Börse: Dax schliesst im Minus

Die Machtelite in Gestalt der EZB statuiert mit Griechenland ein Exempel: Man verschlechtert die Verhandlungsposition der Griechen massiv, gewährt aber den Banken des Landes Notkredite von 60 Milliarden Euro. Der Dax bleibt trotz robuster US-Märkte seltsam verhalten - der Wind scheint sich gedreht zu haben.

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Der harte Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) im Schuldenstreit mit Griechenland hat die internationalen Börsen am Donnerstag in Unruhe versetzt. In Athen brachen die Kurse ein. Bei Dax & Co. hielten sich die Verluste dank der nahenden EZB-Geldschwemme und positiver Unternehmensnachrichten dagegen in Grenzen. Die Wall Street legte nach positiven Konjunkturdaten sogar zu.

Die europäischen Währungshüter wollen griechische Anleihen zukünftig nicht mehr als Sicherheiten für Notenbank-Kredite akzeptieren. Dadurch müssen die Geldhäuser des Mittelmeer-Anrainers bei Bedarf auf Notfall-Hilfen der heimischen Notenbank zurückgreifen.

„So drastisch die EZB-Ankündigung erscheint, sie ist wohl nur der Eröffnungszug für die Verhandlungen mit Athen und Berlin in den kommenden Monaten“, sagte Ashraf Laidi, Chef-Anlagestratege beim Brokerhaus City Index. Sein Kollege Gary Jenkins von LNG Capital sagte voraus, dass die griechische Regierung am Ende die größeren Kompromisse eingehen müsse, da Bundeskanzlerin Angela Merkel bei den Verhandlungen sicher mit harten Bandagen kämpfen werde. Bond-Experte Patrick Jacq von BNP Paribas mahnte dagegen zur Besonnenheit. „Das ist nicht das Ende der Welt für die griechischen Banken.“

Vor diesem Hintergrund brach der Athener Leitindex zeitweise um mehr als neun Prozent ein. Der griechische Bankenindex fiel zum zweiten Mal binnen acht Tagen um mehr als 20 Prozent. Der Ausverkauf griechischer Anleihen trieb die Rendite der dreijährigen Titel in der Spitze um mehr als zwei volle Prozentpunkte in die Höhe auf 18,833 Prozent.

In Sog der Athener Börse gaben die Leitindizes der ebenfalls krisengeplagten Euro-Staaten Italien und Spanien um jeweils 0,6 Prozent nach. Der EuroStoxx50 büßte 0,2 Prozent ein und der Dax verabschiedete sich mit einem Minus von 0,1 Prozent bei 10.905,41 Punkten in den Feierabend.

Griechenland sei nur ein kurzfristiger Belastungsfaktor, betonte Terry Torrison, Geschäftsführer von McLaren Securities. Längerfristig seien die rund ein Billion Euro schweren Wertpapierkäufe der EZB der entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Die damit verbundene Abwertung des Euro mache europäische Papiere für ausländische Investoren – vor allem aus den USA – attraktiv. Am Donnerstag verteuerte sich die europäische Gemeinschaftswährung auf 1,1421 Dollar, nachdem ihr Kurs am Vortag in Reaktion auf den EZB-Warnschuss auf bis zu 1,1315 Dollar abgerutscht war.

An der Wall Street legten Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 zwischen 0,6 und 0,9 Prozent zu. Sie profitierten dabei von der überraschend geringen Zahl an Erstanträgen auf US-Arbeitslosenhilfe. 278.000 Personen beantragten in der vergangenen Woche staatliche Unterstützung.

Bei den deutschen Aktienwerten rückte Daimler ins Rampenlicht. Der Autobauer verdiente dank eines Absatzrekords im vergangenen Jahr operativ rund zehn Milliarden Euro. Daher hebt das Dax-Schwergewicht seine Dividende auf 2,45 Euro je Aktie an – so viel wie nie zuvor. Anleger griffen daraufhin bei Daimler-Papieren zu und trieben den Kurs zeitweise auf ein 15-Jahres-Hoch von 84,69 Euro. Sie schlossen 0,2 Prozent fester bei 82,78 Euro.

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