Draghi hilft Süd-Europa: Euro sackt auf Rekord-Tief ab

Der Euro ist auf den niedrigsten Wert seit 2006 abgesackt und notierte am Sonntagabend bei nur noch 1,1864 Dollar. Der Grund sind die Ankündigungen der EZB, die Eurozone mit einer neuen Geldschwemme zu retten. Frankreich und Italien fordern seit längerem eine massive Abwertung des Euro. Auch Spanien profitiert bereits massiv von der EZB-Politik: Trotz der ungelösten Probleme kann sich das Land so billig verschulden wie noch nie.

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Der Euro stürzt ab, weil die Märkte den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB erwarten. Grafik: ariva.de

Der Euro stürzt ab, weil die Märkte den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB erwarten. Grafik: ariva.de

Der Euro fiel am Montag im asiatischen Devisenhandel zwischenzeitlich auf 1,18605 Dollar und damit auf den niedrigsten Stand seit fast neun Jahren. Globale Konjunktursorgen und die Spekulationen über die Euro-Zone trieben Anleger zusätzlich um. Das belastete auch die asiatischen Börsen. In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,2 Prozent leichter bei 17.408 Punkten. Der MSCI-Index für die Märkte außerhalb Japans notierte 0,5 Prozent schwächer.

Der Euro hatte am Sonntagabend seinen niedrigsten Wert seit 2006 erreicht: Die Währung notierte bei 1,1864 Dollar. Die Abwertung ist das Ergebnis der Ankündigungen von EZB Chef Mario Draghi, schon bald mit dem Ankauf von Staatsanleihen aus der Eurozone zu beginnen. Insbesondere Frankreich, welches in den vergangenen Monaten keinerlei wirtschaftspolitische Reformen durchgeführt hat, setzt auf eine Abwertung, um die eigene Wirtschaft zu beleben. Aber auch Italien, wo sich ebenfalls euroskeptische Gruppen formieren und die Regierung daher kaum politischen Handlungsspielraum hat, ist auf die Rettungsmaßnahmen durch die EZB angewiesen. Der frühere EU-Kommissionspräsident Romano Prodi hat vor allem die negativen Folgen der Sanktionen gegen Russland als ein nachhaltiges Problem für die italienische Wirtschaft identifiziert und darauf verwiesen, dass sich die Italiener auf die Stützungsmaßnahmen durch die EZB verlassen.

Auch am Montagmorgen (MEZ) tendierte der Euro weiterhin leichter. Er kostete 1,1926 Dollar – 0,6 Prozent weniger als im späten New Yorker Handel am Freitag.

Vor allem die Sorge um die Wachstumsaussichten in Europa und den Schwellenländern belastete auch das Geschehen an den Börsen in Asien, sagte Tetsuro Li von Commons Asset Management. Zu den Verlierern in Tokio gehörten Exportwerte wie Toyota. Die Aktien des Autoherstellers gaben knapp 0,7 Prozent nach. Zulegen konnten dagegen die Papiere von Fluggesellschaften, nachdem die Ölpreise auf den niedrigsten Stand seit fünfeinhalb Jahren fielen.

Wie sehr die Ankündigungen Draghis zur selben Zeit den verschuldeten Staaten nützen, zeigt ein Blick nach Spanien:

Expansion fasst am 31. Dezember zusammen. „Die spanischen Anleihen schließen 2014 bei 1,66% annähernd an ihrem historischen Tiefstand und die Risikoprämien schließen auf 113 Punkten“

Aus dem Artikel: „Die Rendite der zehnjährigen Anleihen hat sich 2014 um mehr als die Hälfte reduziert und das Jahr nahe seinem historischen Tiefstand bei 1,669 Prozent beendet, womit die Risikoprämie bei 113 Basispunkten schließt, fast hundert Punkte weniger als 2013.“

„Vor einem Jahr kosteten spanische Bonds 3, 9 Prozent und die Risikoprämie lag bei 203 Basispunkten.“

Expansion titelte am 30. Dezember: „Spanische Bonds markieren neues historisches Tief bei 1,6 Prozent“

Aus dem Artikel: „Die Unruhe, die durch die Ankündigung der Neuwahlen in Griechenland an den Märkten ausgelöst wurde hat die Renditen der zehnjährigen spanischen Anleihen nicht beeinflusst, sie lagen heute auf einem neuen historischen Tief.“ ( Rendite 1,606 Prozent, Risikoprämie 107 Basispunkte)

„Die positive Entwicklung des spanischen Bonds trotzt den Spannungen, die durch die politische Situation in Griechenland entstanden und sie trotzt der Furcht davor, dass die Regierung deswegen ihren Verpflichtungen gegenüber der EU nicht nachkommt.“

CincoDias berichtet am 30. Dezember in dem Artikel „Wieweit reicht das Ansteckungs-Risiko Griechenlands?“:

„Die Spanischen Risikoprämien zeigen, dass scheinbar mit den vorgezogenen Wahlen und dem resultierenden Risiko gerechnet wurde, dass Griechenland seinen Verpflichtungen nicht nachkommen könnte. Die Prämien halten sich  um die 110 Basispunkte und um die 1,62 Prozent Rendite für zehnjährige Anleihen“

Cinco Dias  zitiert in dem Artikel zudem Experten der Finanzdienstleistungs-Agentur Link Securities zu den möglichen Gründen dafür, dass dieses Mal die Ansteckungseffekt von Griechenland begrenzter sei als im Jahr 2012:

„Die Volkswirtschaften der Eurozone sind stärker als vor zwei Jahren, und vor allem ist die EZB wachsam und bereit, an den Anleihemärkten einzugreifen, was den Investoren viel Vertrauen gibt“, zitiert Cinco Dias Link Securities.

Die Zeitung El Mundo berichtet: „Der Ibex schloss gestern bei 10.279 Punkten, was einer jährlichen Steigerung von 3,8% entspricht. Die geringe Zahl ist weit entfernt von der 11 Prozent entfernt ist, die der Index mehrmals während des von einer hohen Volatilität geprägten Jahres erreicht hatte. Doch das Scoring genügt, um die 2,65 Prozent Steigerung des Dax zu überbieten, obwohl der deutsche Index im Jahr 2014 mehrere historische Hochs über 10.000 Punkte registrierte.“

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