EU-Kulturhauptstadt Mons: Kunstwerk stürzt vor Eröffnung ein

Der belgische Künstler Arne Quinze hat im belgischen Mons eine gigantische Holz-Installation errichtet. Doch das Kunstwerk des Ex-Partners von Barbara Becker hatte offenbar gewisse statische Schwächen und brach noch vor der Eröffnung in sich zusammen. Das Werk war eigentlich als eine der Hauptattraktionen der Kulturhauptstadt 2015 gedacht. Finanziert wurde das unfreiwillige Spektakel von den europäischen Steuerzahlern. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand.

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Die künftige europäische Kulturhauptstadt Mons steht fassungslos vor einem Trümmerberg. Kurz vor der offiziellen Eröffnung des Festivaljahres 2015 stürzte an Heiligabend mitten im Zentrum der belgischen Provinzmetropole eine Installation des Künstlers Arne Quinze (43) ein. Der durch eine gescheiterte Ehe mit Boris Beckers Ex-Frau Barbara auch außerhalb der Kunstszene bekanntgewordene Belgier hatte das aus Tausenden Holzlatten bestehende Werk mit dem Namen «The Passenger» erst im November fertiggestellt. Es überspannte wie ein gigantisches Astwerk einen ganzen Straßenzug und sollte eigentlich eine der Hauptattraktionen der Kulturhauptstadt 2015 sein.

Ob die 85 Meter lange und 16 Meter hohe Installation repariert werden kann, beziehungsweise ob sie überhaupt repariert werden darf, blieb zunächst völlig unklar. Der Künstler und die Festivalleitung zeigten sich nach dem Einsturz vor allem erleichtert darüber, dass dieser nur Sachschäden verursachte. «Das ist ein Schock, aber das Wichtigste ist, dass niemand verletzt wurde», kommentierte der sofort nach Mons geeilte Quinze.

Nach Angaben einer Augenzeugin war eine ältere Dame nur wenige Schritte von der Unglücksstelle entfernt, als es plötzlich krachte. «Ich hatte Angst um sie. Die Teile sind direkt neben ihr zu Boden gestürzt», berichtete Razika Benaddi der Tageszeitung «La Dernière Heure». Wie durch ein Wunder sei niemand getroffen worden.

Mit Spannung werden nun die Ergebnisse der Untersuchung zur Unglücksursache erwartet. Quinze hat in der Vergangenheit etliche ähnliche Kunstwerke in Städten wie Paris, München oder Brüssel errichtet, ohne dass irgendetwas passierte. Er und die Festivalleitung beteuerten, dass auch in Mons alle Sicherheitsauflagen eingehalten worden seien. Ingenieure hätten die Statik geprüft, sagte Quinze. Auch ein Sabotageakt wurde deswegen zunächst nicht ausgeschlossen. Mehrere Lokalmedien wiesen daraufhin, dass das rund 400 000 Euro teure Kunstwerk nicht nur Anhänger gehabt habe.

Im schlimmsten Fall wird Mons das Kulturhauptstadtjahr am 24. Januar ohne die Installation von Quinze eröffnen müssen. Es bleiben allerdings immerhin rund 300 Veranstaltungen, darunter 20 große Ausstellungen. Zu den Höhepunkten zählt die Werkschau «Van Gogh au Borinage. La naissance d’un artiste» (etwa: Van Gogh in Borinage. Die Geburt eines Künstlers). Gezeigt werden rund 70 Werke des niederländischen Malers, der zwischen 1878 und 1880 in dem Bergarbeiterdorf Borinage in der Nähe von Mons lebte und malte.

Von der EU liegt keine Stellungnahme zu dem Vorfall vor. Allerdings beeilt man sich hinter den Kulissen, Parallelen zur realen EU zu vermeiden: Die EU sei, anders als das Werk von Quinze, kein Kunstgebilde mit statischen Mängeln.

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