Kiew: Rebellen starten Groß-Offensive mit Angriffen auf 80 Dörfer

Nach ukrainischen Militärangaben sollen die Rebellen ihre angekündigte Großoffensive gestartet haben. Rund 80 Ortschaften und Stellungen seien innerhalb von 24 Stunden angegriffen worden. Die Rebellen beschuldigen das Militär hingegen, für den Beschuss eines Krankenhauses in Donezk verantwortlich zu sein.

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Die Rebellen haben nach Angaben des ukrainischen Militärs im Osten des Landes eine Großoffensive gestartet. Allein in den vergangenen 24 Stunden seien 80 Ortschaften und Stellungen mit Raketen sowie Artillerie angegriffen worden, sagte ein Militärsprecher am Mittwoch. Zwei Soldaten seien getötet, 18 weitere verletzt worden. Die Rebellen hatten zuvor eine Generalmobilmachung angekündigt.

Die selbsternannte Verwaltung von Donezk meldete unterdessen, ein Krankenhaus sei von einer Granate getroffen worden. Es habe Tote und Verletzte gegeben, hieß es auf der Internetseite der Stadtverwaltung. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. bezeichnete die Lage als „brandgefährlich“.

Besonders umkämpft ist die Ortschaft Debaltsewe nordöstlich von Donezk. Die Separatisten wollen diesen Eisenbahnknotenpunkt erobern. Mit der Eroberung der Stadt würden die Rebellen eine logistische Verbindung zwischen den beiden von ihnen kontrollierten Gebieten Luhansk und Donzek erhalten. Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk sprach der Agentur Interfax-Ukraine zufolge von 2.500 Zivilisten, die in Sicherheit gebracht worden seien. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, die EU unterstütze die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bei dem Bemühen, einen Waffenstillstand um Debaltsewe auszuhandeln.

Seit der Vereinbarung einer Waffenruhe im September haben Rebellen Militärangaben zufolge etwa 300 ukrainische Soldaten getötet. Am Wochenanfang kündigten die Separatisten eine Massen-Mobilmachung an. Ziel sei eine Streitmacht von 100.000 Mann. Die USA hatten sich zuletzt zu möglichen Waffenlieferungen an die ukrainische Armee zurückhaltend geäußert.

Bundesaußenminister Steinmeier warnte davor, die im September zwischen Russland, der Ukraine und den Separatisten erzielten Vereinbarungen von Minsk nun über Bord zu werfen. „Ich sehe es als unsere Verantwortung, alles in unser Macht stehende zu tun, damit dieser Konflikt nicht vollkommen außer Kontrolle gerät“, sagte er den Nürnberger Nachrichten. Zudem sprach Steinmeier sich gegen Waffenlieferungen an die Ukraine aus. „Aber zu hoffen, dass mehr Waffen zur Entschärfung des Konfliktes beitragen, geht weit an der Realität in der Ostukraine vorbei. Im schlimmsten Falle würden sie den ohnehin schon so blutigen Konflikt noch weiter verlängern.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt die Lieferung von tödlichen Waffen an die Regierung in Kiew ab. Doch zu anderweitigem Militär-Gerät traf sie keine Aussage.

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