Paris: Die Attentäter von Charlie Hebdo sind tot

Die Polizei hat beide Terror-Schauplätze gestürmt, an denen es am Freitag zu Geiselnahmen gekommen ist. Die Attentäter von Charlie Hebdo wurden getötet. Auch der Attentäter gegen den koscheren Supermarkt wurde erschossen. Vier Geiseln sind bei dem Verbrechen ums Leben gekommen.

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Aktuell: Geiselnahme in koscherem Supermarkt in Paris

Die französische Polizei hat mit zeitgleichen Einsätzen zwei Geiselnahmen durch Terroristen im Großraum Paris beendet. Bei den Geiselnahmen und den Einsätzen zur Befreiung wurden sieben Menschen getötet, darunter die drei Täter.

Zunächst wurde der Unterschlupf der mutmaßlichen Attentäter des Satiremagazins «Charlie Hebdo» in der Ortschaft Dammartin-en-Goële gestürmt. Die beiden Terrorverdächtigen seien getötet worden, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Die Geisel sei frei und unverletzt.

Die Polizei griff auch bei der zweiten Geiselnahme im Osten von Paris zu. In dem jüdischen Lebensmittelladen sollen fünf Menschen getötet worden sein, darunter der Geiselnehmer. Im französischen Fernsehen waren vier Explosionen zu hören. Mehrere Menschen waren beim Zugriff der Polizei aus dem jüdischen Lebensmittelladen gerannt.

Die französischen Behörden wollen drei Schulen in der Nähe der Druckerei evakuieren, in der sich die mutmaßlichen Attentäter von Paris verschanzt haben. Die Schüler würden in eine weiter entfernte Turnhalle in Dammartin-en-Goële gebracht, wo sie von ihren Eltern abgeholt würden, teilte die Stadtverwaltung am Freitag auf ihrer Internetseite mit. Die Sicherheitskräfte haben die gesuchten Attentäter in einer Druckerei eingekesselt. Die Gegend ist weiträumig abgesperrt. Vermummte Männer hatten am Mittwoch die Redaktion des Satiremagazins «Charlie Hebdo» gestürmt und zwölf Menschen getötet.

Der Tag im Überblick:

Nach Polizeiangaben sollen Verhandlungen mit den Tätern gescheitert sein. Die Tatverdächtigen hätten „nichts zu verlieren“. Die Zeitung Le Point zitiert den UMP-Politiker Yves Albarello: „Die Flüchtigen sagten, dass sie als Märtyrer sterben möchten.“ Das Innenministerium widersprach der Darstellung und sagte, man wolle alles unternehmen, um zu einer Verhandlungslösung zu kommen. Sprecher Pierre-Henry Brandet sagte, man bereite sich allerdings auch auf eine Erstürmung vor. Offenbar ist nicht ganz klar, ob sich die Täter allein in dem Gebäude verschanzt haben oder eine oder mehrere Geiseln genommen haben.

Diese Aussage steht im Kontrast zur Aussage eines Zeugen, den die Zeitung Le Point zitiert:

„Die Tatverdächtigen hatten zuvor einem Franzosen seinen grauen PKW der Marke Renault Clio entwendet und waren damit auf der Flucht. Der Bestohlene Mann schildert den Vorfall: ,Sie waren mit paramilitärischen Uniformen bekleidet und trugen Waffen. Sie waren sehr ruhig, sehr professionell und nicht aufgeregt. Die beiden haben zu keinem Zeitpunkt ihre Stimmen erhoben. Von Aufregung konnte man nichts merken. Sie waren nicht verschwitzt und hatten sich unter Kontrolle (…) Ich sollte der Presse sagen, dass sie der Al Qaida im Jemen angehören, falls es Presse-Anfragen gibt.‘“

Diese Aussage würde dem entsprechen, was die Deisgnerin Coco von einem der Killer gehört haben soll, als diese sie zwangen, den Code für das Gebäude einzugeben, in dem die Redaktion von Charlie Hebdo sitzt.

Nach der Geiselnahme im Nordosten von Paris hat der Flughafen Paris Charles de Gaulle die beiden Bahnen im Norden für Landungen gesperrt. Die landenden Flugzeugen werden auf die zwei Start- und Landebahnen im Süden des Flughafens verlagert. Im Norden könne weiter gestartet werden, sagte ein Sprecher des Flughafens am Freitag. Der Ort der Geiselnahme in Dammartin-en-Goële liegt nur wenige Kilometer vom Flughafen entfernt. Dort belagert die Polizei die beiden mutmaßlichen Attentäter, die den Terroranschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» verübt haben sollen.

Östlich von Paris ist ein Großeinsatz gegen die beiden mutmaßlichen Attentäter auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» in vollem Gang. Der Einsatz laufe, um die Urheber des Anschlags vom Mittwoch mit zwölf Toten auszuschalten, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve am Freitag. Das Innenministerium in Paris ist sich nach eigenen Angaben «so gut wie sicher», dass es sich bei den Geiselnehmern um die beiden Hauptverdächtigen handelt.

Am Morgen war es in der Stadt Dammartin-en-Goele in der Nähe des Flughafens Charles de Gaulle zu einer Geiselnahme gekommen. Die Pariser Staatsanwaltschaft hat dementiert, dass es bei der Fahndung nach den Attentätern von Paris ein Todesopfer gegeben hat. Dies hatte zuvor der Radiosender RTL berichtet. Nach einem unbestätigten Bericht der Zeitung Le Parisien sollen bei einem Schusswechsel zwei Menschen getötet und 20 verletzt worden sein.

Für die Angestellten des schweizerischen Speditionsunternehmens Kühne + Nagel in einem Lager bei Paris besteht nach Angaben eines Firmensprechers keine Gefahr. Die Mitarbeiter seien in Sicherheit, sagte er am Freitag. Genaue Zahlen nannte er nicht. Das Gebäude befinde sich in unmittelbarer Nähe der Geiselnahme der mutmaßlichen «Charlie Hebdo»-Attentäter. Die Geiselnahme in Dammartin-en-Goële spiele sich jedoch nicht in dem auf Fernsehbildern zu sehenden Lager von Kühne + Nagel ab, sagte der Sprecher. Es habe diesbezüglich Verwirrung gegeben.

Auf der Suche nach den Tatverdächtigen kommen zum ersten Mal alle französischen Interventions-Truppen im Inland zum Einsatz. Dazu gehören die Groupe d’Intervention de la Gendarmerie Nationale (GIGN), Recherche Assistance Intervention Dissuasion (RAID), Groupes d’Intervention de la Police Nationale (GIPN) und die Brigade de recherche et d’intervention (BRI). Zudem sollen fünf Hubschrauber im Einsatz sein, berichtet Le Point. Zeugen sprechen von einer „Kriegs-Zone“.

Le Point zitiert einen Augenzeugen, der das Eintreffen der Sicherheits-Kräfte im Industriegebiet von Dammartin-Goële beobachtet hat: „Zuerst kam ein Polizeiauto und dann sehr schnell andere Autos und Hubschrauber (…) Das Ganze war so überwältigend, dass wir Herzrasen bekamen. Der unaufhörliche Lärm der Hubschrauber brachte uns in eine extreme Stress-Situation.

Die französische Polizei hatte mit über 80.000 Mann versucht, die Täter zu stellen. Die Hintergründe über den Anschlag sind weiterhin völlig unklar. Sollte es sich bei den in die Geiselnahme Verwickelten tatsächlich um die Killer von Charlie Hebdo handeln, würde ihr Tod eine Aufklärung des Falls vermutlich für immer unmöglich machen.

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