Sonnenfinsternis: Stromanbieter geben Entwarnung wegen Blackout-Gefahr

Bei der befürchteten Blackout-Gefahr durch die Sonnenfinsternis am Freitag geben die Stromnetzbetreiber vorsichtige Entwarnung. Grund dafür sei das voraussichtlich schlechte Wetter. Starke Schwankungen durch große und abrupt wegfallende Strommengen könnten durch die Bewölkung abgemildert werden.

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Die Stromnetzbetreiber geben vorsichtige Entwarnung bei der befürchteten Blackout-Gefahr durch die Sonnenfinsternis am Freitag. „Der Wetterbericht sieht für uns gut aus“, sagte der Leiter Systemführung beim westdeutschen Netzbetreiber Amprion, Joachim Vanzetta der Deutschen Presse-Agentur. Es werde wohl kein sehr sonniger Tag. „Wir rechnen für Deutschland derzeit mit einer maximalen Solarleistung von 17 000 bis 20 000 Megawatt.“ Szenarien gingen bisher von maximal 24 000 Megawatt Solarleistung aus.

Das Worst-Case-Szenario war ein bundesweit wolkenloser Himmel und viel Sonne. Die dadurch entstehenden großen Strommengen könnten durch das plötzliche Aussetzen der Spannung bei der Finsternis und vor allem durch die danach wieder einsetzende Überspannung die Stromnetze überlasten. Beim Wechsel von Tag und Nacht ist dies kein Problem, da hier weniger eine graduelle Verdunkelung erfolgt und auch der Verbrauch nachts abnimmt.

Amprion und die drei anderen Betreiber von großen Höchstspannungstrassen haben zudem die Mengen an Reservekraftwerksleistung, die sie im Notfall zur Stabilisierung des Netzes anfordern, erhöht. „Es können Kosten im einstelligen Millionen-Bereich entstehen, aber die genaue Rechnung kennen wir erst Freitagabend“, sagte Vanzetta.

Nach Einschätzung des Industrieverbandes BDI wird das Ereignis zu einer harten Probe für das deutsche Stromnetz. Es werde sich zeigen, ob Netze und Kraftwerke auch in Extremsituationen mit der Energiewende zurechtkämen, erklärte der BDI.

Wegen der Sonnenfinsternis wird in kurzer Zeit deutlich weniger Strom von Solaranlagen ins Netz gespeist. Experten gehen davon aus, dass die Leistung von 17.000 auf 8000 Megawatt sinkt. Die Netzbetreiber und Stromerzeuger müssen diese Lücke mit konventionellen Kraftwerken und Wasserstrom ausgleichen. Der BDI erklärte, selbst wenn der Test gut ausgehe, müssten die deutschen Stromnetze konsequent ausgebaut und modernisiert werden.

Wichtig sei demnach neben dem Wetter auch das Verbraucherverhalten. „Wir haben nur von der letzten vergleichbaren Sonnenfinsternis 1999 Vergleichswerte: Damals gab es weniger Verbrauch, weil alle sich die Finsternis anschauen wollten und draußen waren, viele Betriebe haben quasi Pause in den Stunden gemacht. Ob dies wieder so wird wissen wir natürlich nicht.“

1999 gab es in Deutschland allerdings auch kaum Solaranlagen. Heute gibt es bereits über eine Million davon, rund 39 000 Megawatt installierte Solarleistung, die aber anders als bei konventionellen Kraftwerken nicht komplett erreicht werden kann. An sehr sonnigen Tagen mit blauem Himmel in ganz Deutschland gibt es solare Leistungsspitzen von bis zu 30 000 Megawatt.

Am Anfang der Sonnenfinsternis rechnen die Netzbetreiber mit einem Rückgang der Solar-Einspeisung um bis zu 12 000 Megawatt. Nach Ende des kosmischen Schauspiels erwarten sie eine wieder dazukommende Einspeisung von bis zu 19 000 Megawatt.

Der Grund für den deutlichen Unterschied: Die Finsternis hört genau zur Mittagszeit auf, da dann die Sonne am höchsten steht steigert dies die Stromproduktion. Die maximalen 19 000 Megawatt entsprächen der Leistung von rund 14 großen Atomkraftwerken. Eine Herausforderung, wenn in kurzer Zeit so viel Strom in die Netze knallen sollte und konventionelle Kraftwerke im Gegenzug heruntergefahren werden müssen. Gerade in Süddeutschland sind große Industriezentren. Autobauer wie BMW und Daimler sind auf eine sichere, störungsfreie Versorgung angewiesen.

Diverse Risikostudien sind erstellt worden. Und die vier großen Netzbetreiber dürfen sich statt normalerweise 3500 Megawatt an sogenannter Regelenergie für Engpasssituationen für den Tag der Sonnenfinsternis mit deutlich mehr Regelenergie eindecken. Das ist die Reservekapazität, die dafür verpflichtete Kraftwerke sofort liefern müssen, um Netzschwankungen zu kompensieren. Bestimmte Kraftwerke könnten in Notsituationen richtig viel Geld verdienen.

Für die Bürger wären die Wolken jedoch ärgerlich. Millionen wollen das Schauspiel am Himmel beobachten – fast überall in Deutschland sind Schutzbrillen ausverkauft.

Die EU hatte bereits vor Monaten vor einem Blackout gewarnt. Neben Deutschland, könne es auch in Italien und Frankreich aufgrund des hohen Anteils an Solarstrom zu Problemen kommen.

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