Börse: Dax schließt über 11.800 Punkten

Der Dax ist außer Rand und Band und steigt über die 11800er-Marke - während die US-Indizes nach den gestrigen Verlusten kaum vom Fleck kommen. Der Dax spiegelt damit die sich ausweitende Blase der Vermögenspreise wieder. Die Renditen für Staatsanleihen Deutschlands und der Euro-Peripherie fallen auf neue Allzeititefs. Aufgrund dieses Trends zu Negativrenditen in der Eurozone sieht die Deutsche Bank die größte Kapitalflucht der Geschichte kommen - und prognostiziert für 2017 einen Euro-Preis von 85 US-Cent.

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Mit dem Anwerfen der Notenpresse hat die Europäische Zentralbank (EZB) eine Flucht aus dem Euro und einen Run auf die Aktien der Euro-Zone ausgelöst. Der Dax stieg am Mittwoch um 2,7 Prozent und schloss mit 11.805,99 Punkten so hoch wie noch nie zuvor. Mit 11.822,53 hatte er zuvor noch ein Allzeithoch aufgestellt. Der EuroStoxx50 legte 2,3 Prozent auf 3649,54 Punkte zu und schloss damit so hoch wie seit Juni 2008 nicht mehr. Im Gegenzug rutschten die Renditen der Staatsanleihen tief in den Keller und machten so den Euro immer unattraktiver. Die Gemeinschaftswährung fiel auf ein Zwölf-Jahres-Tief von 1,0556 Dollar. Noch Ende 2014 hatte der Euro über 1,21 Dollar gelegen.

Der deutsche Aktienmarkt sei wie von Sinnen, erklärte FXCM-Analyst Jens Klatt. „12.000 Punkte wir kommen.“ Jeder Rücksetzer werde von Investoren postwendend zum Einstieg genutzt, erklärte Analyst Gregor Kuhn von IG Markets.

Die EZB kauft laut Händlern vor allem Staatspapiere über alle Laufzeiten in kleineren Volumen. Dabei ist der Einlage-Zins von minus 0,20 Prozent die untere Zinsgrenze für die Notenbanker. In der Praxis bedeute das, dass alle Staatsanleihen in der Euro-Zone dieses Niveau erreichen, erklärte Markus Allenspach, Rentenstratege bei Julius Baer. „Der Abwärtstrend bei den Renditen ist virulent und wird weitergehen.“ Schließlich will die EZB bis September 2016 monatlich Anleihen für 60 Milliarden Euro kaufen.

Die Verzinsung der zehnjährigen Bundesanleihen – sie sind für die Euro-Zone maßgeblich – fiel bereits erstmals unter 0,2 Prozent auf nur noch 0,193 Prozent. Die Renditen der italienischen und spanischen Pendants markierten mit 1,105 und 1,069 Prozent ebenfalls neue Rekordtiefstände.

Der Euro wird zusätzlich durch die wachsenden Spekulationen auf eine Zinserhöhung in den USA geschwächt. Das Erreichen einer Eins-zu-Eins-Parität zum Dollar gilt daher für viele als ausgemachte Sache. Doch für die US-Unternehmen schmälert der hohe Dollarkurs die Gewinnaussichten. An der Wall Street zogen die Kurse denn auch nur leicht an. Seit Tagen entwickeln sich die europäischen Börsen besser als die Weltleitbörse. Viele US-Anleger fürchten, dass die Fed schon in der nächsten Woche eine Zinserhöhung signalisieren könnte.

Im Dax profitierten die Aktien der Exportindustrie, darunter die Autowerte, besonders stark von der Euro-Schwäche. BMW, VW und Daimler führten mit Kursgewinnen von bis zu fünf Prozent die Gewinnerliste an. Durch den niedrigen Euro haben die deutschen Autobauer es auf dem wichtigen US-Markt leichter. Bei Bayer honorierten Investoren die neuen Wachstumsziele des Managements. Bayer-Aktien kletterten um 3,6 Prozent auf 141,10 Euro und schlossen damit so hoch wie noch nie. Selbst E.ON zählten trotz eines Rekordverlustes mit einem Plus von 1,3 Prozent zu den Gewinnern.

Deutlich nach unten ging es im Dax allein für die Titel der Deutschen Post, die um 1,7 Prozent fielen. Trotz eines boomenden Expressgeschäfts und einer Paketflut zu Weihnachten blieb der Gewinnanstieg des Konzerns im vierten Quartal deutlich unter den Markterwartungen.

Auch die Indizes der Neben- und Kleinwerte erreichten neue Allzeithochs. Im MDax hievten Spekulationen auf eine Abspaltung von Geschäftsteilen die Aktien von Osram um sieben Prozent in die Höhe. Händlern zufolge gab Finanzchef Klaus Patzak in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit Reuters entsprechenden Hoffnungen der Börsianer neue Nahrung.

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