Prodi: Italiens Exporte brechen wegen Russland-Sanktionen ein

Der ehemalige Präsident der EU-Kommission, Romano Prodi, bezeichnet die Sanktionen gegen Russland als „asymmetrisch“ und erwartet, dass die italienischen Exporte wegen der Sanktionen um 50 Prozent einbrechen werden. Er empfiehlt den Italienern jedoch, den Kopf nicht hängen zu lassen und auf die Vorsehung zu vertrauen.

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Romano Prodi, ein glühender EU-Europäer und ehemaliger Präsident der EU-Kommission, hat sich überraschend deutlich über die gravierenden Folgen geäußert, die die EU-Sanktionen gegen Russland für sein Heimatland Italien haben werden. Für einen Beitrag in der Zeitung Il Messaggero schreibt Prodi:

„Der Absturz der Öl- und Gaspreise trifft zusammen mit den Effekten der Sanktionen, die die EU infolge der Krise in der Ukraine gegen Russland verhängt hat. Das russische Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr um etwa 5 % sinken, was in Italien zu einem Einbruch der italienischen Exporte nach Russland um 50 % führen wird. Ohne darauf eingehen zu wollen, ob die Sanktionen nützlich oder notwendig waren, sollte betont werden, dass die Sanktionen assymetrisch waren und trotz einer 50-prozentigen Abwertung des Rubel gegenüber dem Dollar die amerikanischen Exporte nach Russland immer noch steigen, ganz im Gegensatz zu jenen aus Europa.“

Prodi hofft, dass die EZB den Eurostaaten zu Hilfe kommen wird. Er führt die Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar auf die Maßnahmen der EZB zurück und hofft, dass „auf den kommenden Monaten die Politik der niedrigen Zinsen durch die EZB“ eine gewisse Besserung bringen werde.

Prodi sieht jedoch keinen Anlass zu Pessimismus: Er schließt seinen Beitrag mit der Aufforderung an seine Landsleute, man solle sich heute über jene Dinge freuen, die möglich seien. Für alles andere sollten die Italiener auf die „Vorsehung“ vertrauen.

Prodi stimmt mit diesen Äußerungen in den Chor jener Politiker ein, die in den vergangenen Tagen bereits auf die Gefahren der russischen Sanktionen für die europäische Wirtschaft hingewiesen haben. So hatte die neue EU Aussenbeauftragte Federica Mogherini in dasselbe Horn gestoßen, und darauf verwiesen, dass die Amerikaner von den Sanktionen weniger betroffen seien als die Staaten der Eurozone. Zuletzt hatte auch SPD-Chef Sigmar Gabriel vor den erheblichen Nachteilen der Sanktionen für die deutsche Wirtschaft gewarnt.


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