Charlie Hebdo: Weiter keine Spur von den Killern

Die französische Polizei tappt bei der Fahndung nach den beiden Hauptverdächtigen im Fall Charlie Hebdo im Dunklen. Alle bisherigen Hinweise erwiesen sich als nicht ausreichend, um die Täter zu fassen. Die Polizei setzt die Suche in der Nacht fort. Am Sonntag treffen sich EU-Politiker mit US-Justizminister Eric Holder, um über Konsequenzen zu beraten.

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Nach dem blutigen Terroranschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» am Mittwoch bleibt Frankreich in Alarmstimmung: Die Jagd nach den beiden Killern im Norden des Landes und ein weiterer Polizistenmord halten die Franzosen in Atem.

Die Regierung mobilisierte am Donnerstag landesweit 88 000 Einsatzkräfte, um die mit Maschinenpistolen bewaffneten Attentäter zu fassen und weitere Verbrechen zu unterbinden. Eine Spur verfolgte die Polizei in Nordfrankreich, doch die verdächtigen Brüder Chérif (32) und Said Kouachi (34) blieben auch über 35 Stunden nach dem Terrorakt mit zwölf Toten verschwunden.

Für neue Angst sorgte am Donnerstagmorgen eine Schießerei im Süden von Paris, bei der ein Unbekannter eine Polizistin tötete und einen Polizisten verletzte. Cazeneuve sagte, es gebe keinen erkennbaren Zusammenhang zum Anschlag auf «Charlie Hebdo». Er warnte dennoch, in der derzeitigen Risikolage seien weitere Gewalttaten möglich. Am Sonntag wollen sich führende Politiker der EU und USA zu Anti-Terror-Gesprächen in Paris treffen, darunter Bundesinnenminister Thomas de Maizière und US-Justizminister Eric Holder.

Die Polizei soll nach Medienberichten in Nordfrankreich, etwa 80 Kilometer von Paris entfernt, das Fluchtauto der mutmaßlichen Attentäter gefunden haben. Laut Le Monde hat die Polizei dies jedoch nicht bestätigt. Nach Informationen der Zeitung hatten am Morgen gegen 09.30 Uhr zwei Männer eine Tankstelle bei Villers-Cotterêt überfallen. Es sollen nach Darstellung des Besitzers der Tankstelle die Attentäter gewesen sein. Seitdem gebe es aber keinen Hinweis darauf, wo sich die Killer befinden.

Sondereinheiten der Polizei durchkämmten die Gegend um den Wald von Longpont, zogen sich am späten Abend aber zurück. Die Großfahndung in der Region gehe aber die ganze Nacht mit fünf Hubschraubern weiter, zitierte die Agentur AFP Polizeiquellen. Die Videoüberwachung in der Tankstelle habe gezeigt, dass die Täter mit einer Kalaschnikow bewaffnet waren und sich im Auto eine Panzerfaust befunden haben soll.

Parteien, Gewerkschaften und Menschenrechtsgruppen riefen die Menschen zu einem Solidaritätsmarsch am Sonntag auf. Die Chefin der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, beklagte, ihre Partei sei von dem Bündnis ausgeschlossen worden.

Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq will seinen islamkritischen Roman «Soumission» (Unterwerfung) zunächst nicht mehr bewerben und Paris verlassen, wie sein Verlag bestätigte. Der Autor sei tief betroffen vom Tod seines Freundes Bernard Maris, der bei dem Mordanschlag auf die Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» getötet wurde, sagte Houellebecqs Agent. Der Anschlag auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» wurde am Mittwoch am Tag des Erscheinens des Buches verübt. Houellebecq beschreibt darin das Leben in Frankreich unter einem muslimischen Präsidenten. Die Ausgabe von «Charlie Hebdo» vom Mittwoch hatte eine Karikatur über den Autor auf der Seite eins.

Ein 18-Jähriger soll sich der Polizei gestellt haben. Über die Drahtzieher des Anschlags ist nichts bekannt.

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