Kapitalflucht: Griechen holen 2,5 Milliarden Euro von der Bank

In Griechenland ist das Misstrauen in die Regierung erheblich: Die Griechen haben begonnen, ihre Bank-Konten leerzuräumen. Premier Antonis Samaras und mehrere EU-Politiker und Ökonomen sagen den Griechen die Verarmung voraus, falls die Linkspartei Syriza die Neuwahlen gewinnen sollte. Die Banken wollen einem Bank-Run vorbeugen und haben die Geldautomaten mit mehr Geld bestückt als üblich.

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Aus Angst vor politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen haben Medienberichten zufolge im Dezember zahlreiche Sparer und Unternehmen in Griechenland insgesamt 2,5 Milliarden Euro von ihren Bankkonten abgehoben. Einige Experten diskutieren wieder offen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Umfragen deuten auf einen spannenden Wahlkampf und ein knappes Wahlergebnis hin.

Die Regierung hatte erst vor wenigen Tagen die Sicherheit der Spareinlagen garantiert.

Die Kapitalflucht sei ungewöhnlich und lasse sich nur damit erklären, dass die Bürger sich große Sorgen angesichts der vorgezogenen Wahlen am 25. Januar machen, berichtete die konservative Athener Zeitung «Kathimerini» am Mittwoch. Die Tendenz, Geld abzuheben, hatte demnach bereits im November im Umfang von rund 200 Millionen Euro begonnen. Die Entwicklung zeige die Besorgnis der Bürger, hieß es in dem Zeitungsbericht. Die Erklärung mit den Wahlen ist allerdings nicht besonders schlüssig: Im November und Dezember war noch mitnichten klar, dass es Neuwahlen geben werde. Es ist daher eher anzunehmen, dass die Griechen der Politik ihrer Regierung nicht trauen – und offenbar genau sehen, dass die bisherige Kredit-Orgie den Banken und den Parteien, nicht jedoch den Bürgern genutzt haben.

Am Montag hatte der Direktor einer Bankfiliale in der Athener Vorstadt Peristeri der Deutschen Presse-Agentur gesagt, man gehe vor allem bei Geldautomaten sehr vorsichtig vor: Damit auf keinen Fall ein «Bank Run» ausgelöst wird, sorgten die Institute dafür, dass alle Geräte ausreichend mit Geld bestückt sind.

Aktuelle Umfragen in Griechenland zeigen einen Vorsprung der Linkspartei Bündnis der radikalen Linken (Syriza) von Alexis Tsipras. Dieser strebt eine Neuaushandlung des griechischen Konsolidierungsprogramms und einen Schuldenschnitt an.

Die bürgerliche Nea Dimokratia (ND) unter dem amtierenden Regierungschef Antonis Samaras hat allerdings in den vergangenen Tagen nach Angaben von Demoskopen aufgeholt. Der Vorsprung von Syriza sei von etwa sieben Prozentpunkten im November auf drei bis vier Punkte geschrumpft. Samaras fährt seit einiger Zeit eine Kampagne der Angst-Mache, indem er die Lage so darstellt, als würde ein Wahlsieg der Syriza das Land ins Chaos stürzen.

Tsipras hatte in den vergangenen Tagen seine Wähler auf ökonomische «Terrorszenarien» aufmerksam gemacht, die von der Regierung und EU-Politikern lanciert würden. Diese werde es in den nächsten Wochen immer wieder geben. Die Bürger dürften sich nicht von diesen Schreckensvisionen beeindrucken lassen, betonte der Politiker.

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