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Börsen-Guru Beate Sander: Warten auf den Crash, um wieder kaufen zu können

In Zeiten, in denen keine Zinsen gezahlt werden, gebe es keine Alternativen zu Aktien, so Börsen-Expertin Beate Sander. Das Geld auf dem Sparbuch zu belassen, komme einer Kapitalvernichtung gleich. Für Neulinge sei vor allem eine breite Streuung der Aktien wichtig. Dennoch trauen sich die Deutschen noch nicht auf die Aktienmärkte.

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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wir leben in Zeiten, in denen das Geld auf dem Konto keine Zinsen mehr bringt. Muss heutzutage jeder Ihren Börsenführerschein erwerben und sein Geld in Aktien investieren?

Beate Sander: Deutschland gilt als Angsthasenvolk, das nicht gerne in Aktien investiert. In Zeiten, in denen keine Zinsen mehr bezahlt werden, gibt es jedoch kaum Alternativen zu Aktien. Gelder auf dem Sparbuch kommen einer schleichenden Kapitalvernichtung gleich. Früher konnte man auf Bundesschatzbriefe setzen, aber auch diese bringen aktuell keine Zinsen mehr. Selbst Edelmetalle wie Gold zeichnen sich nicht durch überragende Wertsteigerungen aus. Wenn ich wirklich etwas für meinen Vermögensaufbau und meine Alterssicherung tun möchte, komme ich nicht um Aktien herum.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was muss ein Anleger beachten, um erfolgreich zu sein?

Beate Sander: An oberster Stelle gilt die Börsenwahrheit: „Breit gestreut, nie bereut“. Mit einem breit gestreuten Aktiendepot kann man mit durchschnittlich 5% bis 15% Rendite im Jahr rechnen, sofern man 14 Jahre oder länger dabei ist. Die Spitzen nach oben und unten hängen auch vom Zufall ab. Mit nur zwei, drei Aktien im Depot steigt die Gefahr, dass diese nicht laufen. Deckt mein Portfolio aber über unterschiedliche Branchen, Aktienindizes und Länder hinweg ein breites Spektrum ab, dann habe ich schon den Grundstein für den Erfolg gelegt.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie wichtig ist ein langfristiger Anlagehorizont?

Börsen-Expertin Beate Sander. (Foto: B. Sander)

Börsen-Expertin Beate Sander. (Foto: B. Sander)

Beate Sander: Sehr wichtig! Mit „sell in May and go away“ ist man schlecht beraten. Es freut die Banken, wenn Anleger im Mai ihre Aktien verkaufen und im Herbst dann wieder einsteigen, denn die Geldhäuser verdienen hieran über Transaktionsgebühren. Ich wurde schon von Bankmanagern als Nestbeschmutzer bezeichnet, weil ich vor einem solchen Hin und Her warne. Bei kurzfristigen Verkäufen verzichten die Anleger zudem auf Dividenden, die heute ja schon als Ersatz für niedrige Zinsen gelten. Ich habe mir über die Jahre einen steuerfreien Altbestand mit üppigen Kursgewinnen und hohen Dividendenrenditen aufgebaut. Ihn würde es nicht geben, hätte ich mich bis 2008 regelmäßig im Mai von meinen Aktien getrennt. Bei hohen Kursen verkaufe ich von den Aktien, die am besten gelaufen sind, gerade so viele, dass ich meinen Einsatz plus Steuern gedeckt habe. So habe ich Geld, um bei niedrig bewerteten Aktien einzusteigen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welche Warnhinweise geben Sie den Anlegern mit?

Beate Sander: Der Anleger muss vor allem beachten: „Meide die gefährlichen Vier: Euphorie, Panik, Angst und Gier.“ Viele Anleger kaufen Aktien, wenn diese gerade teuer sind, weil die Nachfrage groß ist. Umgekehrt werfen sie dann bei Kurskorrekturen wie 2000, 2003 oder im Herbst 2008 und Frühjahr 2009 vor lauter Panik alle ihre Aktien aus dem Depot. Ich sage immer: „Ein Crash ist gut für Leute mit Mut.“ Bei fallenden Kursen gilt es, gute Aktien mit Potenzial zu finden, die gerade günstig zu haben sind. Ein Crash ist für mich keine Katastrophe, sondern eine Chance für den Einstieg oder Zukauf. Aber man sollte Aktien nie auf Pump kaufen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Das Klima ist rau: Selbst Banken und Staaten kollabieren. Was muss ein Anleger in solchen Zeiten beachten?

