Börse: Dax schließt 1,7 Prozent im Plus

Der Dax kann stark zulegen, beflügelt durch die größte Senkung des Mindestreservesatzes in China seit der Finanzkrise. Aber diese Maßnahme zeigt, wie es um Chinas Wirtschaft wirklich bestellt ist: Heute meldet der Immobilienentwickler Kaisa, dass er Anleihen nicht mehr bedienen kann.

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Nach dem zuletzt deutlichen Kursrutsch haben die Dax -Anleger am Montag neuen Mut geschöpft. Einige Investoren setzten auf bessere Geschäfte heimischer Firmen mit China. Der Dax, der in der vergangenen Woche mehr als fünf Prozent verloren hatte, legte 1,7 Prozent auf 11.891 Zähler zu. Der EuroStoxx50 gewann 1,1 Prozent, die Wall Street notierte ebenfalls deutlich im Plus.

Die chinesischen Geschäftsbanken müssen künftig weniger Geld bei der People’s Bank of China (PBoC) vorhalten und haben somit mehr Spielraum für die Vergabe neuer Kredite. Dadurch soll das Wachstum der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft angekurbelt werden. „Diejenigen, die nach den schwächeren Konjunkturdaten aus dem Reich der Mitte auf geldpolitische Unterstützung gehofft hatten, haben nun Recht bekommen und finden so Argumente für eine Fortsetzung der Rally und für Aktienkäufe“, sagt Andreas Paciorek, Analyst des Online-Brokers CMC Markets.

Nach Einschätzung von FXCM-Experte Jens Klatt haben die Maßnahmen allerdings auch einen Nachteil, weil sie den chinesischen Aktienmarkt noch heißer laufen lassen. Sollte die Blase hier platzen, seien regelrechte Finanz-Tsunamis zu erwarten, die dann auch den Dax empfindlich korrigieren lassen dürften, meint Klatt. Der Shanghai-Composite hat allein in den vergangenen sechs Monaten fast 80 Prozent zugelegt.

Einen Dämpfer könnte die gute Laune in den nächsten Tagen durch die ungelöste Schuldenkrise in Griechenland bekommen. Die Finanzminister der Eurogruppe wollen am Freitag im lettischen Riga erneut über die Reformauflagen für Athen sprechen, die im Gegenzug für weitere Hilfskredite verlangt werden. Bisher hat die griechische Regierung keine Vorschläge gemacht, die die Billigung der Geldgeber finden. Die Regierung in Athen ist dringend auf Geld angewiesen, um ihre Verbindlichkeiten weiter bezahlen zu können.

Aus Angst vor einer Eskalation der Krise fassten Anleger den Euro nur mit spitzen Fingern an – zeitweise fiel er um fast einen US-Cent auf 1,0714 Dollar zurück. Getrennt haben sich Investoren auch von griechischen Staatsanleihen. Dies trieb die Rendite der zweijährigen Titel auf 29,148 Prozent von 27,344 Prozent am Freitag. Einige Anleger suchten Schutz im „sicheren Hafen“ Bundesanleihen. Die zehnjährigen Papiere rentierten mit zeitweise 0,063 Prozent nur etwa 0,01 Prozentpunkte über ihrem Rekordtief vom Freitag.

Für Gesprächsstoff unter den Einzelwerten sorgte eine Milliardenübernahme in Belgiens Mobilfunkbranche. KPN verkauft das Belgien-Geschäft seiner Mobilfunktochter Base für 1,3 Milliarden Euro an Telenet, der zum Kabelanbieter Liberty Global gehört. Die Übernahme bringt Liberty Global damit auf Augenhöhe mit dem Branchenzweiten Mobistar – dessen Aktien brachen bis zu 17,6 Prozent ein. Das ist der zweitgrößte Kurseinbruch der Unternehmensgeschichte. Mit 14,43 Euro waren die Papiere so billig wie zuletzt vor etwa einem halben Jahr. Telenet stiegen dank des Base-Deals um bis zu 7,6 Prozent auf ein Rekordhoch von 56,49 Euro. KPN legten an der Amsterdamer Börse zeitweise 3,5 Prozent zu.

In Erwartung einer anziehenden Nachfrage aus China waren zudem Minenwerte gefragt: die Aktien von Anglo American, Rio Tinto und BHP Billiton legten zwischen 2,7 Prozent und 2,5 Prozent zu. Der Branchenindex gewann 1,7 Prozent.

Größter Dax-Gewinner waren BASF mit einem Plus von 3,2 Prozent auf 92,03 Euro. Die Barclays-Experten hatten das Kursziel auf 101 (96) Euro erhöht und die Einstufung „Overweight“ bekräftigt. Der starke Dollar sei für die Gewinnentwicklung in der Chemiebranche die mit Abstand wichtigste Triebfeder. Davon dürften die Ludwigshafener, Lanxess sowie K+S am meisten profitieren, schrieben die Analysten.

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