Börse: Dax schließt 0,4 Prozent im Plus

Chaos um das Treffen der Eurogruppe: Der Starttermin ist nun zum zweiten Mal verschoben worden. Die EZB bereitet sich auf einen Grexit vor und der maltesische Finanzminister sagt, Deutschland und andere seien bereit, Griechenland „gehen zu lassen“. Unser Nachbarland Dänemark drohte heute mit Kapitalverkehrskontrollen, um Hedgefonds zu erschrecken, die auf eine Lösung der Krone vom Euro spekulieren.

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Wenige Stunden vor einer möglichen Entscheidung in der griechischen Schuldenkrise haben die Anleger an den europäischen Börsen die Nerven behalten. Der Dax schloss am Freitag 0,4 Prozent höher bei 11.050,64 Punkten und damit so hoch wie noch nie in seiner Geschichte. Zwischenzeitlich kletterte er auf ein Rekordhoch von 11.081,81 Zählern, schwankte allerdings im Verlauf kräftig vom Plus ins Minus. Der Euro ging ebenfalls auf Berg- und Talfahrt.

„Der Markt ist sehr nervös wegen Griechenland“, sagte ein Händler. „Dabei ist es inzwischen den meisten Investoren wahrscheinlich ganz egal, was mit Griechenland passiert“, sagte Stratege Andreas Paciorek von CMC Markets. „Sie wollen eine Lösung, sei es nun der Grexit oder eine Einigung Griechenlands mit den europäischen Geldgebern.“ Das stärkste Gift für die Börse sei die „quälende Unsicherheit.“

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hatte vor dem für den späten Nachmittag anberaumten Krisentreffen vorsichtigen Optimismus verbreitet. Auch der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte sich zuversichtlich gezeigt. Laut einem „Spiegel“-Bericht bereitet sich die Europäische Zentralbank (EZB) indes auf einen Ausstieg des Landes aus der Währungsunion vor. „Eine Einigung heute ist noch keine ausgemachte Sache“, prognostizierte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. „Doch die Zeit drängt.“ Bis Montag müsse sich ein Kompromiss abzeichnen, sonst reiche die Zeit eventuell nicht mehr aus, um die Zustimmung aller Euro-Länder und des griechischen Parlaments einzuholen. Ohne eine Verlängerung des Hilfsprogramms droht dem hoch verschuldeten Griechenland die Staatspleite – und damit auch der so genannte „Grexit“, das Ausscheiden aus der Euro-Zone. Die Regierung in Athen lehnt bislang Teile der verabredeten Reformen, die sie im Gegenzug für die Hilfsgelder umsetzen soll, wegen sozialer Härten ab.

Der Athener Leitindex beendete den Handel 0,3 Prozent im Minus. Die Renditen der zehnjährigen griechischen Anleihen gingen auf 10,152 Prozent (Vortag: 10,236 Prozent) zurück. Der Euro notierte zum Aktienschluss in Europa wenig verändert bei 1,1360 Dollar. Der EuroStoxx50 trat bei 3490,53 Zählern auf der Stelle. Börsianer verwiesen mit Blick auf die zwischenzeitlich starken Kursschwankungen auch auf den kleinen Verfall, bei dem Optionen auf Indizes und einzelne Aktien auslaufen.

Die Lufthansa verschreckte ihre Aktionäre nach einem tiefen Sturz in die roten Zahlen mit einer Dividendenstreichung. Für 2013 zahlte der Konzern seinen Gesellschaftern noch eine Gewinnbeteiligung von 45 Cent je Aktie, nachdem die Ausschüttung für das Jahr zuvor gestrichen worden war. Lufthansa-Aktien waren mit einem Minus von 4,3 Prozent mit Abstand größter Dax-Verlierer.

Ebenfalls abwärts ging es bei Aktien der Münchener Rück, was Händler auf eine Verkaufsempfehlung des Bankhaus Lampe zurückführten. Die Aktien gaben 1,5 Prozent nach.

Spitzenreiter im Dax waren dagegen die Titel der Deutschen Telekom mit einem Plus von 1,7 Prozent. Ebenfalls weiter aufwärts ging es für Adidas, die um 1,4 Prozent zulegten. Am Vortag hatten die Titel bereits fünf Prozent gewonnen, nachdem Vorstandschef Herbert Hainer sich in einem Brief an die Mitarbeiter zuversichtlich über die Geschäfte zum Jahresauftakt geäußert hatte.

Im MDax verloren Fuchs Petrolub 5,3 Prozent. Der Schmierstoff-Produzent ist mit dem Gewinn 2014 kaum über das Rekordniveau des Vorjahrs hinausgekommen. Aktien von Pfeiffer Vacuum rutschten am TecDax -Ende sogar um 7,8 Prozent ab, nachdem der Spezialpumpen-Hersteller 2014 hinter den eigenen Zielen zurückblieb.

Spekulationen auf einen Hacker-Angriff der Geheimdienste NSA und GCHQ drückten Aktien des niederländischen Anbieters von SIM-Karten für Mobiltelefone Gemalto um 3,7 Prozent.

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