Ergo: Niedrigzinsen belasten Geschäft mit Lebensversicherungen

Die Niedrigzinsen machen der Münchener-Rück-Tochter Ergo zu schaffen. Derzeit sei in der Lebensversicherung kein Geld mehr zu verdienen, so ein Sprecher. Im vergangenen Jahr hatte die Ergo jedoch massiv von Absicherungsgeschäften gegen fallende Zinsen und Steuerrückzahlungen profitiert.

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Die anhaltend niedrigen Zinsen machen Deutschlands zweitgrößtem Erstversicherer Ergo Kopfzerbrechen. „Organisch ist in der Lebensversicherung derzeit kein Geld mehr zu verdienen“, sagte Finanzchef Christoph Jurecka auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in Düsseldorf. Das Unternehmen hat die Verzinsung auf klassische Leben- und Renten-Policen in den vergangenen Jahren stärker gesenkt als die Konkurrenz. „Das hat uns natürlich keinen Rückenwind gebracht“, sagte Vorstandschef Torsten Oletzky. Das Volumen der neuen Verträge gegen monatliche Beiträge brach in Deutschland um neun Prozent ein.

Das Düsseldorfer Unternehmen habe das Neugeschäft bewusst gedrosselt. Doch angesichts der Renditezusagen an die Kunden aus der Vergangenheit ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Die gefallenen Zinsen fressen sich in den Bestand rein“, sagte Oletzky. Die Abschluss- und Vertriebskosten müssten sinken. „Wir kriegen die Kostenstrukturen nicht so schnell angepasst“, räumte der Ergo-Chef ein.

Zudem belastet die Zinszusatzreserve, mit der die Finanzaufsicht BaFin die Lebensversicherer in Zeiten niedriger Zinsen dazu zwingt, mehr Geld zurückzulegen, um die Zusagen auch in Zukunft noch erfüllen zu können. 725 Millionen Euro habe Ergo dafür allein 2014 zurückgelegt, in diesem Jahr sei mit einem noch höheren Betrag zu rechnen, sagte Jurecka. Mit Blick auf die verschärften Eigenkapitalanforderungen (Solvency II), die 2016 eingeführt werden sollen, stehe Ergo vor allem in der Lebensversicherung vor neuen Herausforderungen.

Für 2015 kalkuliert Ergo einen Gewinnrückgang auf 400 bis 500 Millionen Euro ein – „am liebsten am oberen Ende“, fügte Oletzky hinzu. Denn im vergangenen Jahr hatte die Tochter der Münchener Rück massiv von Absicherungsgeschäften gegen fallende Zinsen und Steuerrückzahlungen profitiert. Die Derivate besserten das Kapitalanlageergebnis um mehr als eine Milliarde Euro auf. Dadurch übertraf der Versicherer mit 620 (2013: 436) Millionen Euro den angepeilten Gewinn von 350 bis 450 Millionen Euro klar. Ohne Sondereffekte wäre Ergo bei rund 450 Millionen gelandet. In der Bilanz der Muttergesellschaft Münchener Rück blieben davon wegen interner Verrechnungen zwischen Erst- und Rückversicherern aber nur 169 (408) Millionen Euro Gewinn hängen.

Die Beitragseinnahmen stiegen nur um 0,3 Prozent auf 18,2 Milliarden Euro. Fortschritte im Auslandsgeschäft machten die Einbußen in der inländischen Lebensversicherung wett. Auch der Direktversicherer Ergo Direkt musste Einbußen hinnehmen, weil seine kurzfristigen Sparprodukte weniger gefragt waren

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