Investor baut komplette Stadt, um sie als Technologie-Labor zu vermieten

Ein US-Investor baut eine komplette Stadt ohne Einwohner als Test-Labor für Innovationen. Die CITE wird eine funktionsfähige Infrastruktur mit Straßen, Wasser, Strom, Kirche und Flughafen bekommen und soll eine Milliarde Dollar kosten. Jeder kann die Stadt mieten, um neue Technologien wie etwa fahrerlose Autos oder alternative Energieversorgung unter realen Bedingungen zu testen, ohne dabei auf die Einwohner Rücksicht nehmen zu müssen.

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Im US-Bundesstaat New Mexico entsteht ein privat finanziertes Test-Zentrum für Innovationen namens CITE (Center for Innovation, Testing and Evaluation). CITE soll nach Angaben der verantwortlichen Pegasus Global Holding als Einrichtung für die Betriebsprüfungen, Bewertung und Vermarktung von Innovationen und Zukunfts-Technologien dienen.

Es soll ein Testumfeld bieten für Technologien, um sie in städtischen Infrastrukturen zu integrieren, ohne dabei auf Bewohner Rücksicht nehmen zu müssen. Durch zahllose Sensoren und Messgeräte in allen Leitungen, Gebäuden und Straßen soll es zudem detaillierte Mess-Ergebnisse über die Auswirkungen der Technik auf die Wirtschaft liefern, zum Beispiel im Bereich Energie, Transport, Telekommunikation, Sicherheit oder Landwirtschaft.

CITE wird dazu eine vollständig an das Struktur- und Versorgungsnetz angeschlossene Anlage, die nach dem Vorbild einer mittelgroßen amerikanischen Stadt entworfen wurde, einschließlich aller innerstädtischen, vorstädtischen und ländlichen Gebiete, mit Straßen, Gebäuden, Stromversorgung, Wasser und Kanalisation, Telekommunikationsnetz, Rathaus, Schulen, Flughafen, Einkaufscenter, Kirche und Tankstellen – sogar Kunst und Graffiti soll es geben und alles was sonst dazu gehört – bis auf die Einwohner. Anders als in den bekannten chinesischen Geisterstädten ist das Fehlen der Menschen jedoch beabsichtigt, das US-Magazin Atlantic spricht daher von einer „umgekehrten Geisterstadt“.

Als Repräsentation der modernen Stadt will CITE es den Kunden so ermöglichen, die Vorteile und die Kosten der von ihnen vorgeschlagenen Innovationen und Technologien, sei es Hardware oder Software, ausgiebig und ungestört unter realen Bedingungen zu testen – ohne dabei von lästigen Menschen gestört zu werden oder das Leben echter Stadtbewohner zu stören.

Dabei geht es nicht um einen Prototypen der Stadt der Zukunft, sondern vielmehr um eine realistische Stadt unserer Zeit, wie der Leiter des Projekts Robert Brumley dem Atlantik erklärte: Die CITE sollte „mehrere Schichten älterer Technologie haben und oben drauf neuere Technologie. Also nicht nur Glasfaserkabel, sondern auch Kupfer.“ Am Ende solle die Stadt wirken wie eine „vollständig aktive, bevölkerte, lebendige, atmende Stadt, deren Bevölkerung eines Tages plötzlich verschwunden ist“. Es sollte aussehen, wie von den Menschen verlassen, und nicht so, als ob die Menschen noch nie dort gelebt haben.

Wenn der Bau wie erwartet in etwa vier Jahren abgeschlossen ist, wird CITE damit das größte Forschungslabor des Planeten: Es simuliert einen Lebensraum, der rund 35.000 Einwohnern Platz böte und soll die Pegasus Holding am Ende eine Milliarde Dollar kosten.

Der Investor ist überzeugt, dass die Nachfrage für so ein Testcenter existiert und sich mit der Vermietung des Geländes die Investitionssumme wieder reinholen lässt. Derzeit ist die Idee insbesondere für die Vernetzung des Verkehrs interessant: Autobauer und IT-Industrie arbeiten immer enger zusammen, um selbstfahrende Fahrzeuge zu entwickeln. Allerdings können diese nur einen Bruchteil der möglichen Technologien im realen Straßenverkehr testen, da sie für riskante oder unerprobte Neuerungen keine Straßenzulassung bekommen. Auch Smart-City-Projekte wie intelligente Stromnetze oder neue Verteilungsmöglichkeiten können so getestet werden, ohne gleich Gefahr zu laufen, dass im Ernstfall tausende Menschen ohne Strom dastehen.

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