Germanwings: Ermittler schließen Explosion an Bord aus

Die erste Beurteilung der Inhalte der Black Box der Germanwings bringt die Erkenntnis, dass die Maschine bis zum Schluss geflogen ist. Eine Explosion an Bord soll es demnach nicht gegeben haben. Die Bundesregierung schließt die Beteiligung von Dritten aus, für den französischen Innenminister sind immer noch alle Hypothesen denkbar.

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In Paris wird die beschädigte Black Box untersucht. (Foto: BEA)

In Paris wird die beschädigte Black Box untersucht. (Foto: BEA)

Vor einer möglichen Auswertung muss die Black Box erst repariert werden. (Foto: BEA)

Vor einer möglichen Auswertung muss die Black Box erst repariert werden. (Foto: BEA)

Die Chronologie der Ereignisse vor dem Absturz – hier aktuell

Offenbar ist es den französischen Ermittlern trotzt schwerer Beschädigung gelungen, erste Ergebnisse aus der Black Box zu gewinnen. Das teilt die Untersuchungsbehörde BEA in Paris mit. So sind auf dem Rekorder Stimmen und Geräusche zu hören.

Klar war nach Angaben der französischen Untersuchungsbehörde BEA zunächst nur, dass es keine Explosion an Bord des Airbus A320 gegeben hat. «Das Flugzeug ist bis zum Schluss geflogen», sagte BEA-Direktor Rémi Jouty in Paris. Die BEA habe zwar Daten aus dem ersten Flugschreiber ausgewertet, könne aber keine Erklärung für den Absturz geben. «Wir haben auch nicht die geringste Erklärung dafür, warum dieses Flugzeug auf die Kontaktversuche der Luftraumkontrolle, wie es scheint, nicht geantwortet hat», sagte Jouty.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr, zu dessen Konzern Germanwings gehört, hat nach dem Fund des Sprachrekorders am Dienstag gesagt: «Ich gehe davon aus, dass wir sicherlich relativ schnell erste Informationen bekommen werden, was die Absturzursache wahrscheinlich war», hatte Spohr gesagt. Am Mittwoch erklärte Spohr in Barcelona: «Nach dem Besuch des Unglücksorts bin ich sicher, dass wir die Ursache ermitteln werden, wenn wir auch die zweite Blackbox finden.»

Der Leiter der BEA Rémi Jouty hoffe, dass eine „grobe Version“ der Ereignisse schon in den nächsten Tagen vorliege. Eine genaue Auswertung brauche allerdings noch Wochen, wenn nicht sogar Monate, hieß es in der Pressekonferenz der BEA. Weitere Fragen zu Länge oder Inhalt der Audio-Datei wollte oder konnte Jouty nicht beantworten.

Es sei zu früh, jetzt schon Schlüsse auf die Absturzursache zu ziehen. Eine Explosion konnte Jouty allerdings ausschließen: „Das Flugzeug ist bis zum Schluss geflogen“. Aus den kleinen Trümmerstücken kann man nicht auf eine Explosion schließen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) betonte in Berlin, es gebe keine belastbaren Hinweise dafür, dass Dritte den Absturz herbeigeführt hätten. Sein französischer Amtskollege Bernard Cazeneuve erklärte, es seien weiter alle Hypothesen auf dem Tisch.

Jene Black Box, die die Flugdaten speichert (Flugdatenschreiber), wurde noch nicht gefunden, teilte François Hollande am Mittwoch in Seyne-les-Alpes mit. Nur der Behälter sei gefunden worden, nicht die Blackbox selbst, so Hollande.

Zuvor war die Black Box des Germanwings-Flug 4U9525 zur Auswertung nach Paris gebracht worden. „Die Black Box ist beschädigt“, sagte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve dem Rundfunksender RTL am Mittwoch. „Wir werden sie in den nächsten Stunden reparieren müssen, um diese Tragödie aufklären zu können.“ Erste Fotos der französischen Ermittler zeigten einen schwer beschädigten Cockpit Voice Recorder. Dieses Gerät nimmt die Gespräche im Cockpit auf.

Die Ermittler hoffen über die Sprachaufzeichnung Aufklärung, warum die Maschine sich acht Minuten im kontrollierten Sinkflug befunden habe, ohne dass die Piloten ein Notruf-Signal abgesetzten.

Die Lufthansa hat nach Aussagen von Konzernchef Carsten Spohr weiterhin keine Anhaltspunkte für den Grund des Absturzes eines Jets der Tochter Germanwings am Dienstag. „Es ist uns unerklärlich, wie so etwas einem technisch einwandfreiem Flugzeug mit erfahrenen, bei der Lufthansa geschulten Piloten passieren konnte“, sagte Spohr am Mittwoch in Frankfurt. Am Dienstagabend musste die Germanwings allerdings zahlreiche Flüge streichen, weil die einige Piloten den Dienst verweigert hatten.

Der Anblick am „Ort des Unfalls war erschütternd“, sagte Spohr bereits am Dienstag nach der Besichtigung. Man könne „nichts identifizieren, dass nach einem Flugzeug aussieht“.

Die „Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer“, zitiert ihn die Lufthansa auf Twitter. „Germanwings und Lufthansa werden alles tun, um unkompliziert und schnell zu helfen. Wir werden, sobald es geht, den Angehörigen ermöglichen, auch vor Ort zu trauern.“

Mittlerweile ermittelt sowohl die Staatsanwaltschaft Düsseldorf als auch jene in Frankreich wegen fahrlässiger Tötung.

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