Beate Sander: Anlageberater haben oft ihren eigenen Nutzen im Auge. Banken verdienen in erster Linie an Gebühren und auch an den Provisionen für ihre Standardaktienfonds. Diese schneiden oft 80 bis 90% schlechter ab als der Index. Ich kann vor allem ETF (Exchange Traded Fonds) empfehlen, denn diese bilden passiv gemanagt exakt die Benchmark nach. Bankberater weisen zwar oft darauf hin, dass ETFs nie mehr als der ihnen zu Grunde liegende Index einbringen, aber eben auch nicht weniger. Zudem kosten Standardaktienfonds meist 1,9% im Jahr an Grundgebühren, ETFs hingegen nur um die 0,3%.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Die Anlageziele und -bedürfnisse sind oft sehr unterschiedlich. Es gibt neben Aktien und Fonds auch Immobilien, Edelmetalle oder sonstige Anlagemöglichkeiten. Welche Assetklasse eignet sich für wen?

Beate Sander: Ich muss natürlich im Vorfeld austesten: Was halte ich aus? Über wie viel Geld verfüge ich? Wie hoch ist mein Risikobewusstsein? Welche Renditeerwartungen habe ich? Welche Verpflichtungen belasten mich? Ich soll bei allem auch nachts noch gut schlafen können. Selbst genutzte Immobilien sind zum Vermögensaufbau und für die Altersvorsorge gut; aber mit 2.000 bis 3.000 Euro komme ich nicht weit. Eine Alternative sind Aktien von Immobilienfirmen, die zudem attraktive Dividenden ausschütten. Aber: Finger weg von geschlossenen Immobilienfonds! Damit bindet man sich für einen sehr langen Zeitraum bei hohem Risiko. Bei Gold kann man mit wenig Geld einsteigen, aber im Notfall große Goldbarren nur im Ganzen und nicht gestückelt verkaufen. Anders bei Aktien: Da kann ich auch mal nur ein paar verkaufen. Egal, worin ich investiere: Ich muss mich ausführlich mit meinem Investment beschäftigen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie steht es mit Manipulationen seitens der Banken und professionellen Finanzdienstleister?

Beate Sander: Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass Wissen um die Anlageform entscheidend ist. Mir haben Experten bestätigt, dass Anlegern, die keine Ahnung haben, z.B. Edelsteine um 50% teurer verkauft werden als jemandem, der sich gut auskennt. Aber Manipulationen gab es schon immer und wird es immer geben. Die Starken versuchen, die Schwachen über den Tisch zu ziehen. An der Börse werden etwa große Orders ausgegeben, um Kurse zu manipulieren. Oder es gibt die Spekulation mit Penny Stocks, also Aktien mit Kurswerten von unter einem Euro, die mit Börsenbriefen nach oben getrieben werden, und bei denen dann kräftig abgesahnt wird. Auch der Graue Kapitalmarkt ist ein weites Feld für Manipulation, auf dem sich Betrüger ständig Raffiniertes einfallen lassen. Die Industrie 4.0, die neuen Technologien wie das Internet der Dinge bieten ebenfalls Möglichkeiten für Betrug.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Kann man als Otto-Normal-Anleger mit den Börsen-Profis mithalten?

