Blatter-Rücktritt: US-Bundespolizei und FBI ermitteln gegen FIFA-Chef

FIfa-Chef Sepp Blatter tritt überraschend zurück. Zwar bestreiten die USA, mit dem Rücktritt etwas zu tun zu haben. Doch der Druck der Ermittler war für Blatter offenbar zu groß geworden. ABC meldet, dass die US-Bundespolizei und das FBI nun auch gegen Blatter ermitteln.

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Die US-Bundespolizei und das FBI ermitteln dem US-Sender ABC zufolge gegen Fifa-Präsident Joseph Blatter. Das wurde am Dienstagabend bekannt, nachdem Blatter überraschend seinen Rücktritt eingereicht hatte. ABC berief sich auf mit dem Fall vertraute Personen

Nur vier Tage nach seiner Wiederwahl für eine fünfte Amtszeit hat der umstrittene Schweizer seinen überraschenden Rückzug als FIFA-Präsident angekündigt. Nach 17 Jahren an der Spitze sagte Blatter: «Ich habe ernsthaft über meine Präsidentschaft nachgedacht und über die vierzig Jahre, in denen mein Leben untrennbar mit der FIFA und diesem großartigen Sport verbunden gewesen ist», sagte Blatter.

Durch die Wahl am vergangenen Freitag habe er noch einmal das Mandat durch die FIFA-Mitglieder bekommen, «aber ich habe das Gefühl, dass ich nicht das Mandat der gesamten Fußball-Welt habe. «Daher habe ich entschieden, mein Mandat bei einem außerordentlich Kongress niederzulegen.»

UEFA-Präsident Michel Platini, der Blatter einen Tag vor dessen erneuter Wahl noch den Rücktritt nahegelegt hatte, begrüßte Blatters Schritt: «Es war eine schwierige Entscheidung, eine mutige Entscheidung, und die richtige Entscheidung», erklärte Platini in einer schriftlichen Stellungnahme. Die Position Frankreichs grenzt an Heuchelei: Platini ist der größte Befürworter von Katar. Außerdem soll der französische Vertreter gegen den Willen Platinis für Blatter gestimmt haben, berichtete Le Journal du dimanche.

«Das ist die Entscheidung, die absolut richtig ist, die überfällig ist», sagte Wolfgang Niersbach, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes unmittelbar nach Blatters Ankündigung. «Es ist eigentlich eine Tragik, warum er es sich selber und uns allen das nicht erspart hat, dass er das früher gemacht hätte.» Mit dem Rücktritt seien aber nicht «alle Probleme gelöst», betonte Niersbach allerdings auch bei einem Termin in Berlin. «Dies ist ein guter Tag für den Weltfußball», meinte Ligapräsident Reinhard Rauball.

Blatters Nachfolger als FIFA-Präsident soll voraussichtlich bei einem Sonderkongress des Weltverbands zwischen Dezember 2015 und März 2016 gewählt werden, kündigte Domenico Scala, Chef der FIFA-Compliance-Kommission, an. Gemäß Statuten des Weltverbands seien mindestens vier Monate zur Vorbereitung eines Wahlkongresses notwendig. Der nächste reguläre FIFA-Kongress ist erst für den 12. und 13. Mai 2016 in Mexiko-Stadt vorgesehen. «Dies wurde eine unnötige Verzögerung bedeuten», sagte Blatter.

Bis zu der außerordentlichen Zusammenkunft der FIFA wird Blatter sein Amt noch ausüben. Zusammen mit Scala will Blatter in den noch verbleibenden Monaten an der Spitze grundlegende Veränderungen durchführen. Nach den nicht enden wollenden Korruptionsvorwürfen, die am Dienstag auch noch Blatters Generalsekretär Jérôme Valcke erreichten, kündigte Blatter eine «tief verwurzelte strukturelle Veränderung» an.

«Im Exekutivkomitee sind Vertreter von Verbänden, über die wir keine Kontrolle ausüben, aber für deren Handlungen die FIFA verantwortlich gemacht wird.» Blatter will das Exko, dem auch DFB-Präsident Niersbach seit Freitag angehört, plötzlich verkleinern. Noch kurz nach seiner Wiederwahl am Freitag hatte er eine Vergrößerung des Gremiums angekündigt. Die Mitglieder sollten nun zudem durch den FIFA-Kongress gewählt werden und nicht durch Entsendung der Kontinentalverbände ihren Platz bekommen. Dadurch erhofft man sich offensichtlich mehr Kontrolle.

Blatter wirkte relativ gefasst, als er seine Worte in französischer Sprache vortrug. Vom Kampfgeist, seiner vermeintlichen Aufbruchstimmung wie noch bei seiner Wiederwahl am Freitag trotz aller Gegenstände vor allem aus Europa, war aber nichts mehr zu spüren. Zuversichtlich wollte er ungeachtet der Festnahmen und Anklagen gegen hochrangige Funktionäre am Freitag noch weitermachen und giftete einen Tag nach seiner Wahl noch gegen Platini. An diesem denkwürdigen 2. Juni 2015 wirkte Blatter aber auch ein bisschen wie ein geschlagener Mann.

Spekulationen, dass seine Entscheidung womöglich mit den US-Ermittlungen zusammenhängen könnten, wiesen die Amerikaner umgehend selbst zurück. Die US-Regierung stritt ab, Blatter aus dem Amt gedrängt zu haben. «Die Vereinigten Staaten haben keine Position zu der Frage, wer der Präsident der FIFA ist», sagte Marie Harf, Sprecherin im US-Außenministerium.

Der Skandal um Schmiergelder, Korruption und Geldwäsche, bei dem in der Kongresswoche sieben hochrangige FIFA-Mitglieder festgenommen wurden und gegen insgesamt 14 von den US-Behörden ermittelt wird, war letztlich aber zu viel. Hinzu kommen die WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022 – hier ermittelt die Schweizer Justiz.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft betonte jedoch am Dienstagabend diesbezüglich: «Das Verfahren der Bundesanwaltschaft wurde wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie des Verdachts der Geldwäscherei gegen unbekannt eröffnet», hieß es in der Mitteilung. Blatter sei kein Beschuldigter.» Sein angekündigter Rücktritt habe keinen Einfluss auf das Strafverfahren.

«Es ist meine tiefe Sorge um die FIFA und ihrer Interessen, die mich zu dieser Entscheidung veranlasst hat», sagte Blatter am Ende seiner wohl schwersten Rede. «Ich möchte denen danken, die mich immer unterstützt haben in konstruktiver und loyaler Weise als Präsident der FIFA», betonte Blatter. 1998 hatte er den Posten übernommen.

Seine Entscheidung war ungeachtet der erneuten Zuspitzung der Ereignisse am Dienstag völlig unabsehbar. Nur wenige Medienvertreter hatten es überhaupt zu der Pressekonferenz in Zürich geschafft, nachdem sie gut eine Stunde vor dem geplanten Beginn erst angekündigt worden war. Nach einer dreiviertelstündigen Verspätung hatte Kommunikationschef Walter De Gregorio das Wort an Blatter übergeben. «Ich liebe die FIFA mehr als alles andere und will nur das tun, was am besten für die FIFA und den Fußball ist», erklärte Blatter.

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