Ölpreisverfall zwingt Energie-Riesen zu Milliarden-Kürzungen

Aufgrund des fallenden Öl-Preises nehmen die Energie-Riesen OMV und Shell Milliarden-Kürzungen vor. OMV muss mit Lieferausfällen aus Libyen und dem Jemen rechnen. Shell muss Investitionen und sonstige Ausgaben in Höhe von 15 Milliarden Dollar einsparen.

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Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV wirft wegen des niedrigen Ölpreises und anhaltender Lieferausfälle in Libyen seine Investitions- und Förderziele über Bord. Statt der geplanten 3,9 Milliarden Euro werde das Unternehmen in den kommenden zwei Jahren durchschnittlich nur 2,5 bis drei Milliarden Euro in den Ausbau des Geschäfts stecken. Damit rückt auch das vom scheidenden Firmenchef Gerhard Roiss ausgegebene Ziel einer Öl- und Gasproduktion von 400.000 Barrel pro Tag in die Ferne, wie OMV am Donnerstag mitteilte. Diese Marke werde nun nicht wie geplant 2016 sondern erst später erreicht.

Der niedrige Ölpreis drückt die Erträge des Konzerns. Zudem schmälern Lieferausfälle aus den krisengebeutelten Ländern Libyen und Jemen die Produktion. Allein aus Libyen hatte OMV in Friedenszeiten rund ein Zehntel des Öls bezogen. Details bei welchen Projekten gespart werden solle, nannte OMV nicht. An Großprojekten wolle die Firma festhalten. Auch der Verkauf von Geschäftsteilen werde geprüft.

Zudem machten dem Konzern im vierten Quartal hohe Abschreibungen auf das türkische Tankstellengeschäft und bei der rumänischen Tochter Petrom zu schaffen. Das habe zu Sonderbelastungen von 700 Millionen Euro im operativen Ergebnis geführt. In den ersten neun Monaten 2014 hatte OMV ein Betriebsergebnis (Ebit) von 1,5 Milliarden Euro verbucht. Die Abschreibung auf das unter der Marke Petrol Ofisi firmierende türkische Tankstellengeschäft begründete OMV mit regulatorischen Eingriffen und allgemein höheren Risiken in dem Land.

Einziger Lichtblick war die zu Jahresende wieder gestiegene Ölförderung: Im vierten Quartal legte sie durch zwei weitere Bohrungen in Norwegen im Vergleich zum Vorquartal um zwei Prozent auf 318.000 Barrel pro Tag zu. Im Geschäft mit der Weiterverarbeitung von Rohöl zu Treibstoffen stiegen die entsprechenden Referenzmargen auf 5,19 von 4,9 Dollar je Barrel im Vorquartal.

Um Kosten zu sparen hat OMV ihrem russischen Lieferanten Gazprom niedrigere Gaspreise abgerungen. Die beiden Konzerne hätten einen bestehenden Liefervertrag angepasst. „Der langfristige Vertrag ist damit auf neue Beine gestellt und spiegelt die veränderten Marktkonditionen wider“, erklärte die Geschäftsführung. Das Gaslieferabkommen zwischen OMV und Gazprom hat eine Laufzeit bis 2027. Im Zuge dessen hatten die beiden Partner den Bezugspreis lange im Voraus festgelegt. Doch mit der mauen Nachfrage im Zuge der Wirtschaftskrise brachen die tatsächlichen Marktpreise ein, was bei den Österreichern und anderen Versorgern zu hohen Verlusten geführt hatte. Einem Insider zufolge orientiert sich der neue Preis für die Gaslieferungen künftig nicht mehr am Ölpreis, sondern an den Marktpreisen für Gas.

Ende 2013 hatte sich OMV, der seit knapp 50 Jahren Gas aus Russland bezieht, mit Gazprom rückwirkend per April 2013 bereits auf eine vorübergehende Preissenkung geeinigt. Nun haben die beiden Partner auch eine dauerhafte Lösung erzielt. „Gazprom und die OMV haben heute einen wichtigen Schritt gesetzt, um die Belieferung Österreichs mit Erdgas langfristig abzusichern”, sagte OMV-Chef Gerhard Roiss.

Auch der deutsche Versorger RWE hatte eine Vereinbarung mit Gazprom erzielt, um weitere Belastungen aus den langfristigen Lieferverträgen zu vermeiden. Insgesamt bezieht die EU rund ein Drittel des benötigten Gases aus Russland.

Der Öl-Riese Royal Dutch Shell hingegen reagiert mit Milliardenkürzungen auf den Ölpreisabsturz. Investitionen und sonstige Ausgaben sollen in den nächsten drei Jahren um 15 Milliarden Dollar gesenkt werden, wie das britisch-niederländische Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Allein 2014 hatte Europas Branchenprimus 35 Milliarden Dollar investiert. „Wir fahren einen vorsichtigen Ansatz, aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht überreagieren“, unterstrich Shell-Chef Ben van Beurden.

An der Börse überwog die Skepsis: Shell-Aktien büßten vier Prozent ihres Wertes ein, auch weil das Quartalsergebnis hinter den Markterwartungen zurückblieb.

Im vierten Quartal verdoppelte sich der Gewinn nahezu auf 4,2 Milliarden Dollar – trotz des Ölpreisverfalls, der viele Unternehmen der Branche bereits zu Kostensenkungen gezwungen hat. Um die Aktionäre zu besänftigen, wurde die Dividende wie im Vorquartal bei 0,47 Dollar pro Anteilsschein belassen. Auch in den ersten drei Monaten 2015 will Shell diesen Betrag ausschütten.

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