Bikini mit Punkten: Staatssekretärin Bär meldet sich aus dem FKK-Bad

Mitten in der tristen Debatte um die neue Euro-Krise hat sich Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Dorothee Bär (CSU), mit einem Interview aus einem Berliner FKK-Bad zu Wort gemeldet. Ihre Aussagen sind erfrischend und zeigen, dass PolitikerInnen viel näher am Volk sind als die mürrischen Politik-Verdrossenen behaupten. Ihr gelingt ein bemerkenswert ehrliches Fazit über die Politik und ihre mediale Vermittlung.

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Der Januar 2015 beginnt mit vielen unerfreulichen Nachrichten: Russland-Sanktionen schaden der deutschen Wirtschaft, Griechenland könnte links wählen, die EZB will die Euro-Zone schon wieder mit künstlichem Geld fluten.

Doch endlich haben wir die Chance, auch einmal gute Laune zu verbreiten. Staatssekretärin Dorothee Bär von der CSU hat sich in der angesehenen Zeitung Die Welt einem Interview gestellt, illustriert mit einem sehr ansprechenden Foto des Berliner Starfotografen Dominik Thomas Butzmann. Bär versteht es auf erfrischende Weise, die mürrischen Demonstranten im eisigen Dresden ebenso alt aussehen zu lassen wie die monoton-besorgten Medien-Beobachter oder die Finanztechnokraten von der EZB.

Frau Bär wurde, wie die Welt einleitend vermerkt, „im pink gepunkteten Bikini“ im „Swimmingpool des Berliner Vabali-Spa“ fotografiert. Das Bad sei ein „textilfreies Bad“, doch die Gesprächspartner wissen, was sich gehört: „Natürlich würde die aufstrebende CSU-Politikerin und Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium keine Nacktbilder machen.“

Der Ort wurde angesichts der unübersehbaren Euro-Rettungsschirme mit Bedacht gewählt. Die Zeitung erklärt: „Sie liebt das Wasser, ist ausgebildete Rettungsschwimmerin und war jahrelang Vorsitzende der Wasserwacht in Unterfranken.“

Wie souverän die „fränkische Aufsteigerin“ (Die Welt) mit Medien umzugehen weiß, präsentiert sie in dem Interview eindrucksvoll. Sie pariert alle noch so unangenehmen Fragen lässig und mit wirklich umwerfendem Charme.

Die Welt: Frau Bär, als Sie 2002 in den Bundestag kamen, diskutierten Ihre Fraktionskollegen über die angemessene Höhe Ihres Rocksaums. Können Sie den Herren jetzt Fotos im Bikini zumuten?

Dorothee Bär: Mal reden die Leute über mein Dirndl, mal über meine Absätze. Ich hab mir vorgenommen, mich davon nicht beeindrucken zu lassen.

Oder:

Die Welt: Mit Klischees spielen Sie aber gern, oder? Sie eröffnen heute jedenfalls auch Autobahnabschnitte in Stilettos.

Bär: Ich mag einfach hohe Schuhe. Ich hab gar keine anderen. Als ich ins Bundesverkehrsministerium kam, hat mein Vorgänger mir mit auf den Weg gegeben, dass ich meinen Schuhschrank jetzt anpassen müsste. Aber mir war klar, dass ich meinen Schuhen treu bleiben werde. Mit flachen Schuhen würde ich mich auch verkleidet fühlen. Außerdem sind meine Absatzschuhe wirklich bequem, selbst wenn ich damit über Baustellenschutt laufe. Jetzt muss ich sie einfach öfter putzen (lacht).

Oder:

Die Welt: Jung, weiblich, schön – beflügeln solche Attribute eine Karriere in der Politik oder sind sie eher hinderlich?

Bär: Ob schön oder nicht, liegt immer im Auge des Betrachters. Und wie meine Oma immer sagt: Alt wirst du von allein. Ich bin mit 14 in die Junge Union eingetreten und mit 16 in die CSU. Natürlich haben sich am Anfang viele gedacht: Lass das Madel erst mal kommen.

So geht es weiter. Wer fürchtet, in dem Gespräch im FKK-Bad mit so sperrigen Themen wie der Euro-Krise, dem Russland-Konflikt oder gar dem Griff der EZB nach den Staatsanleihen belästigt zu werden, kann sich entspannen: Nichts davon findet sich in dem Interview und das ist gut so.

Wir empfehlen das Interview ausdrücklich zur Entspannung an einem tristen Januartag. Es gelingt Bär nämlich, der Interviewerin eine Frage zu entlocken, die an Selbstkritik grenzt. Bärs Antwort zeigt, dass man mit Ironie und Scharfsinn die Absurdität des politisch-medialen Komplexes in fast poetischer Weise verdichten kann. Und dass gerade im FKK-Bad, wo die Verhüllung verboten ist, wirklich gültige Aussagen fallen können, wie glühende Wahrheitssucher wie EU-Präsident Jean-Claude Juncker sie in den dunklen Räumen der Hinterzimmer-Politik nicht besser hätten formulieren können:

Die Welt: Reichweite als Ziel – frei von Inhalten?

Bär: Leider ist es inzwischen für viele doch völlig wurscht, was genau man sagt. Hauptsache, man ist mal wieder präsent in den Medien.

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