Immobilien der Zukunft: Ferienhäuser in Somalia, Altersheime in Europa

Internationale Immobilien-Konzern kaufen Hütten in Somalia auf. Sie erhoffen, dass die wachsende Mittelschicht Asiens die Strände Somalias als Ferienörtlichkeit entdecken wird. In Europa hingegen investieren die Konzerne in Altenheime und Golfplätze.

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Aufgrund des weltweiten demographischen Wandels müssen sich die internationalen Immobilien-Investoren neu orientieren. So gelten mittlerweile Hütten in Somalia als begehrte Objekte, die es zu kaufen gilt. Zumindest die Investoren Barratt und Klépierre setzen diese Strategie in die Praxis um.

Bis zum Beginn des 22. Jahrhunderts werden etwa drei Milliarden Menschen in Städten wohnen, sagte der schwedische Daten-Analyst Hans Rosling den Financial Times. Zweidrittel der Stadtbewohner werden sich in Afrika und ein Drittel in Asien befinden. Die westlichen Staaten werden durchschnittlich ein Wirtschaftswachstum von ein bis zwei Prozent verzeichnen. Doch in Asien und Afrika wird das Wachstum zwischen vier bis sechs Prozent liegen.

„Der Indische Ozean wird der Atlantik der kommenden Generationen sein“, so Rosling. Als Folge davon werden sich die Strände Somalias zu Reise- und Erholungsgebieten der asiatischen Mittelschicht entwickeln. Der UBS-Investor Mark Häfele bestätigt diese Entwicklung.

„Es müssen viele neue Städte gebaut werden. Das Transport- und Verkehrsnetz muss ausgebaut und eine Menge Energie erzeugt werden (…) Die klassische Quelle des Reichtums ist die Bedürfnisse von gewöhnlichen Familien abzudecken . Dazu gehören Wohnraum, Bildung, Transport und Unterhaltung. Und diese Bedürfnisse sind insbesonderen in den Schwellenländern sehr groß“, so Häfele.

Ein gutes Beispiel ist Nigeria. Das Land wird nach Prognosen der UN bis zum Beginn des 22. Jahrhunderts auf fast eine Milliarde Menschen anwachsen. 1950 waren es noch 38 Millionen und heute sind es 184 Millionen Menschen.

„Viele neue Städte müssen gebaut und viel Infrastruktur repariert werden. Und die Energieversorgung muss stehen“, sagt Rosling. Er sieht die größten Chancen im Alltag der Menschen. „Die klassische Quelle des Reichtums ist, die Bedürfnisse einer gewöhnlichen Familien zu erfüllen – Wohnraum, Bildung, Transport, Unterhaltung – und die Not ist groß in den Schwellenländern“, fügt er hinzu.

Doch für Immobilien-Investitionen ist nicht nur die Anzahl der Menschen interessant. Das Einkommensniveau ist ebenfalls entscheidend. Das größte Einkommenswachstum findet innerhalb der Mittelschicht Asiens statt. Bis zum Jahr 2030 wird es nach Angaben der US-Denkfabrik Brookings Institution mehr als drei Milliarden Asiaten geben, die zur Mittelschicht zuzurechnen sein werden. Derzeit beträgt diese Anzahl 525 Millionen. Indien wird der weltweit größte Verbraucher. Die Mittelklasse wird jährlich 12,8 Billionen Dollar ausgeben, so die US-Denkfabrik.

Bei Immobilieninvestitionen geht es nicht nur um de schiere Zahl der Menschen. Das Einkommensniveau ist ebenfalls wichtig. Das größte Wachstum in der Mittelschicht findet in Asien statt. Bis zum Jahr 2030 wird es mehr als 3 Milliarden in der Mittelschicht in Asien geben – nach den Prognosen von der Brookings Institution, gegenüber 525 Millionen heute.

Yolande Barnes, Direktorin des Immobilien-Investors Savills, stuft asiatische Urlaubsorte als gute Investitions-Objekt für Anleger ein. Der Reichtum in Asien hat zwar die Städte erfasst, doch die Freizeit-Immobilienbranche ist mit Ausnahme einiger Ski-Gebiete in Japan noch unberührt geblieben. „Nur weil die Europäer gerne am Strand liegen, heißt das noch lange nicht, dass die chinesische Mittelschicht genauso ist“, so Barnes.

Im Gegensatz zu Asien, wird die Anzahl der Mittelklasse-Nordamerikaner voraussichtlich um 16 Millionen schrumpfen, während die Mittelschicht in Europa um knapp 16 Millionen Menschen anwachsen werde. Die jährlichen Ausgaben der US-Mittelklasse sollen von 4,4 Billionen Dollar im Jahr 2009 auf 4,0 Billionen Dollar im Jahr 2030 fallen.

Europas schrumpfenden Zahl junger Menschen wird zum Nachfrage-Rückgang bei Studentenwohnungen, Modeeinzel-Handelsgeschäften, Starter-Häusern und Fitness-Studios führen, argumentieren die Forscher der Deutschen Bank. Gleichzeitig wird die Nachfrage nach Altenheimen, Zweitwohnungen, Golfplätzen, Pflegeheimen und medizinischen Einrichtungen anwachsen. Immobilien-Gesellschaften haben diesen Trend erkannt und richten sich danach. Das britische Immobilien-Unternehmen Barratt hat seinen Geschäftsplan neu ausgerichtet. Die Zielgruppe sind nicht mehr junge Familien, sondern ältere Menschen.

Die europäischen Metropolen sind in diesem Zusammenhang ebenfalls begehrt bei Immobilien-Konzernen. Trotz der heimischen Wirtschafts-Krise schaut Laurent Morel, Vorsitzender von Klépierre, optimistisch auf den Osten von Paris, Toulouse und Montpellier. In Toulouse und Montpellier wächst die Bevölkerung alle fünf bis sechs Jahre um die 100.000 Menschen an. „Man kann es sich die Gründung eines neues Einkaufszentrums leisten, sobald man 100.000 Menschen dazu bekommt (…) Es gibt sechs große Einkaufszentren in Toulouse und wir besitzen insgesamt vier davon. Wir werden unsere Präsenz in diesen Gebieten weiter ausbauen“, so Morel.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen einer Hütte in Somalia und einem Einkaufs-Zentrum in Toulouse. Doch überall ist die Investitions-Logik dieselbe.

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