Künstliche Befruchtung: In Griechenland billiger als in anderen Ländern

Die Krise in Griechenland hat der Fruchtbarkeitsindustrie zu einem Boom verholfen. Ein Gesetz erlaubt es, dass Spenderinnen rund 1.000 Euro für ihre Eizellen erhalten. Das erhöhte Spendenaufkommen soll wiederum zahlreiche Paare mit unerfülltem Kinderwunsch aus dem Ausland anziehen. Mit dem so geschaffenen Fruchtbarkeits-Tourismus will die griechische Regierung gleich zwei Branchen auf einmal ankurbeln.

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In Griechenland boomt das Geschäft mit der künstlichen Befruchtung. Die Behandlungen haben sich in den vergangenen Jahren im Schnitt verfünffacht. Das Land will nun Profit aus der assistierten Fortpflanzungstechnologie (ART) ziehen: Denn trotz Finanzkrise im Land seien viele dazu bereit, für eine künstliche Befruchtung zu zahlen, zitiert Bloomberg den Chef der größten Fertilitätsklinik des Landes. Der weltweite Markt wird auf 20 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2020 geschätzt – das wäre mehr als eine Verdoppelung seit dem Jahr 2012 (rund 9,3 Milliarden Dollar)

Doch nicht nur Griechinnen sollen die Kliniken füllen, auch Patientinnen aus dem Ausland werden geworben: Ähnlich wie es Spanien bereits praktiziert, soll die Behandlung in Verbindung mit einem Urlaub angeboten werden. So könnten gleich zwei Wachstumsbranchen neu belebt werden.

In Griechenland werden die Behandlungen, Zyklen genannt, zudem viel günstiger angeboten als anderswo. Zum Vergleich: Ein Zyklus in den USA kostet beim ersten Versuch 9.500 Dollar, sollte dieser fehlschlagen kommt der zweite Zyklus auf 8.000 Dollar. In Griechenland kosten zwei Versuche nur 4.500 Euro, berichtet Bloomberg.

Zudem haben die Krise und die damit verbundenen Haushaltskürzungen der griechischen Regierung der Fruchtbarkeitsindustrie geholfen: Das griechische Recht erlaubt nämlich, dass Frauen anonym Eizellen spenden können und dafür rund 1.000 Euro erhalten. Während die Geburtenrate in der Krise fiel, stieg gleichzeitig die Abgabe von Eizellen.

Es gibt auch einen größeren Markt als in anderen Ländern, weil die Behandlung bei Frauen bis 50 erlaubt ist und einen Bruchteil von dem kostet, was etwa in den USA für so einen Eingriff veranschlagt wird.

„Das Land ist an einem kritischen Punkt angekommen“, so Gesundheitsminister Panagiotis Kouroublis auf einer Pressekonferenz zur Förderung der „Fruchtbarkeitstourismus“: „Wenn es um das Thema Wachstum geht, müssen wir Forschung und Wissenschaft zu nutzen.“

Europa ist weltweit führend bei der Zahl der durchgeführten ART-Verfahren, so die European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE). Aufgrund der steigenden altersbedingten Unfruchtbarkeit werde die Nutzung von gespendeten Eizellen immer wichtiger, so ESHRE. Laut der Gesellschaft werden die meisten Behandlungen mit gespendeten Eizellen noch in Spanien durchgeführt.

Über Griechenland gibt es noch wenig gesicherte Daten: Es gibt noch nicht mal ein Zahl, wie viele Fruchtbarkeitszentren entstanden sind, seitdem im Jahr 2005 das Gesetz verabschiedet wurde, welches solche Zentren erlaubt.

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