Griechenland: Anleger flüchten aus Aktien und Staatsanleihen

Die Renditen für kurzfristige griechische Schuldtitel stiegen am Montag auf 12,6 Prozent. Auch der Aktienmarkt in Athen notierte deutlich tiefer. Das Hauptrisiko einer Staatspleite Griechenland liegt allerdings nicht mehr bei den europäischen Banken, sondern bei den europäischen Steuerzahlern. Daher ist das politische Gezeter auch so laut: Vor allem die deutschen Politiker wollen den Griechen den Schwarzen Peter zuschieben.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Die Diskussion um einen Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone („Grexit“) hat Anleger am Montag erneut verunsichert. Der Leitindex der Athener Aktienbörse fiel um 2,6 Prozent und hat damit seit der überraschenden Ankündigung vorgezogener Präsidentenwahlen Anfang Dezember mehr als 20 Prozent eingebüßt.

Griechische Staatsanleihen warfen Investoren am Montag ebenfalls aus ihren Depots. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Titel auf bis zu 9,546 Prozent von 9,256 Prozent am Freitag. Die dreijährigen Papiere rentierten sogar bei 12,687 Prozent. Dies gilt nach Reuters-Einschätzung als Krisensignal da üblicherweise Papiere mit einer längeren Laufzeit höher verzinst werden als kürzer laufende.

Die Banken machen sich allerdings keine großen Sorgen mehr um Griechenland. Sie sind beim ersten Schuldenschnitt zum großen Teil mit einem blauen Auge und damals schon viel künstlichem Geld ausgestiegen. Der Großteil der Risiken liegt bei den europäischen Steuerzahlern und den internationalen Gläubigern wie dem IWF. Einzig die französischen Banken haben nach Informationen von Kathimerini noch einige Milliarden im Feuer, weshalb sich auch Frankreichs Präsident Francois Hollande sehr gemäßigt zur Lage in Griechenland geäußert hat.

Die deutschen Banken sind in Griechenland inzwischen in überschaubarem Maße engagiert. Zwar haben sie dort – Stand September 2014 – insgesamt knapp 23,5 Milliarden Euro im Feuer, wie der Bundesverband deutscher Banken (BdB) am Montag auf Reuters-Anfrage mitteilte. Davon entfallen aber nur rund 4,6 Milliarden auf Banken und 3,6 Milliarden auf Unternehmen und Privatpersonen. Der größte Teil – 15 Milliarden Euro – sind Forderungen gegenüber öffentlichen Haushalten, die nach Verbandsangaben fast ausschließlich von der staatlichen Förderbank KfW gehalten werden. Dabei handele es sich um Gelder der Bundesrepublik aus dem ersten Hilfspaket für Griechenland. Diese Zahlungen seien damals über die KfW abgewickelt worden, da es den Europäischen Rettungsschirm EFSF (inzwischen umbenannt in ESM) noch nicht gegeben habe.

Die Deutsche Bank war nach eigenen Angaben in Griechenland zuletzt noch mit knapp 300 Millionen Euro engagiert, die Commerzbank mit knapp 400 Millionen. Nach einer Analystenstudie von JP Morgan sind die hiesigen Geldhäuser damit neben den französischen Banken die größten Gläubiger. Trotzdem gaben die Experten Entwarnung: Bei einem Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone („Grexit“) seien die Folgen für die Finanzinstitute angesichts der geringen Summen begrenzt, schrieb Analyst Kian Abouhossein. „Das Hauptrisiko besteht weiter in der Ansteckungsgefahr für die Peripherie-Staaten.“

In Deutschland versuchen die Politiker dagegen, das Griechenland-Thema zur innerparteilichen Motivation zu nutzen – und poltern so undifferenziert, wie es dieselben Politikern eigentlich gerne unliebsamen Demonstranten vorwerfen. Der CSU-Politiker Markus Ferber sagte, wenn Griechenland „wieder zum alten Schlendrian zurückkehren“ wolle, werde es keine Hilfen der EU mehr geben. Der Solidarität sei die Geschäftsgrundlage entzogen, sollte sich das Land dem Reformkurs verweigern, sagte der Chef des Währungsausschusses im EU-Parlament der Zeitung „Die Welt“. Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) erklärte der „Süddeutschen Zeitung“, es werde keinen Schuldenerlass für Griechenland geben, nur weil ein neue Regierung komme.


media-fastclick media-fastclick