Deutsche Bank: Fitschen und Jain werden durch UBS-Banker ersetzt

Die Deutsche Bank löst ihre beiden Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen ab. Zum neuen CEO wurde der ehemalige UBS-Banker John Cryan bestellt.

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In einer Ad hoc-Mitteilung teilt die Deutsche Bank mit:

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank hat heute in einer außerordentlichen Sitzung John Cryan (54) mit Wirkung zum 1. Juli 2015 zum Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank ernannt. John Cryan ist seit 2013 Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank und hat die Funktion des Vorsitzenden des Prüfungsausschusses inne. Er ist zudem Mitglied des Risikoausschusses. Mit Amtsantritt als Co-Vorstandsvorsitzender wird er sein Mandat als Mitglied des Aufsichtsrats der Bank niederlegen.

John Cryan war von 2012 bis 2014 Präsident Europa von Temasek, dem Staatsfonds Singapurs. Von 2008 bis 2011 war er Finanzvorstand der UBS und hatte seit 1987 verschiedene Funktionen im Corporate Finance-Geschäft und in der Kundenberatung von UBS und SG Warburg inne. Er verfügt über einen Abschluss der Universität Cambridge.

Die Ernennung von John Cryan zum Co-Vorstandsvorsitzenden folgt auf die Entscheidung von Jürgen Fitschen (66) und Anshu Jain (52), ihr Amt als Co-Vorstandsvorsitzende vorzeitig niederzulegen. Anshu Jain wird zum 30. Juni 2015 zurücktreten. Der Aufsichtsrat hat Anshu Jain gebeten, vom 1. Juli 2015 bis Januar 2016 als Berater der Bank zur Verfügung zu stehen. Der Aufsichtsrat hat Jürgen Fitschen gebeten, sein bisheriges Amt bis zum Abschluss der Hauptversammlung am 19. Mai 2016 wahrzunehmen, um einen geregelten Übergang sicherzustellen. Die Verträge von Jürgen Fitschen und Anshu Jain hatten ursprünglich eine Laufzeit bis zum 31. März 2017. Nach dem Ausscheiden von Jürgen Fitschen am 19. Mai 2016 wird John Cryan alleiniger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank.

Paul Achleitner, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Bank, sagte: „Im Namen des Aufsichtsrats möchte ich Jürgen Fitschen und Anshu Jain unseren Dank und unsere Anerkennung für ihre Leistung aussprechen, die sie für unsere Bank erbracht haben. Aufgrund ihres jahrzehntelangen Einsatzes hat die Deutsche Bank ihre weltweite Führungsposition erreicht. Ihre Entscheidung, ihr Amt früher als geplant niederzulegen, zeigt auf eine beeindruckende Weise ihre Einstellung, die Interessen der Bank vor ihre eigenen zu stellen. Wir sind dankbar, dass Jürgen Fitschen sich bereit erklärt hat, seine bisherige Funktion bis zum Abschluss der Hauptversammlung am 19. Mai 2016 wahrzunehmen, um einen geregelten Übergang sicherzustellen.“

Achleitner fuhr fort: „Über die letzten beiden Jahrzehnte hinweg hat Anshu Jain einen wichtigen Beitrag geleistet, viele der führenden Geschäftszweige der Bank zu begründen und auszubauen. Ohne seine Leistung hätte die Bank ihre weltweite Führungsposition heute nicht inne oder könnte sie nicht aufrechterhalten. Anshu Jain hat als Führungspersönlichkeit mit dafür gesorgt, die Deutsche Bank in eine global führende, in Deutschland verwurzelte Bank zu entwickeln und hat sich damit einen Platz in der Geschichte der Bank erarbeitet.“

