Wegen Smartwatch: Unis verbieten Uhren während Prüfungen

In Großbritannien wollen einige Universitäten sämtliche Armbanduhren während Prüfungen verbieten. Anlass hierfür ist der Verkaufsstart der Apple Watch. Die Universitäten fürchten, Schummeln werde dadurch noch leichter gemacht.

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In Großbritannien wollen bereits einige Universitäten sämtliche Armbanduhren während Prüfungen verbieten. Anlass hierfür ist der Verkaufsstart der Apple Watch diesen Monat. Die Universitäten fürchten, Schummeln werde noch leichter gemacht und jede Uhr zu prüfen sei unpraktisch.

Früher lag es nahe, sich die Antworten vor der Prüfung auf den Arm zu schreiben oder auf einen kleinen Zettel und diesen dann beispielsweise in den Stift zu stecken. Heute wird mit moderner Technik gemogelt, was das Zeug hält. Moderne Arten und Weisen des Schummelns beinhalten die Kommunikation mit einem Helfer außerhalb der Prüfungshalle oder Recherche im Internet.

Schon 2012 haben Studenten es bewerkstelligt, Handys als Digitaluhren zu tarnen, um während der Prüfung zu schummeln. In China waren einige Studenten sogar noch kreativer und erfanden Gadgets zum Schummeln, zum Beispiel eine Brille mit einer Mini-Kamera. So erfinderisch ist nicht jeder. Viel näher liegt es, einfach die Smartwatch zu verwenden, die sowieso schon am Handgelenk hängt. Doch obwohl es längst einige Modelle von unterschiedlichsten Herstellern gibt, wurde sie noch nicht aus dem Prüfungssaal verbannt.

Seitdem die Apple Watch im Sommer 2014 angekündigt wurde, sorgt sie für Aufsehen. Immerhin schlägt die kluge Uhr mit 399 Euro für das Einsteigermodell bis zu stolzen 18.000 Euro für das Luxusmodell zzgl. Zubehör ganz schön auf den Geldbeutel – weitaus nicht jeder Student kann und möchte so viel Geld für eine Uhr ausgeben, wo das Smartphone genauso viel kann.

Das große öffentliche Interesse an Apples intelligentem Armband haben auch einige Universäten mitbekommen. Nun sollen in Großbritannien Smartwatches während Prüfungen verboten werden, da sie zum Schummeln verwendet werden könnten. Natürlich erscheint es naheliegend sich einfach einen Spickzettel auf der Uhr abzuspeichern. Smartwatches bleiben also draußen, aber da es der Prüfungsaufsicht nicht zumutbar ist, jede Uhr im Raum zu überprüfen, werden prophylaktisch einfach alle Armbanduhren abgenommen.

Bei über 100 Prüflingen sei es einfach unpraktisch jede Uhr zu überprüfen, weshalb das Tragen jeglicher Art von Armbanduhr in der Prüfungshalle verboten wird, so äußerte sich Londons City University gegenüber BuzzFeed. Genau wie ihre Handys, sollen Studenten nun auch ihre Armbanduhren während der Prüfung in einem Plastikbeutel unter dem Tisch aufbewahren oder sie gar nicht erst mitbringen. Nur so könne man Schummlern entgegenwirken.

Mal davon abgesehen, dass es so einfach wäre mit einer Smartwatch zu schummeln – immerhin können Nachrichten empfangen und Notizen gelesen werden – Studenten könnten es sich auch viel leichter machen und wieder auf den klassischen Spickzettel umsteigen. Den kann man zumindest problemloser verstecken, als ein Smartphone oder eine goldene Uhr. Oder man geht noch einen Schritt weiter, wie die Schüler und Studenten in Fernost.

Andere Universitäten reagierten laut City-Universität ähnlich und führten Regelungen ein, um das Tragen von Smartwatches während Prüfungen zu verhindern. Ein Vorreiter der Diskussion ist die Arteveldehogeschool im belgischen Gent, wo bereits seit Ende 2013 keine Uhren mehr erlaubt sind. An deutschen Hochschulen hingegen wurde noch kein Verbot ausgesprochen.

Der Osnabrücker Zeitung gegenüber äußerte sich der Vizepräsident der Universität Osnabrück, man setze eher auf „kompetenzorientierte Prüfungsformen mit intelligenten Fragestellungen […], bei denen solche Hilfsmittel nichts ausrichten können.“ Dennoch ist nicht klar, ob Studenten in Deutschland zukünftig tatsächlich ihre Uhren am Handgelenk behalten dürfen. Wahrscheinlicher ist ein Verbot.

Natürlich ist das unpraktisch für diejenigen, die während der Prüfung ab und zu auf ihre Uhr schauen, etwa weil sie sich so ihre Zeit einteilen oder um sich besser konzentrieren zu können. Dennoch macht es Sinn, wenn man kurz überlegt wie einfach man sich so einen unfairen Vorteil verschaffen kann. Allerdings habe die City University London zum Ausgleich nun mehr Wanduhren angeschafft. Außerdem werden den Prüflingen sogar auch Tischuhren zur Verfügung gestellt.

Technologie zu nutzen, um sich durch Prüfungen zu mogeln, ist keine neue Idee. Dennoch staunt man immer häufiger, wie erfinderisch so mancher wird, nur um nicht lernen zu müssen. Das ab sofort Armbanduhren weichen müssen, wenn eine Prüfung geschrieben wird, ist noch verständlich.

Noch würde sich auch niemand mit Googles Spezialbrille „Glass“ in eine Prüfung begeben – man erkennt sie gut aus sicher 30 Metern Entfernung. Wenn der Computer erst einmal im Brillenrahmen verschwunden ist, dann könnte auch diese in einer Prüfung verwendet werden. Aber wieweit werden die Lehrer gehen müssen, um Schummlern endgültig das Handwerk zu legen? Statt sich beim Spicken mit teurer Technik erwischen zu lassen, könnten die Studenten auch einfach lernen.

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