Österreich: Russland-Krise erfasst Raiffeisen Bank International

Die österreichische Raiffeisen muss jetzt schon Wertberichtigungen wegen der Russland-Krise. Noch sieht die Bank keine Veranlassung für eine Kapitalerhöhung, doch das dürfte sich bald ändern. Raiffeisen ist für die Konservativen in Österreich ein entscheidender Faktor. Die Bank spielt in der Politik des Landes eine wichtige Rolle.

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Die Rubel-Krise und die Folgen für die russische Konjunktur setzen der Raiffeisen Bank International zu. Die in Osteuropa stark engagierte österreichische Bank teilte am Montag mit, sie habe die Mittelfrist-Planung für ihre wichtige russische Tochter überarbeitet. Diese habe im vergangenen Jahr zwar „deutlich über 300 Millionen Euro“ verdient nach 469 Millionen Euro im Jahr davor. Künftig könnte der Gewinn in Russland jedoch geringer ausfallen. Damit würde für Raiffeisen eine wichtige Ertragsstütze schwinden – denn in den vergangenen Jahren hatte die Bank in Russland einen großen Teil ihres Konzernergebnisses erwirtschaftet.

Zudem droht der russischen Tochter eine Abschreibung des Firmenwerts von zuletzt umgerechnet 148 Millionen Euro. An der Börse kam das nicht gut an: Die Raiffeisen-Aktie verlor gut sechs Prozent.

Raiffeisen zählt zu den größten ausländischen Banken in Russland. Während der Rubel-Verfall das Eigenkapital drückt, könnte die maue Wirtschaftsentwicklung zu einer steigenden Zahl fauler Kredite führen, für die die Bank Vorsorgen bilden muss. Zu den Kunden der russischen Tochter zählen sowohl große Unternehmen als auch Privatkunden.

Trotz der Probleme hatte Risikochef Johann Strobl Mitte Dezember noch keine Notwendigkeit für eine Kapitalerhöhung gesehen. Erst zu Beginn des Jahres hatte das Institut knapp 2,8 Milliarden Euro an der Börse aufgenommen, um die während der Krise erhaltenen Staatshilfen zurückzuzahlen. Sollte sich die Möglichkeit bieten, wolle das Institut jedoch unter anderem weiteres Nachrangkapital begeben, hatte Strobl gesagt. Die nun drohende Firmenwertabschreibung würde sich nicht auf die regulatorischen Kapitalquoten auswirken, erklärte Raiffeisen.

In Österreich blickt man stets mit Sorge auf schlechte Nachrichten bei der zu den Stützen der ÖVP gehörenden Bank. Die Bank ist ein zentraler Machtfaktor in der Politik Österreichs.

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