberg. Das sind mehr als 122 Milliarden Euro, der erste vierteljährliche Rückgang seit 15 Jahren. Im kommenden Jahr soll das Gewinnwachstum der chinesischen Banken von 10 Prozent auf Null sinken oder sogar ganz ins Negative rutschen, so China International Capital Corp.

„Die chinesischen Banken bluten“, zitiert Bloomberg den Shanghai Analysten Rainy Yuan. Doch die Flucht in luxuriöse Geschenke für Kunden sieht er kritisch. Es gebe keine Lösung für das Problem. Wenn alle diese Geschenke und hohe Zinsen anbieten, würde dies nur wieder die Kosten in die Höhe treiben. Die Banken „kämpfen eine verlorene Schlacht.“ So bietet beispielsweise die Ping An Bank Co in einer Pekinger Filiale ein iPhone 6 Plus (128 GB) statt normaler Zinsen, wenn der Kunde für fünf Jahre 38.000 Yuan bei der Bank anlegt. Für eine Einlage von 903.000 Yuan für ebenfalls fünf Jahre, kann sich der Kunde eins von vier Mercedes-Benz Modellen aussuchen. Das entspricht in etwa einer jahresbereinigten Rendite von 7 Prozent. Der Referenzzinssatz liegt bei 4 Prozent.

Die Industrial Bank Co. im Norden der Provinz Shanxi verspricht einen Goldanhänger für die Einlage von 10.000 Yuan für über ein Jahr. Die Citic Bank in Shanxi bietet für eine Einlage von 10.000 Yuan die Lieferung kostenloser Eier und Gemüsesorten. Wer lieber Bargeld erhält, geht zur Ping An Bank in Ningbo. Sparer, die eine Million Yuan anlegen, erhalten eine Zins- und Kapitalzahlung in Höhe von 1,34 Millionen Yuan nach fünf Jahren.

Das Geld der chinesischen Investoren und Sparer ist in der letzten Zeit vor allem in Online-Geldmarktfonds geflossen. Yu’e Bao beispielsweise konnte in den ersten 15 Monaten seines Bestehens 535 Milliarden Yuan von 149 Millionen Kunden akquirieren. Mittlerweile haben die chinesischen Haushalte 12,9 Milliarden Yuan in Investmentgesellschaften investiert. Und in der ersten Dezemberwoche eröffneten chinesische Investoren fast 600.000 Accounts, um mit Aktien handeln zu können. 62 Prozent mehr als noch eine Woche zuvor.

Die Geldpolitik Chinas hilft den chinesischen Banken nicht wirklich. Einerseits verbietet Chinas Banken-Aufsichtsbehörde Geschenke und Rabatte als „illegale Mittelbeschaffung“, andererseits regelt sie aber nicht die Frage, ob Zinsersatz in Form von Autos etc. ebenfalls illegal sei. Darüber hinaus stieg der maximale Zinssatz, den Banken ihren Kunden zahlen dürfen von 10 auf 20 Prozent über dem Referenzzinssatz. Im März kündigte der Gouverneur der chinesischen Zentralbank an, in den kommenden ein bis zwei Jahren die Zinsregelungen vollständig zu deregulieren. Standard & Poor‘s zufolge werden darunter aber wieder die mittleren und regionalen Banken leiden. Denn sie haben im Gegensatz zu den staatlich kontrollierten Banken kein so umfangreiches Filialnetz, um Privatkunden anzulocken. Und so sind sie am Ende wieder von teureren und zeitlich unsichereren Vermögensprodukten, Unternehmenseinlagen und Interbankenkrediten abhängig.

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