Klopp verlässt Borussia Dortmund, Tuchel soll Nachfolger werden

Jürgen Klopp hört am Ende der Saison als Trainer von Borussia Dortmund auf. Für 20 Millionen Euro Gage soll Thomas Tuchel sein Nachfolger werden. Bruno Labbadia soll den HSV retten. Bei beiden Clubs geht es um Millionen, um die teuren Spieler bezahlen zu können. Es ist schade für Klopp, weil er es als einer der wenigen Trainer verstanden hatte, mit jungen Spielern eine erfolgreiche Mannschaft zu formen.

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Jürgen Klopp wird den Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund mit 30. Juni 2015 verlassen. Das gab der Verein am Mittwoch bekannt. Seine Nachfolge soll nach Medienberichten der frühere Mainzer Coach Thomas Tuchel antreten. Zu dieser Personalie wollte sich der BVB noch nicht äußern. Allerdings ist die Bild-Zeitung bei Fußball-Themen in der Regel sehr gut informiert, weshalb die Personalie wohl unmittelbar vor dem Abschluss stehen dürfte.

Klopp hatte im Oktober 2013 seinen Vertrag mit dem BVB bis 2018 verlängert. In dieser Saison erlebte der BVB unter dem Coach aber einen schweren Absturz. Mit nur 33 Punkten ist der Club noch nicht endgültig gesichert. Die Schwarz-Gelben hatten die Hinrunde nur auf Platz 17 beendet und lagen zwischenzeitlich sogar auf dem letzten Tabellenrang.

Zuvor hatte Klopp allerdings geschafft, mit jungen Spielern erfolgreich zu sein. Er formte ein Mannschaft, die nicht völlig vom Kommerz-Wahn der Bundesliga besessen war und erreichte mit dem jungen Team sogar große Erfolge im internationalen Geschäft. Offenbar wurde Klopp jedoch nun vom Millionen-Kasino des internationalen Fußballs verstoßen, weil die Bosse Niederlagen nicht als natürliche Phänomen akzeptieren können, sondern durch die immer höheren Gehälter für mittelmäßige Legionäre zum bedingungslosen Kommerz verdammt sind.

Finanziert wird der professionelle Fußball in Deutschland vor allem von den mit einer Zwangsgebühr ausgestatteten öffentlich-rechtlichen Sendern, weil man in Deutschland kurzerhand Fußball zu einem Grundnahrungsmittel erklärt hat, für das der Gebührenzahler aufzukommen hat, auch wenn die Preise in den Himmel schießen.

Unter Klopp erlebte der BVB eine seiner erfolgreichsten Zeiten in der Bundesliga. Seit 2008 ist der 47-Jährige bei den Westfalen im Amt. Zwei Meisterschaften (2011, 2012) und einen Pokalsieg (2012) gewannen die Dortmunder seitdem unter Klopp.

Außerdem erreichte der BVB 2013 das gegen Bayern München verlorene Champions-League-Finale. Insgesamt führte Klopp den Verein viermal in Serie in die Königsklasse. In dieser Saison haben die Dortmunder nur noch Chancen auf den DFB-Pokal, müssen aber im Halbfinale beim FC Bayern ran.

Als Klopp im Sommer 2008 beim BVB seinen Job antrat, hatte der Coach «Vollgas-Veranstaltungen» versprochen und trotz anfangs schwieriger finanzieller Verhältnisse in Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc einen Umbruch eingeleitet.

2011 feierten Klopp und der BVB den ersten gemeinsamen Meistertitel. Der Schwabe wurde als Vater dieses Erfolgs gefeiert. Spätestens seit jenem Jahr hat Klopp in Dortmund Kultstatus. Zorc schwärmte einst, der Coach sei sein «bisher bester Transfer als Manager» gewesen.

Unter Klopp schafften Profis wie Mats Hummels, Mario Götze, Sven Bender, Kevin Großkreutz oder Marcel Schmelzer den Sprung in die Nationalmannschaft, der Gesamtwert des Teams wuchs beträchtlich. Die Klopp-Auswahl dominierte zwischenzeitlich die Liga, Laufintensität, enorme taktische Disziplin und unbekümmerte Angriffsaktionen prägten diese Ära.

Als angesichts der sportlich ausbleibenden Erfolge in dieser Saison im BVB-Umfeld erstmals größere Zweifel an Klopp aufkamen, wiegelten Watzke und Zorc immer wieder ab. Beide ließen keine Diskussionen um Klopp aufkommen, von dem es immer wieder hieß, nur er selbst könne seine Amstzeit bei den Schwarz-Gelben beenden.

Bislang bestritten die BVB-Profis unter Klopp 270 Pflichtspiele, die mit 159 Siegen, 54 Niederlagen und 57 Unentschieden endeten. «Dieser Verein passt gut zu mir», hat Klopp bei seinem Wirken in Dortmund häufig betont. Und immer wieder schwärmte er von der harmonischen Zusammenarbeit mit Watzke und Zorc.

Tuchel, der sich bis zum Saisonende eine Auszeit genommen hat, war bis zuletzt auch beim abstiegsbedrohten Hamburger SV im Gespräch. Die Norddeutschen präsentierten aber am Mittwoch Bruno Labbadia als neuen Trainer. Damit könnte es ähnlich wie einst in Mainz laufen. Ein Jahr nach dem Weggang von Klopp übernahm Tuchel 2009 dort den Cheftrainerposten.

Die HSV-Idole Uwe Seeler und Willi Schulz haben mit Zurückhaltung auf die überraschende Verpflichtung von Trainer Bruno Labbadia beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV reagiert. «Ich bitte um Verständnis, dass ich keine schlauen Kommentare abgeben will, denn das haben beim HSV andere zu entscheiden», sagte Seeler der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch nach dem bekanntgewordenen Wechsel von Peter Knäbel zu Labbadia. «Ich habe das zur Kenntnis genommen und drücke die Daumen, auch wenn sie schon wehtun», ergänzte «Uns Uwe», der 78 Jahre alte einstige Torjäger und Präsident des HSV.

Sein ehemaliger Teamkollege Willi Schulz bewertet zumindest den dritten Trainerwechsel beim Tabellenletzten in der laufenden Saison positiv. «Der Verein muss alle Möglichkeiten ausnutzen, um da unten rauszukommen, denn wir stecken ja tief drin im Schlamassel», sagte der «Worldcup-Willi» genannte Abwehrchef der 60er und 70er Jahre. Ob nach Mirko Slomka, Josef Zinnbauer und Knäbel der ehemalige HSV-Profi und -Coach Labbadia der Richtige ist, ließ auch Schulz unkommentiert. «Das wird sich (Vorstandschef) Dietmar Beiersdorfer mit seiner Crew gut überlegt haben», erklärte der 76 Jahre alte Ex-Nationalspieler.

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