Dollar zu stark: US-Notenbank könnte mit Zins-Erhöhung warten

Die US-Notenbank will vermutlich erst zur Jahresmitte die Zinsen erhöhen. Der Grund dürfte der starke Dollar sein: Wegen der EZB-Geldschwemme kämpfen US-Firmen mit ihren Exporten. Für bare Münze sollte man die Spekulationen jedoch nicht nehmen: Auch in der Schweiz war vor der Abkoppelung des Franken vom Euro das Gegenteil behauptet worden.

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Trotz brummender Wirtschaft hat es die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) mit einer Zinserhöhung nicht eilig. Sie will die Normalisierung der Geldpolitik „geduldig“ angehen, wie die Notenbank nach ihrer Zinssitzung am Mittwoch betonte. Die Zentralbanker um Fed-Chefin Janet Yellen halten den Leitzins bereits seit Ende 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent. An den Märkten wird frühestens für die Jahresmitte mit der Zinswende gerechnet.

„Es kam nichts Überraschendes von der Fed. Alles ist sehr ausgewogen“, sagte Fed-Beobachter Vassili Serebriakov von BNP Paribas der Nachrichtenagentur Reuters. Die Wall Street gab ihre Gewinne nach dem Zinsentscheid ab, der im Offenmarktausschuss der Fed einstimmig ausfiel. Mit dem nahenden Ende der Nullzinspolitik wird damit den New Yorker Börsen ein wichtiger Impulsgeber fehlen, der die Märkte jahrelang befeuert hat. Die Fed blickt etwas optimistischer auf die Konjunktur als im Dezember. Sie spricht nun davon, dass die Wirtschaft „in solidem Tempo“ zulege. Im Dezember hatte die Notenbank nur einen „moderaten“ Fortschritt festgestellt. Für die am Freitag anstehenden Daten zum Bruttoinlandsprodukt im letzten Quartal 2014 erwarten Experten ein Plus von aufs Jahr hochgerechnet 3,0 Prozent. Im Sommer waren es noch 5,0 Prozent – der höchste Wert seit elf Jahren.

Trotz des Aufschwungs macht der Fed die niedrige Inflation zu schaffen. Im Sog der niedrigen Energiekosten steigen die Preise weit langsamer als der Notenbank lieb ist. Sie strebt einen Wert von 2,0 Prozent an, im Dezember stiegen die Preise zum Vorjahr jedoch nur um 0,8 Prozent. Die Fed erwartet, dass die Inflationsrate noch weiter sinken wird. Mittelfristig sollen die Preise aber wieder anziehen. Wegen des anhaltenden Aufschwungs kommt die Fed ihrem Ziel Vollbeschäftigung zugleich immer näher. Sie spricht von „starkem Stellenzuwachs“. 2014 sind so viele Arbeitsplätze entstanden wie seit 15 Jahren nicht mehr: rund drei Millionen Jobs.

Die Fed will bei ihren geldpolitischen Entscheidungen auch „Finanz- und internationale Entwicklungen“ berücksichtigen. „Den Dollar erwähnt sie aber nicht und auch keine internationalen Risiken“, sagt Ökonom John Silva von der US-Großbank Wells Fargo. In der Euro-Zone hatten fallende Preise die Europäische Zentralbank (EZB) zur Ankündigung einer beispiellosen Geldflut ab März veranlasst. Mit Anleihekäufen im Volumen von mehr als einer Billion Euro soll bis zum Herbst 2016 die Inflation angeheizt werden.

Dahinter steht die Furcht, dass die Preise ohne die Geldspritze auf breiter Front fallen könnten und die Währungsunion in eine Spirale aus Kaufzurückhaltung und nachlassenden Investitionen rutschen könnten. Diese Gefahr ist in den USA zwar nicht akut, doch dürfte die Fed die EZB-Geldpolitik genau im Auge halten. Denn durch die Geldflut in der Euro-Zone wird der Dollar stärker. Falls die US-Notenbank ihrerseits die Zinsen erhöht, dürfte die US-Währung noch stärker aufwerten. Damit würden US-Produkte im Ausland teurer und Exporteure hätten am Weltmarkt einen schwereren Stand. Die US-Wirtschaft hat bereits gegen den starken Dollar protestiert und verlangt eine weichere Währung.

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