Starker Franken: Schweizer Unternehmen drohen mit Abwanderung ins Ausland

Zahlreiche schweizerische Unternehmen planen die Verlagerung ihrer Geschäfte ins Ausland. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses hat zu einer Kosten-Explosion innerhalb der Exportwirtschaft geführt. Nach einer Umfrage ist jede dritte Firma betroffen. SNB-Chef Thomas Jordan sieht eine Überwertung des Franken und plant daher eine Devisenmarkt-Intervention.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Aufgrund der Aufhebung des Euro-Mindestkurses und den Anstieg des Franken denken zwei Drittel der Schweizer Industrie-Unternehmen darüber nach, ins Ausland abzuziehen. Das betrifft vor allem schweizerische Großunternehmen, die zudem einen Personalabbau in Erwägung ziehen. Die Exportwirtschaft, deren Kosten in der Schweiz anfallen, sind stark betroffen von der SNB-Politik. Nach einer Umfrage der Staufen AG ist jede dritte Firma betroffen.

Die Staufen AG berichtet in einer Mitteilung: „Vor allem die großen Firmen reagieren mit weiteren Verlagerungen ins Ausland. Bei 44 Prozent der Industrie-Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen Franken stehen entsprechende Maßnahmen auf der Agenda. In gleichem Maße soll auch Personal abgebaut werden. Über alle Unternehmen hinweg planen drei von zehn Verlagerungen sowie die Reduzierung der Mitarbeiterzahlen.“

Zuvor hatten zwei Drittel der Unternehmen nach der Entscheidung der Schweizer Nationalbank Preisanpassungen vorgenommen und 57 Prozent nutzen inzwischen günstigere Bezugsquellen.

Die Schweizer Firmen wurden von der Abkoppelung des Franken vom Euro im Januar überrascht. Nur ein Viertel hat sich gegen Wechselkurs-Schwankungen abgesichert. Daher fehlen den Firmen aufgrund der Gewinn-Rückgänge etwa 18 Milliarden Franken, so Hochrechnungen der Credit Suisse.

Die SNB kündigte am Donnerstag an, Devisenmarkt-Interventionen vorzunehmen, weil der Franken „deutlich überbewertet“ ist, zitiert das Wirtschaftsblatt den SNB-Chef Thomas Jordan. Für das aktuelle Jahr erwartet die SNB ein Wirtschaftswachstum um ein Prozent mit einer negativen Inflations-Rate von 1,1 Prozent. Doch eine anhaltende Negativteuerung oder eine Deflations-Spirale sind nach Ansicht von Jordan nicht zu erwarten, berichtet Finanz & Wirtschaft.

Die SNB meldete am Mittwoch eine Verschärfung der Straf-Zinsen. Künftig sind noch mehr Girokonten-Inhaber vom Negativzins betroffen. Das trifft vor allem die Pensionskassen hart.

Innerhalb eines Monats, von Dezember 2014 bis Januar 2015, vernichtete die Schweizerische Nationalbank (SNB) Eigenkapital in Höhe von 50 Milliarden Franken
. Das steht im Statistischen Monatsheft der SNB. Statt 86 Milliarden Franken besitzt die SNB nur noch 34 Milliarden Franken an Eigenkapital. Die Eigenkapitalquote fiel durch den Verlust auf unter 7 Prozent – also unter die Grenze, die für systemrelevante Banken Pflicht ist.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***

media-fastclick media-fastclick