Beate Sander: Eher selten kann man auch als normaler Anleger mit den Renditen der Profis von bis zu 20% im Jahr mithalten. Voraussetzung dafür ist ein langfristiger Anlagehorizont und am besten ein steuerfreier Altbestand, der für solide Renditen sorgt. Gerade im Hinblick auf Kursschwankungen lohnt es sich, auf Dividendentitel zu setzen. Die Großen der Branchen haben aber einen gewissen Vorsprung durch schnellen Datenfluss. Über Director’s-Dealings-Veröffentlichungen kann ich mich daran orientieren, was die „Insider“, also die Manager der Unternehmen, mit ihren Aktien machen. Die reine Information lässt zwar keinen Rückschluss zu, aus welchen Motiven die Aktien ge- oder verkauft werden, aber es ist ein wertvoller Hinweis. Je mehr man weiß und je mehr man sich mit Aktien beschäftigt, desto besser.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Die Börsenkurse legen derzeit ein hohes Tempo vor. Geht die Rallye nun ungebrochen weiter, oder steuern wir auf einen Crash zu?

Beate Sander: Wissenschaftler gehen davon aus, dass es in Zukunft immer wieder Crashs geben wird. Aber diese sind nicht seriös vorhersehbar bezüglich Zeitpunkt, Heftigkeit und Dauer. Kursabstürze werden oft von Katastrophen befeuert, wie etwa die Anschläge auf das World Trade Center in New York. Die Börsenpsychologie tendiert leider zu Übertreibungen. Bei sinkenden Kursen wird oft nur noch das Negative gesehen, im Bullenmarkt das Positive. Während in normalen Zeiten die Psychologie einen Einfluss von 30 bis 40% auf die Kurse hat, sind es bei Überhitzungen 80 bis 90%. Das führt zu irrationalem Handeln.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Derzeit haben die Bullen an der Börse die Oberhand. Droht dem DAX eine Überhitzung?

Beate Sander: Der DAX steht einerseits nahe an seinem Höchststand von über 12.000 Punkten, aber da er als Performance-Index einschließlich der ausgeschütteten Dividenden berechnet wird, ist er gegenüber Kursindizes wie dem Dow Jones noch von einer Übertreibung entfernt. Im Übrigen schneiden der MDAX oder SDAX im 10-Jahres-Vergleich besser als der DAX ab. Die deutschen Indizes sind nicht mehr billig, aber auch nicht extrem teuer, wie 2000, zu Zeiten des Neuen Marktes, als sie völlig überbewertet waren. Die derzeitige Entwicklung der Indizes weist nicht auf einen zwingenden Crash in Kürze hin.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was empfehlen Sie einem Neuling an der Börse?

Beate Sander: Einsteigern mit wenig finanziellen Mitteln rate ich zu einen Sparplan, bei dem man monatlich einzahlt. Ich empfehle als Grundlage ETFs, die schon für wenig Verwaltungsgebühren zu haben sind und komplette Märkte abdecken. Der Anleger muss mündig sein, gespeist aus Wissen, Kompetenz und Selbsthinterfragung. Ich darf nicht alles glauben, aber zugleich auch nicht zu misstrauisch sein. Wichtig für einen Erfolg an der Börse ist, dass man die Chancen nutzt, dich sich einem bieten und nicht jammert oder jault und nach Sündenböcken sucht. Ein umfassendes Wissen ist der Schlüssel zum Erfolg.

***

7f2cb3b25890d2b54757d938439b01efBeate Sander arbeitet als VHS-Dozentin und Beraterin für Börsenwissensfragen, schreibt Börsenbücher, Börsenkommentare und Wirtschaftskolumnen und ist SÜDSEITEN-Redakteurin der Börse München für die fortlaufende Serie „Kapitalanlage Gesundheit“.

„Der Aktien- und Börsenführerschein“ erscheint am 8. Juni 2015 im FinanzBuch Verlag in seiner bereits siebten Auflage und kann hier bestellt werden.

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ISIS will wichtigsten Handelsweg für Öl nach Europa kontrollieren
ISIS will wichtigsten Handelsweg für Öl nach Europa kontrollieren
Der sogenannte Islamische Staat hat ein Video veröffentlicht, in dem er sein strategisches Ziel auf einer Landkarte darstellt. Demnach wollen die islamistischen Söldner die wichtigsten Handelsroute für Erdöl nach Europa kontrollieren. Sollte dies gelingen, wäre ein sicherer Transport von Öl…
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Die obere Karte zeigt die von ISIS beanspruchten Gebiete, in denen Konflikte toben oder noch entstehen sollen. Die untere Grafik der EIA zeigt sieben wichtigsten Knotenpunkte und Wasserwege für den weltweiten Ölhandel. (Grafik: Screenshot und EIA)

