Kopf wird zur Fernbedienung: Implantat steuert Geräte mit Gedanken

Eine neuartige Fernbedienung ermöglicht dem Träger, Roboterarme oder Rollstühle mit Gedankenkraft zu steuern. Der Sender wird am Kopf befestigt und überträgt Befehle aus einem Hirn-Implantat an elektronische Geräte. Erste Exemplare wurden bereits verkauft.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Eine gelähmte Frau kontrolliert den Roboterarm mittel Gedankenkraft. Blackrock hat das Gerät weiterentwickelt und erste Exemplare verkauft. (Screenshot)

Eine gelähmte Frau kontrolliert den Roboterarm mittel Gedankenkraft. Blackrock hat das Gerät weiterentwickelt und erste Exemplare an Forschungseinrichtungen verkauft. (Screenshot)

Ein kabelloser Sendechip bietet Gelähmten eine Möglichkeit, Fernseher, Computer, Roboterarme und Rollstühle mit Gedankenkraft zu steuern. Das Gerät  wird am Kopf befestigt und überträgt Befehl aus einem Implantat via Radiowellen an die elektronischen Geräte.

Wie das MIT-Fachmagazin Technology Review berichtet, wird die Firma Blackrock Microsystems das Gerät nach über zehnjähriger Forschungsarbeit nun zur Marktreife bringen. Entwickelt hat das System ein Konsortium namens BrainGate, das aus Wissenschaftlern an der Brown University besteht. Blackrock verkauft das Gerät bereits unter dem Namen „Cereplex-W“ für rund 15.000 Dollar an Forschungseinrichtungen für Versuche mit Primaten. Das Vorgängermodell wird bereits an einer Handvoll ALS-Patienten getestet. Noch in diesem Jahr soll die auch die neue Hirn-Fernbedienung für Test mit Freiwilligen zugelassen werden.

Die neue Schnittstelle hat die Größe eines Auto-Tankdeckels und verarbeitet die Daten direkt am Schädel,  wo es mit den Elektroden innerhalb des Gehirns verdrahtet ist. Ein Prozessor verstärkt die schwache Spannung der Neuronen, Schalter digitalisieren die Information und ein Radiosender schickt es einigen Meter bis zu einem Empfänger. Dort kommen die Informationen als Steuersignal an, um etwa einen Cursor auf einem Computerbildschirm zu bewegen.

Das Gerät überträgt Daten aus dem Gehirn mit einer Geschwindigkeit von 48 Megabit pro Sekunde, etwa so schnell wie eine  normale Internetverbindung. Es braucht dabei etwa 30 Milliwatt Leistung – ein Bruchteil dessen, was ein Smartphone verwendet, und wird durch eine Batterie angetrieben.

Obwohl das Implantat das Äquivalent von über 200 Daten-DVDs pro Tag überträgt, ist das nicht viel Information im Vergleich dazu, was das Gehirn bei der Ausführung selbst einfachster Bewegungen an Daten erzeugt. Von den Milliarden von Nervenzellen im menschlichen Kortex, haben Wissenschaftler nie mehr als 200 gleichzeitig messen können.

Der nächste Schritt sei nun, das Gerät komplett auf eine implantierbare Größe zu schrumpfen, so dass keine Kabel mehr aus der Haut kommen und so das Infektionsrisiko zu senken.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick