Börse: Dax schließt 3,2 Prozent im Minus

Alles, was seit der Verkündung des Anleihenkaufprogramms der EZB gestiegen ist, fällt heute drastisch - und umgekehrt: Der Dax fällt über 3 Prozent, auch die deutschen Bundesanleihen geben stark ab, während der Euro durch die Decke schießt. Das liegt am schwachen US-Wachstum, das ohne die starke Zunahme der Lagerbestände sogar um 2,6 Prozent gefallen wäre.

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Die lahmende US-Konjunktur hat am Mittwoch vielen Investoren einen Strich durch die Rechnung gemacht: Die bislang für den Sommer erwartete Zinserhöhung rückt in die Ferne, was den Dollar massiv schwächte. Der im Gegenzug um fast zwei US-Cent auf ein Acht-Wochen-Hoch von 1,1160 Dollar steigende Euro löste bei einigen Dax-Anlegern Panik aus. Der deutsche Leitindex brach um 3,2 Prozent auf 11.432,72 Punkte ein. Das war der höchste prozentuale Tagesverlust seit März 2014. Der EuroStoxx50 verlor 2,7 Prozent 3617,11 Zähler. Der starke Dollar hatte die US-Konjunktur ausgebremst, die von Januar bis März nur um minimale 0,2 Prozent wuchs.

Europas Aktienmärkte – allen voran der deutsche – hatten vor allem davon profitiert, dass der starke Dollar den Exportunternehmen einen Wechselkursvorteil auf den internationalen Märkten bescherte. Damit könnte es fürs erste aber nun vorbei sein. „Das war im ersten Moment ein Schock“, sagte Commerzbank-Devisenanalystin Thu Lan Nguyen. „Der Ausverkauf hat begonnen“, kommentiert ein Aktienhändler.

Der Dax hatte im bisherigen Jahresverlauf rund 20 Prozent gewonnen, während der Euro zeitweise mehr als 15 US-Cent eingebüßt hatte und in Richtung der Eins-zu-Eins-Parität unterwegs gewesen war. Auf der anderen Seite des Atlantiks sind Dow-Jones – und S&P500 dagegen seit Jahresbeginn kaum vom Fleck gekommen. Somit hielt sich dort auch die Enttäuschung über die schwachen Wirtschaftsdaten in Grenzen, da sie das Ende der Dollar-Rally bedeuten könnten. Zum Handelsschluss in Europa lagen die großen Indizes etwa 0,4 Prozent im Minus.

Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen vermutet, dass mit den Zahlen eine Zinserhöhung schon im Juni vom Tisch ist. „Das wird jetzt frühestens im September kommen.“ Allerdings hänge viel davon ab, wie die seit Dienstag in Washington tagenden Notenbanker der Fed die Lage bewerteten. Sollten sie die lahmende Wirtschaft für eine temporäre Erscheinung halten, könnte es eben doch noch in den nächsten Monaten eine Zinserhöhung geben. Sollte sie aber von einer Wachstumsdelle ausgehen, würden sich die Zinserhöhungsspekulationen nach hinten verschieben.

Die Notenbanker wollten ihren Kommentar zur Lage der Wirtschaft am Abend (MESZ) nach Handelsschluss in Europa veröffentlichen.

Auch am Rentenmarkt drückten die Händler auf den Verkaufsknopf: So brachen die Kurse der zehn- und 30-jährigen Bundesanleihen massiv ein, was die Renditen in die Höhe trieb. Die Verzinsung der 30-jährigen Papiere stieg auf 0,773 von 0,609 am Vorabend. Laut Börsianern drückte besonders eine Flut frischer Staatspapiere aus Deutschland, Italien und Portugal auf die Kurse. Insgesamt kamen Bonds im Gesamtvolumen von etwa 16 Milliarden Euro auf den Markt.

Auf den Verkaufslisten standen vor allem Unternehmen aus der Exportbranche. Besonders unter Druck gerieten die Autowerte: VW knickten trotz eines überraschend guten Quartalsbericht um vier Prozent ein, Daimler und BMW verloren je gut drei Prozent. Die Autowerte gehören seit Jahresbeginn zu den Dax-Favoriten.

In New York stand erneut die Aufregung um die verfrühte Veröffentlichung der Quartalsbilanz von Twitter im Fokus. Durch ein Leck war die Bilanz noch vor Handelsschluss am Dienstag veröffentlicht worden, sie fiel zudem enttäuschend aus. Die Aktien setzten nach dem 18-prozentigen Kursrutsch vom Vortag die Talfahrt fort und verloren weitere fünf Prozent.

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