Die obere Karte zeigt die von ISIS beanspruchten Gebiete, in denen Konflikte toben oder noch entstehen sollen. Die untere Grafik der EIA zeigt sieben wichtigsten Knotenpunkte und Wasserwege für den weltweiten Ölhandel. (Grafik: Screenshot und EIA)

In einem aktuellen Propaganda-Video von ISIS zum Jubiläum „Two Years Since the Caliphate“ erhebt die Terror-Miliz Anspruch auf sechs geographische Gebiete: auf einen Teil Zentralsyriens und Ost-Syrien, die arabische Halbinsel, den Jemen, den Sinai, Libyen und Algerien. In alle diesen Gebieten will die Terror-Miliz künftig noch aktiver werden, was zwangsläufig zu einer Destabilisierung dieser Regionen führen wird. Wer genau hinter dem IS steckt, ist nicht bekannt. Auffällig an dem Jubiläums-Video ist, dass der angebliche Führer der Bewegung, Abu Bakr al-Baghdadi, keine Rolle spielt. Eigentlich hätte man zum Jubiläum eine Botschaft des angeblichen Kalifen erwartet.

Besonders interessant ist, dass diese Regionen sich an den Knotenpunkten (Nadelöhren) des weltweit wichtigsten Schifffahrtswegs befinden, der wiederum unerlässlich ist für den weltweiten Öltransfer. Der Ölhandel von Ost nach West wird über diese Wasserstraße durchgeführt. Nach Angaben des US-Energiebehörde EIA wird 63 Prozent des weltweiten Öls über Wasserstraßen abgewickelt. Eine Destabilisierung der von ISIS als Angriffsziele ausgewählten Regionen würde zwangsläufig den weltweiten Ölhandel massiv behindern. Der allerwichtigste Knotenpunkt für den weltweiten Öltransfer bildet die Straße von Hormus. Auch die Region an dieser Wasserstraße will die Terror-Miliz destabilisieren.

Weiterhin ist auffällig, dass ISIS es nicht in etwa auf Gesamt-Ägypten, sondern hauptsächlich auf den Sinai und damit den Suez-Kanal als Angriffsziel abgesehen hat. Ägypten ist zwar nicht als Ölexporteur wichtig. Doch der Suezkanal ist nach Angaben des Chefvolkswirts der BHF Bank, Uwe Angenendt, einer der sieben wichtigsten Transportwege des Öls. „Aufgrund des Suezkanals und einer parallel dazu laufenden Pipeline werden täglich gut zwei Millionen Barrel Rohöl vom Roten Meer zum Mittelmeer transportiert“, zitiert der Deutschlandfunk Carsten Fritsch, Rohstoffspezialist der Commerzbank. In diesem Zusammenhang würden die Rohstoffmärkte auch durch Entwicklungen in den Nachbarländern Ägyptens beeinflusst werden, zu denen Libyen zählt. Algerien  – auch ein Angriffsziel von ISIS – hingegen liegt ebenfalls an der weltweit wichtigsten Wasserstraße und ist zudem Ölproduzent.

Insgesamt ist diese Wasserstraße mit ihren Knotenpunkten vor allem wichtig für die Versorgung Europas mit Öl. Sollte der Ölhandel per Schiff von Ost nach West ins Stocken geraten, wären die EU-Staaten darauf angewiesen, US-amerikanischen Öl und Gas von West nach Ost zu importieren. Die USA haben im Mai erstmals Gas nach Europa geliefert. Der Transport erfolgte über den Seeweg. Im Februar hatte die EU-Kommission entschieden, dass US-amerikanisches Gas ungehindert in die EU importiert werden darf. In dieser Woche hat der Deutsche Bundestag die Freigabe für Fracking in Deutschland erteilt.

Vermutlich würde auch Russland von einer solchen Entwicklung in die Lage versetzt, für Europa als Energielieferant die Nummer Eins zu bleiben. Das russische Erdgas macht heute den weitaus größten Teil der Energieversorgung in Europa aus.

Die Nato wird bei ihrem Gipfel im Juli beschließen, den Einsatz im Mittelmeer zu verlängern. Als offizieller Grund wird die Flüchtlingskrise und seit kurzem auch der Waffenschmuggel angegeben. Der IS transportiert offenbar ständig Waffen über das Mittelmeer – wohl auch, um die geografische Verbindung zwischen den Kampfgruppen herzustellen. Die Waffentransporte gehen allerdings in beide Richtungen: In Syrien sind US-Waffen aufgetaucht, die von der CIA nach Libyen gebracht worden waren, um Söldner-Truppen auszurüsten.

Das Video des IS nimmt auch indirekt Bezug auf den Syrien-Krieg: Es trägt den Titel: “Two Years Since the Caliphate – Wilāyat Ḥalab”. Wilāyat Ḥalab bedeutet „Provinz Aleppo“. Die Osmanen hatten Syrien in zwei Provinzen aufgeteilt. Die eine Provinz hieß „Damaskus“ und die andere „Aleppo“. Die Provinz Aleppo ragte bis in die heutigen türkischen Städte Urfa und Maras. Um die Provinz Aleppo tobt aktuell die Entscheidungsschlacht im Syrien-Krieg: Russland und die syrische Armee kämpfen gegen islamistische Söldner. Insgesamt wird in Syrien darum gekämpft, Regionen für Pipelines durch ethnische Säuberungen freizuschlagen. Die Vertreibung von Millionen Menschen ist die Folge. Sie führt zur massiven Fluchtbewegung nach Europa. In der politischen Debatte um die „Fluchtursachen“ findet dieser entscheidende Aspekt kaum Berücksichtigung.

Stratfor, George Friedman, Robert Kagan und andere US-Geopolitiker haben regelmäßig darauf verwiesen, wie klug die Osmanen den Nahen Osten regiert haben und die Gebiete nach religiösen Gesichtspunkten und nach Stämmen aufgeteilt haben. Die Geopolitiker geben mit der Würdigung der Osmanen einen Hinweis, wie eine mögliche Aufspaltung von bestehenden Staaten im Nahen Osten durch Sezessionen zu einer Neu-Ordnung der Region führen könnten.

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Russland verlängert Sanktionen gegen EU, Neuanfang mit Türkei
Russland verlängert Sanktionen gegen EU, Neuanfang mit Türkei
Russland hat seine Sanktionen gegen Agrar-Produkte aus der EU verlängert. Die Sanktionen gegen die Türkei wurden dagegen aufgehoben. Frankreich fordert dringend ein Ende der Sanktionen - hat allerdings erst vor wenigen Tagen für die Verlängerung gestimmt.
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Russlands Präsident Wladimir Putin beim Besuch der Deutschen Schule in Moskau. (Foto: dpa)

Russlands Präsident Wladimir Putin beim Besuch der Deutschen Schule in Moskau. (Foto: dpa)

Der russische Präsident Wladimir Putin hat das Einfuhrverbot für westliche Lebensmittel bis Ende kommenden Jahres verlängert. Es gilt bis zum 31. Dezember 2017 für landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Milchprodukte, Fleisch und fast alle anderen Lebensmittel, wie aus einem am Mittwoch von der Regierung veröffentlichten Dekret hervorgeht.

Russland hatte das Embargo als Reaktion auf die erstmals Mitte 2014 im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt verhängten EU-Sanktionen erlassen. Der Westen wirft Moskau vor, die prorussischen Rebellen im Osten der Ukraine zu unterstützen.

Die EU hatte ihre milliardenschweren Wirtschaftssanktionen gegen Russland vor gut einer Woche um ein halbes Jahr verlängert. Sie richten sich unter anderem gegen Staatsbanken, den Im- und Export von Rüstungsgütern sowie die wichtige russische Öl- und Gasindustrie. Für beide Seiten bedeuten die gegenseitigen Sanktionen Verluste in Milliardenhöhe.

Russland setzt nun offenbar auf andere Handelspartner. Am Mittwoch verkündete Putin, dass sieben Monate nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs durch die türkische Luftwaffe im türkisch-syrischen Grenzgebiet Moskau und Ankara ihr Zerwürfnis weitgehend beigelegt hätten. Die nach dem Abschuss gegen die Türkei verhängten Sanktionen würden daher aufgehoben.

Die französische Regierung will im Ukraine-Konflikt ein möglichst baldiges Ende der EU-Sanktionen gegen Russland. „Sanktionen sind kein Selbstzweck“, sagte Außenminister Jean-Marc Ayrault am Mittwoch in Paris nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow. Die Bedingungen für ein Ende seien aber noch nicht erfüllt, betonte Ayrault. Zunächst müssten alle Vereinbarungen des Minsker Abkommens zwischen Russland, der Ukraine, Deutschland und Frankreich erfüllt werden.

Russland müsse dabei seine Rolle übernehmen, sagte Ayrault. Auch die Ukraine habe ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Lawrow bezeichnete direkte Gespräche zwischen den Konfliktparteien in der Ostukraine als die wichtigste Voraussetzung für einen Fortschritt. Russland unterstützt die Rebellen dort.

Österreich: Flüchtlingspolitik ist „dramatischster Fehler“ der EU
Österreich: Flüchtlingspolitik ist „dramatischster Fehler“ der EU
Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz hält den Zusammenbruch der EU für möglich. Die Flüchtlingspolitik hält er für einen dramatischen Fehler. Man habe zu lange versucht, die Bürger mit Durchhalteparolen ruhigzustellen.
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Österreichs Außenminister Sebastian Kurz, mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini beim Ministerrat in Brüssel. (Foto: dpa)

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz, mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini beim Ministerrat in Brüssel. (Foto: dpa)

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz hat angesichts der Flüchtlingskrise vor einem Auseinanderbrechen Europas gewarnt. Kurz bezeichnete die Flüchtlingspolitik als «dramatischsten Fehler» der EU. Das Thema habe die Menschen emotionalisiert und sei am Ende entscheidend für den Ausgang des Brexit-Referendums gewesen, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Auch in Österreich erwarte man «mehr von Europa», und das Thema Bewältigung der Flüchtlingsströme stehe «für die Bürger ganz oben auf der Agenda». Viele Probleme seien in Europa nicht gelöst und die Bürger mit «Durchhalteparolen ruhiggestellt» worden.

Zugleich verteidigte Kurz die österreichische Haltung in der Flüchtlingsfrage. «Ich würde mir mehr Verständnis in Deutschland für unsere Positionen wünschen, zumal Deutschland mit Kontrollen an der österreichisch-deutschen Grenze kein Problem hat», sagte er. Der Außenminister bekräftigte seine Forderung, Migranten konsequent abzufangen, die über den Seeweg kommen. «Wenn sich jemand illegal auf den Weg nach Europa macht, muss er an der EU-Außengrenze gestoppt werden und am besten in das Transit- oder Herkunftsland zurückgebracht werden. Solange wir das nicht tun, unterstützen wir indirekt die Schlepper, weil sich dann immer mehr auf den Weg machen, und dann werden auch mehr Menschen ertrinken.»

Flüchtlingszahlen auf Balkan-Route steigen erneut an
Flüchtlingszahlen auf Balkan-Route steigen erneut an
Die Flüchtlingszahlen auf der Balkan-Route sollen erneut ansteigen. Das berichtet der UNHCR. In Serbien kommen täglich 300, in Ungarn 186 und in Österreich 111 Flüchtlinge an. In Italien kommen täglich 3.645 Flüchtlinge an.
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Die Flüchtlingszahlen auf der Balkan-Route und in Italien steigen an. (Grafik: UNHCR)

Die Flüchtlingszahlen auf der Balkan-Route und in Italien steigen an. (Grafik: UNHCR)

Nach einer Aufstellung des Flüchtlingswerks UNHCR sollen die Flüchtlingszahlen auf der Balkan-Route erneut angestiegen sein. Derzeit erreichen etwa täglich 300 Flüchtlinge Serbien. 186 Flüchtlinge erreichen täglich Ungarn und 111 Flüchtlinge erreichen täglich Österreich. In Italien ist die Lage dramatischer. Dort kommen täglich 3.645 Flüchtlinge an. Diese reisen über Libyen und das Mittelmeer nach Italien.