Achleitner erklärte abschließend: „Wir freuen uns über die Ernennung von John Cryan zum Co-Vorstandsvorsitzenden. Er verfügt nicht nur über große Erfahrung im Bank- und Finanzgeschäft, sondern steht persönlich und beruflich für die Werte, die nötig sind, die Deutsche Bank voranzubringen und die Strategie 2020 erfolgreich umzusetzen. Er kennt die Bank bereits gut, und wir sind überzeugt, dass er die richtige Persönlichkeit zum richtigen Zeitpunkt ist. Wir wünschen ihm und unseren Mitarbeitern viel Erfolg in dieser so wichtigen Phase für die Bank.“

Anshu Jain, Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, sagte: „Diesen Monat sind es 20 Jahre, dass ich für die Deutsche Bank arbeite und es war eine außergewöhnliche Zeit. In den letzten drei Jahren hatte ich das Privileg und die Ehre, diese großartige Institution zusammen mit Jürgen Fitschen zu führen. In dieser Zeit haben wir unsere Kapitalbasis gestärkt, Risiken abgebaut sowie maßgeblich in Technologie, Kontrollen und Compliance investiert. Vor allem haben wir unsere Kunden zufriedengestellt, unsere Erträge erhöht und dabei gleichzeitig die Bank neu geformt und gestärkt.“

Jain fuhr fort: „Mit der Strategie 2020, die die Bank auf einen erfolgreichen Weg bringt, ist es zu diesem Zeitpunkt die richtige Entscheidung für die Bank und für mich, eine neue Führung zu etablieren. Ich bin sehr dankbar für meine Zeit bei der Deutschen Bank und bin überzeugt, dass die Bank in sehr guten Händen ist und vor einer glänzenden Zukunft steht.“

John Cryan, designierter Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, sagte: „Es ist für mich eine große Ehre, das Amt des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank zu übernehmen. Die Deutsche Bank ist eine besondere Institution. Unsere Zukunft hängt davon ab, wie gut wir unsere Strategie umsetzen, unsere Kunden überzeugen und die Komplexität reduzieren. Ich freue mich darauf, meine neue Aufgabe zum 1. Juli aufzunehmen.“

Cryan (54) sitzt seit 2013 im Aufsichtsrat des Instituts. Der Brite ist Vorsitzender des Prüfungsausschusses und Mitglied des Risikoausschusses. Cryan war von 2012 bis 2014 Präsident Europa von Temasek, dem Staatsfonds Singapurs. Von 2008 bis 2011 war er Finanzvorstand der UBS. Nach dem Studium an der Universität Cambridge startete er seine Karriere 1982 bei den Wirtschaftsprüfern von Arthur Andersen in London, seit 1987 hatte er verschiedene Funktionen im Corporate Finance-Geschäft und in der Kundenberatung von UBS und SG Warburg inne.

Milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten, eine unrühmliche Vergangenheit und eine maue Aktienkursentwicklung, hatte Jain und Fitschen zuletzt zugesetzt: Das Duo stand jüngst heftig in der Kritik. Bei der Hauptversammlung im Mai räumten Jain und Fitschen auch selbst ein, dass ihre bisherige Amtszeit seit Juni 2012 keine reine Erfolgsgeschichte gewesen sei. Der Abbau von Altlasten sei teurer und dauere länger als gedacht. Zudem habe das Management die neuen Vorgaben der Aufseher weltweit unterschätzt.

Trotzdem seien die vergangenen drei Jahre «keine verlorene Zeit» gewesen, bilanzierte Fitschen: «Wir fühlen uns auf einer besseren Basis als vor drei Jahren.» Beide Co-Chefs bekräftigten, sie fühlten sich auf «dem richtigen Weg»

Die Aktionäre überzeugte das nicht. Jain und Fitschen wurden lediglich mit jeweils 61 Prozent entlastet. Üblich sind mit mindestens 90 Prozent erheblich mehr. Direkte Folgen hatte das vorerst nicht, weil nur der Aufsichtsrat über eine Abberufung von Vorständen entscheiden kann. Der Aufsichtsrat hat jedoch nach kurzer Zeit reagiert und den Wechsel vorgenommen.

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