Stuhl zum Anziehen: Audi testet Exo-Skelett für Fabrik-Arbeiter

Der Autobauer Audi versucht, mit Roboter-Technologie die Haltung seiner stehenden Arbeiter zu verbessern: Mit dem „chairless chair“ – dem stuhlfreien Stuhl. Das Gerät wurde von dem Schweizer Startup Noonee entwickelt und ist ein hydraulisch angetriebener Stuhl, der Unterstützung für Menschen bietet, die den ganzen Tag lang stehen müssen.

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Durch die smarten Beinschienen kann der Arbeiter auch im Stehen am Fließband kurze Sitzpausen machen. (Foto: Audi)

Durch die smarten Beinschienen kann der Arbeiter auch im Stehen am Fließband kurze Sitzpausen machen. (Foto: Audi)

Der Autobauer Audi versucht, mit Roboter-Technologie die Haltung seiner stehenden Arbeiter zu verbessern: Mit dem „chairless chair“ – dem stuhlfreien Stuhl, den der Konzern nun in einem Pilotprojekt im Werk Neckarsulm testet. Das Gerät wurde von dem Schweizer Startup Noonee entwickelt und ist ein hydraulisch angetriebener Stuhl, der Unterkörper-Unterstützung für Menschen bietet, die den ganzen Tag lang stehen müssen.

„Wir müssen unseren Vorsprung durch Technik auch für das Wohlergehen der Belegschaft nutzen. Denn Technologien, die Menschen entlasten, sind Beispiele, wie die Zukunft im Sinne der Arbeitnehmer gestaltet werden muss“, erklärt Audis  Betriebsratsvorsitzender Mosch dazu in einer Mitteilung.

Viele Mitarbeiter in Fabrik-Produktionsstätten stehen für fast acht Stunden am Tag. Die meiste Zeit sind sie dabei in unbequemen Positionen vornüber gebeugt, etwa um Feinabstimmung an Motoren zu machen. Ergonomisch gesehen ist diese Haltung äußerst ungesund für den Rücken.

Das Exoskelett ist dabei als Unterstützung gedacht: Es ist eine Art Exoskelett, das wie eine Rüstung abgelegt wird und sich beim Gehen mitbewegt. Ein Titanrahmen schmiegt sich an die Rückseite des Beines des Arbeitnehmers wie eine flexible Stütze, während ein Trägerband um den Oberkörper geschnallt wird. Arbeitnehmer können stehen und gehen, wie normal, aber wenn sie sitzen möchten, verriegelt sich der Rahmen auf Knopfdruck an seinem Platz im gewünschten Winkel. Das Gewicht des Körpers wird dabei durch den Rahmen auf den Boden oder die Fersen übertragen. „Man bekommt das Gefühl, man sitzt auf einem Barhocker“, zitiert das Technologie-Magazin Wired den Noonee Mitbegründer Keith Gunura.

Durch den „tragbaren“ Stuhl könnten Arbeiter auch dort sitzen, wo Unternehmen wegen maximal effizienter Werksgrundrisse zu wenig Raum haben um Stühle aufzustellen.

Audi sieht das Gerät als eine Art aufgabenspezifisches Werkzeug, das Arbeitern an den Montagestationen für Motoren, Türen und Mittelkonsolen hilft. Die Firma sagt, der Stuhl ermögliche den Mitarbeitern „Mikropausen“ von drei bis 10 Sekunden, während der Arbeit, die zur Lockerung ermüdeter Muskeln beitragen und so letztendlich die Produktivität erhöhen.

Der Chairless Chair bietet keine zusätzliche Funktionen etwa für schweres Tragen, wie etwa der andere Exoskelett-Prototyp Robo-Mate. Dafür sei er aber leichter, komfortabler und brauche deutlich weniger Energie, so dass er sich auch außerhalb der Fabrikhallen etablieren könnten. „Ich hörte Jäger sagen, dass sie ein hübsches Sümmchen zahlen würden, um das Gerät zu verwenden“, so Gunura. Fischer, Chirurgen, Bauern und Verkäufer im Einzelhandel haben ebenfalls Interesse bekundet. „Im Grunde genommen jeder, der für längere Zeit steht.“

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