Google Glass gescheitert: Entwickler von iPod unternimmt Rettungs-Versuch

Die Datenbrille Google Glass hat in den vergangenen Jahren nur wenige Kunden gefunden. Jetzt wird das Test-Programm mit der ersten Glass-Generation eingestellt - ohne dass es überhaupt zu einer breiten Markteinführung kam. Nun soll ein ehemaliger Apple-Manager das Projekt retten.

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Google-Mitgründer Sergey Brin veranstaltete vor zweieinhalb Jahren eine große Abenteuer-Show, um der Welt seine Computerbrille Google Glass zu präsentieren. Inzwischen taucht selbst Brin in der Öffentlichkeit ohne die einst unverzichtbare Datenbrille auf der Nase auf. Auch Software-Entwickler verlieren das Interesse. Bei Verbrauchern überwogen Misstrauen und Sorgen um die Privatsphäre die Neugier.

Jetzt wird das Test-Programm mit der ersten Glass-Generation eingestellt – ohne dass es überhaupt zu einer breiten Markteinführung kam. Google gibt sich große Mühe, es nicht als Scheitern aussehen zu lassen. Das „Explorer“-Programm werde gestoppt, „damit wir uns darauf fokussieren können, was als Nächstes kommt“, heißt es. Eine neue Version sei in Arbeit. Mit der Bildung eines eigenen Teams jenseits des Forschungslabors Google X sei es so etwas wie ein „Schulabschluss“. Die erste Version habe ihre Aufgabe erfüllt, die Technologie besser verstehen zu helfen, zitierte die „Financial Times“ anonyme Google-Kreise. Über eine nächste Generation ist aber nichts bekannt.

Und der Funke der Begeisterung, die Brin 2012 so gerne vermitteln wollte, sprang nie über. Die Menschen auf der Straße machten sich von Anfang an sorgen, heimlich gefilmt zu werden. Mehrere Restaurants erklärten Glass schnell für unerwünscht.

Seit 30 Monaten nach der spektakulären Premiere krankt die Datenbrille immer noch an handfesten technischen Kinderkrankheiten. Der Akku hält bei intensiver Nutzung der Brille nur wenige Stunden lang, das Gerät wird dabei heiß.

Die Funktion zur Live-Videoübertragung, die einst so medienwirksam vorgeführt wurde, wurde wieder deaktiviert. Um die Batterie zu schonen, wechselt die Brille meist nach wenigen Sekunden in den Stand-by-Modus. Die Auflösung der Kamera ist zu niedrig für hochwertige Fotos. Bei diesen handfesten technischen Mängeln half auch keine Kooperation mit dem weltgrößten Brillen-Hersteller Luxottica, mit der die Träger von klassischen optischen Brillen für Glass gewonnen werden sollten.

„Es ist richtig, zurück ans Reißbrett zu gehen“, sagte Analystin Carolina Milanesi vom Marktforscher Kantar Worldpanel der „Financial Times“. Zugleich sei es zu früh, Glass für gescheitert zu erklären. Für die Weiterentwicklung von Glass wird nun eine gesonderte Projekt-Abteilung eingerichtet. Der Leiter der Abteilung ist Tony Fadell. Dieser gehört zu den Mitentwicklern von Apples iPod. Er soll das Glass-Projekt retten.

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