Ifo-Chef Sinn: Deutschland kann seinen Lebensstandard kaum aufrechterhalten

Der Renteneintritt der Baby-Boomer wird in Deutschland schon in Kürze dazu führen, dass der Lebensstandard sinkt. Deutschland braucht nach Einschätzung von Ifo-Chef Hans-Werner Sinn 32 Millionen Migranten, um den Renten-Schock zu absorbieren - eine utopische Idee.

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Zum Erhalt des Lebensstandards deutscher Rentner wären nach Einschätzung des Ökonomen Hans-Werner Sinn Millionen Einwanderer nötig. Vor allem der Renteneintritt der Babyboomer stelle Deutschland vor massive Herausforderungen, sagte der Präsident des Ifo-Instituts dem Focus. In etwa 20 Jahren «werden wir siebeneinhalb Millionen mehr Rentner haben und achteinhalb Millionen weniger Personen im erwerbsfähigen Alter», rechnete Sinn vor. «Um das durch Migration aufzufangen, wären 32 Millionen Menschen nötig. Das kann man sich gar nicht vorstellen.»

Deutschland werde gut ausgebildete Migranten brauchen, die helfen, diese Last zu tragen. «Aber eine Lösung in dem Sinne, dass es uns dann so gut geht wie heute, ist nicht vorstellbar», erklärte Sinn. Die Deutschen müssten sich deshalb selbst aktiv um ihre Alterssicherung kümmern. «Wir müssen länger arbeiten und nicht weniger lange.»

Das Problem für Deutschland: Die meisten Fachkräfte wandern immer noch lieber in die USA aus als in europäische Staaten. 2012 waren 1,03 Millionen Menschen in die Vereinigten Staaten immigriert. Das entspricht zwar einem Rückgang um 2,9 Prozent im Vergleich zu 2011, so die OECD in ihrem Bericht, ist aber erstmals mehr als Einwanderer in die EU gekommen sind. Nur 948.200 wanderten 2012 in die EU-Länder ein. Grund für diese Verlagerung ist unter anderem die wirtschaftliche Krise.

Während Deutschland Migranten 2012 weiterhin anziehen konnte, ging die Zahl der Einwanderer in andere EU-Länder deutlich zurück. Nach Großbritannien kamen 2012 17 Prozent weniger Einwanderer im Vergleich zu 2007. In Ländern wie Italien (-55%), Irland (-73%) und Spanien (-70%) ist sogar noch ein größerer Rückgang zu spüren. 450.000 Migranten kamen 2012 nach Deutschland. In anderen EU-Staaten, wie etwa in Spanien, findet dagegen eine regelrechte Flucht von Migranten statt, weil sich die wirtschaftliche Lage nicht verbessert hat.

Angesichts der alternden Bevölkerung und der zunehmenden Konkurrenz um die besten Köpfe weltweit sollte sich die EU jedoch auch gerade in Krisenzeiten bemühen, mehr Migranten anzuziehen. Zumal sich der OECD zufolge das Profil der Migranten in den vergangenen Jahren verändert hat. „Die heutigen Migranten sind höher qualifiziert als ihre Vorgänger“, heißt es im aktuellen Migrationsbericht. So sei die Zahl der im Ausland geborenen Hochqualifizierten in den letzten zehn Jahren um 70 Prozent gestiegen. Und „während dieses Zeitraums stellten hochqualifizierte Zuwanderer 45 Prozent am Zuwachs der im Ausland geborenen Bevölkerung“.

Allerdings habe die Politik noch nicht genug unternommen, um die Qualifikation potentieller neuer Bürger auch nutzen zu können. Etliche Ausbildungswege außerhalb des jeweiligen Bildungsraumes werden nicht entsprechend anerkannt und zu  wenig für die Überbrückung der Sprachbarrieren getan. Schließlich ist Englisch weiterhin auf dem Vormarsch und Migranten haben in der EU die zusätzliche Barriere sich gleich mehreren unterschiedlichen Sprachen gegenüber zu sehen.

„Um weiterhin für qualifizierte Menschen attraktiv zu bleiben, muss Europa mehr tun“, sagt auch Jean-Christophe Dumont von der OECD. Es gehe vielen Migranten eben nicht mehr nur darum, ob sich die Tür öffnet oder schließt. „Es geht darum, ob das Haus warm und einladend ist“, zitiert die FT Jean-Christophe Dumont.

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