Chinas Inflation steigt trotz niedriger Ölpreise

Die Preise steigen in China schneller, als von den Ökonomen vorhergesagt. Interessant ist, dass diese Entwicklung trotz der fallenden Ölpreise stattfindet. Diese gerieten am Dienstag erneut unter Druck.

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Ein kräftiger Anstieg der Verbraucherpreise in China kommt überraschend. Waren und Dienstleistungen kosteten im Februar durchschnittlich 1,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistikamt am Dienstag in Peking mitteilte. Teurer wurden vor allem Obst und Gemüse. Ökonomen hatten lediglich mit einer Inflationsrate von 0,9 Prozent gerechnet, nachdem sie zu Jahresbeginn wegen sinkender Ölpreise noch mit 0,8 Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit fünf Jahren lag.

Analysten der japanischen Bank Nomura gehen daher davon aus, dass die Geldpolitik weiter gelockert wird. Die Zentralbank hat ihren Leitzins seit November zweimal gesenkt, um mit billigem Geld die Nachfrage und damit die Preise anzukurbeln – zuletzt von 5,6 auf 5,35 Prozent.

Die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt leidet unter einem Abschwung am Immobilienmarkt und mangelnder Auslastung der Fabriken (Video am Anfang des Artikels). Hinzu kommen die unsicheren Aussichten für die Weltwirtschaft und fallende Energiepreise. Chinas Wirtschaft wird nach Prognose der Regierung in diesem Jahr nur um sieben Prozent wachsen – so langsam wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

Interessant ist der Preisanstieg in China, obwohl die Ölpreise seit Monaten fallen. Auch am Dienstag gerieten sie erneut unter Druck. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um bis zu 1,6 Prozent auf 57,61 Dollar je Barrel – das war der niedrigste Stand seit knapp vier Wochen. Das US-Öl WTI sank zeitweise um 1,1 Prozent auf 49,46 Dollar. Händler verwiesen auf das anhaltende Überangebot von Öl und die starke US-Währung, die für Investoren außerhalb des Dollar-Raums den Kauf des Rohstoffs verteuert. Analysten nannten auch technische Gründe als Auslöser für den Preisverfall.

„Durch das Scheitern bei 60 Dollar erhöht sich das Risiko eines weiteren Preisrückgangs bei Brent, weil sich die spekulativen Finanzanleger zum Verkauf veranlasst sehen könnten“, hieß es bei der Commerzbank. „Diese haben ihre Wetten auf einen steigenden Brent-Preis im Februar deutlich ausgeweitet und damit maßgeblich zum Preisanstieg um 18 Prozent im letzten Monat beigetragen.“

Der Euro beschleunigte am Dienstag seine Talfahrt und fiel bis auf 1,0733 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit knapp zwölf Jahren. In der Euro-Zone liegt die Inflation seit Dezember und damit erstmals seit 2009 ebenfalls im Minusbereich. Grund ist ebenfalls der Einbruch beim Ölpreis. Im Februar sanken die Verbraucherpreise um 0,3 Prozent zum Vorjahr. Die Entwicklung bereitet auch der EZB Sorgen, die von stabilen Preisen nur bei einer Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent spricht. Doch tatsächlich liegt die schleichende Inflation bereits über dem von der EZB ausgegebenen Ziel von 2 Prozent. Eine Zins-Erhöhung wäre also dringend ratsam. Tatsächlich sollen die niedrigen Zinsen jedoch die Lage in den Süd-Ländern stabilisieren. Das hat allerdings enorme Auswirkungen für die europäischen Sparer.

In Griechenland fallen die Preise zwar – allerdings etwas langsamer als zuletzt. Im Februar kosteten Waren und Dienstleistungen im Schnitt 2,2 Prozent weniger als vor einem Jahr, wie das nationale Statistikamt am Dienstag mitteilte. Damit fiel die Jahresteuerung den 24. Monat in Folge, im Januar lag sie bei 2,8 Prozent.

Um die Konjunktur anzukurbeln, hat die EZB nun ihr umstrittenes und über eine Billion Euro schweres Anleihen-Kaufprogramm gestartet. Doch das QE-Programm der EZB führt zu einem tiefgehenden Vermögenstransfer von risikoscheuen Sparern zu den wohlhabenden risikobereiten Anlegern auf dem Weltmarkt, fürchten Experten.

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