Euro-Abwertung: Frankreich jubelt, Deutschland jammert

Die deutsche Wirtschaft warnt die EZB vor einer massiven Abwertung des Euro. Der französische Präsident Hollande ermuntert die EZB zur Abwertung. Wächst hier wirklich zusammen, was zusammengehört?

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Nur elf Minuten trennen die beiden nachfolgenden Meldungen, die einiges über den Stand des Auseinanderdriften der Konvergenz der Euro-Zone sagen:

Um 13.55 Uhr meldete Reuters:

Der französische Präsident Francois Hollande verspricht sich von einem breit angelegten EZB-Kaufprogramm für Staatsanleihen einen Schub für die Konjunktur in Europa. „Und zu guter Letzt, wird die Europäische Zentralbank am Mittwoch die Entscheidung fällen, Staatsanleihen zu kaufen, was der europäischen Wirtschaft erhebliche Liquidität zuführen wird und das kann ebenfalls Wachstum begünstigen“, sagte Hollande in einer Neujahrs-Ansprache zur Wirtschaftsentwicklung. Zu den positiven Faktoren zählte Hollande zudem den gefallenen Ölpreis und den Euro-Dollar-Wechselkurs.

Hollande listete in seiner Rede Faktoren auf, die nach seiner Einschätzung der europäischen Wirtschaft helfen und Frankreichs offizielle Wachstumsprognose von einem Prozent in diesem Jahr unterstützen könnten. Wie ein Mitarbeiter des Präsidialamtes erläuterte, nahm Hollande in seiner Rede nicht die Entscheidung der unabhängigen Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag vorweg. Er habe lediglich ein solches Szenario zu den Faktoren gezählt, die die Wirtschaftsentwicklung in den kommenden Monaten begünstigen könnten.

Um 14.06 Uhr lesen wir bei Reuters:

Die deutsche Wirtschaft warnt die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts der geplanten Geldschwemme vor einem Währungskrieg. „Die Märkte haben schon reagiert – der niedrige Euro-Wechselkurs ist auch eine Folge des signalisierten Staatsanleihenkaufs“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Das erleichtere zwar Exporte. „Aber der niedrige Wechselkurs hat auch seinen Preis.“ Andere Länder könnten darauf reagieren. „Wenn die USA jetzt zum Beispiel ihre Zinserhöhung verschieben, um gegenüber Europa nicht an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren, droht uns eine Spirale des lockeren Geldes, bei der am Ende alle verlieren“, warnte Wansleben.

Auch die Familienunternehmer sprechen von einer „schlechten Idee“, Staatsanleihen zu kaufen. „Die EZB fühlt sich eigenmächtig zur Bekämpfung der Rezession in Europa berufen“, sagte Verbandspräsident Lutz Goebel. „Dazu hat sie aber kein Mandat und überschätzt ihre Möglichkeiten auf Kosten der europäischen Steuerzahler.“ Die Gefahr sei groß, dass vor allem die Euro-Länder wieder stärker auf neue Schulden setzten, die erst auf halbem Wege bei ihren Reformbemühungen seien.

Die EZB wird voraussichtlich am Donnerstag den Kauf von Staatsanleihen im Volumen von Hunderten Milliarden Euro beschließen. Das Programm soll Banken bewegen, ihre Staatsanleihen abzustoßen und stattdessen mehr Kredite zu vergeben. Dies soll die schleppende Konjunktur ankurbeln und einen Preisverfall auf breiter Front in der Euro-Zone verhindern.

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