Vorbild Heuschrecke: US-Militär entwickelt Mini-Drohnen-Schwarm

Das US-Militär hat Mini-Drohnen entwickelt, die sich wie ein Heuschrecken-Schwarm verhalten. Sie funktionieren lautlos, ohne Motor und sind so schlicht gebaut, dass die Entwickler von „Wegwerf-Drohnen“ sprechen. Die Flugroboter sollen Feinde allein durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit besiegen.

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Die Miniatur-Drohnen passen in die Handfläche und sind nach den Insekten benannt, die ihre Erfindung inspirierten: Cicada – Zikaden, jene Heuschrecken, die jahrelang unter der Erde leben, um dann plötzlich in großen Schwärmen über die Landschaft herzufallen – und danach einfach tot zu Boden zu fallen.

„Die Idee war, warum können wir nicht unbemannte Luftfahrzeuge mit dem gleichen Profil machen“, zitiert der US-Sender CTV-News Aaron Kahn vom Naval Research Laboratory. „Wir setzen so viele aus, dass es für den Feind unmöglich wird, sie alle runterzuholen.“

Die „Cicada“, kurz für Covert Autonomous Disposable Aircraft ist kleiner, billiger und einfacher als jedes bisherige Roboterflugzeug – sollte aber dennoch zur Durchführung von Militär-Operationen auf weit entfernten Schlachtfeldern in der Lage sein. Sie besteht aus nur etwa 10 Teilen und ähnelt eher einem Papierflieger als einem Roboter, wie dieses Video auf Engineering TV beleuchtet. Die Drohne kann jedoch etwa 74 Kilometern pro Stunde fliegen und ist nahezu geräuschlos, da sie weder Motor noch sonstige Antriebssysteme besitzt. „Sie sieht aus wie ein Vogel im Sturzflug“, sagte Daniel Edwards, ein Raumfahrtingenieur am Naval Research Laboratory. Aber ie sei „sehr schwer zu sehen.“

Dennoch kann sie via GPS-Koordinaten einprogrammierte Ziele im Gleitflug ansteuern, nachdem sie aus einem Flugzeug, Ballon oder einer größere Drohne abgeworfen wird. In einem Test wurden Cicada Drohnen demnach aus 17.500 Metern Höhe abgeworfen. Sie flogen – oder fielen – 17 Kilometer und landeten in einem Zielumkreis von 4,5 Metern.

Die Forscher sagen, dass die Mini-Drohnen für eine Vielzahl von Aufgaben verwendet werden und mit einer Reihe von leichten Sensoren oder auch Mikrofonen ausgestattet werden können.

Ein mögliches Szenario könnte demnach sein, mit den Drohnen den Verkehr auf einer Straße hinter feindlichen Linien zu überwachen. „Sie versehen die Drohne mit einem Mikrofon oder einem Körperschallmelder, legen sie auf die Straße und sie wird Ihnen sagen, ob ein Lastwagen oder ein Auto auf diesem Weg fährt, wie schnell und in welche Richtung.

Mit Magnetsensoren ausgestattet könnten sie auch feindliche U-Boote aufspüren – oder mit Mikrofonen bestückt Soldaten, Terroristen oder einfache Bürger belauschen.

Trotz ihres Spielzeug- Aussehens sind die Cicada Drohnen dabei überraschend robust, so Edwards. „Man kann sie aus einer Cessna oder ein C-130 abwerfen. Sie fliegen unbeschadet durch Bäume, krachen auf Asphalt, fallen in Kiesgruben oder sind voll mit Sand, aber das einzige, das sie bisher getötet hat, waren dorniges Wüstenbüsche.“

Ironischerweise verspeisen die natürlichen Vorbilder der Drohnen eben solche Büsche zum Frühstück.

Akademiker und so gut wie jeder Zweig der Regierung habe bereits Interesse an dem Cicada Programm angemeldet, darunter auch einige Geheimdienste. „Jeder ist interessiert. Jeder“, so Edwards. Der Prototyp kostet tausend US-Dollar, die Kosten könnten sich jedoch auf unter 250 Dollar pro Stück reduzieren, sobald die Drohne in Serie geht.

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