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz fordert angesichts der Flüchtlingskrise ein entschiedeneres Vorgehen der EU. Der Außenminister bekräftigte seine Forderung, Migranten konsequent abzufangen, die über den Seeweg kommen. „Wenn sich jemand illegal auf den Weg nach Europa macht, muss er an der EU-Außengrenze gestoppt werden und am besten in das Transit- oder Herkunftsland zurückgebracht werden. Solange wir das nicht tun, unterstützen wir indirekt die Schlepper, weil sich dann immer mehr auf den Weg machen, und dann werden auch mehr Menschen ertrinken.“

Die Regierung in Ungarn war bereits Ende Mai dazu übergegangen,  ihre Grenze zu Serbien zu sichern, da sie einen Anstieg an Flüchtlingen beobachtete.

EU will TTIP-Verhandlungen vorantreiben - mit Großbritannien
EU will TTIP-Verhandlungen vorantreiben - mit Großbritannien
Die EU will das TTIP mit Großbritannien weiter verhandeln. Kommissarin Malmström sieht das Land weiter als Mitglied der EU, weshalb es keinen Grund gäbe, die Verhandlungen in Frage zu stellen. Rechtlich ist diese Position absolut zutreffend.
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Die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und der amerikanische Handelsbeauftragte Mike Froman unterhalten sich am 02.06.2015 im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. (Foto: dpa)

Die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und der amerikanische Handelsbeauftragte Mike Froman unterhalten sich am 02.06.2015 im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. (Foto: dpa)

Die Europäische Union will die Verhandlungen über das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP ungeachtet der Entscheidung Großbritanniens für einen EU-Austritt weiter vorabtreiben. «Wenn wir über TTIP sprechen, reden wir von 28 Ländern der Europäischen Union», sagte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström am Mittwoch in Washington. «Die Briten sind nach wie vor Teil dieser Verhandlungen.»

«TTIP kann und wird den Brexit überleben», sagte Malmström. Natürlich gebe es derzeit Unsicherheiten, das gesamte Gebiet nach der Entscheidung der Briten sei Neuland. «Wir haben noch kein klares Bild, wie sich das alles auswirken wird», sagte sie. «Aber solange wir ein Mandat aller 28 Staaten haben, haben wir ein Mandat.»

«Wir sind zu Optimismus verpflichtet», sagte Malmström. «Wenn wir es nicht bis zum Ablauf unseres Mandats hinbekommen, müssen wir vorher soviel sichern wie möglich», sagte sie. «Mit TTIP können wir unsere Freundschaft auf beiden Seiten des Atlantik vertiefen.»

Die Schwedin hatte am Vortag in Washington US-Chefunterhändler Michael Froman getroffen, um die nächste TTIP-Verhandlungsrunde am 11. Juli in Brüssel vorzubereiten. Sie sagte, dabei werde es insbesondere um Medizinprodukte, Energiethemen und Rohstoffe gehen.

Malmström sagte, sie wolle sehr gerne auch das Thema finanzieller Dienstleistungen im TTIP-Rahmen weiterverhandeln, ungeachtet der unklaren Rolle des weltweit wichtigen Finanzplatzes London.

Schäuble stoppt Banken-Rettung mit Steuergeldern in Italien
Schäuble stoppt Banken-Rettung mit Steuergeldern in Italien
Deutschland hat vorerst eine Bankenrettung in Italien auf Kosten der Steuerzahler verhindert. Bundesfinanzminister Schäuble besteht darauf, dass zuerst die Gläubiger beteiligt werden müssten. Die italienische Zentralbank nimmt die Krise sehr ernst und bereitet sich auf eine größere Operation vor.
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit seinem italienischen Kollegen Pier Carlo Padoan. (Foto: dpa)

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit seinem italienischen Kollegen Pier Carlo Padoan. (Foto: dpa)

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat die geplante Rettung von italienischen Banken durch den Steuerzahler verhindert. Bloomberg berichtet, dass Deutschland klargemacht habe, dass die von der EU beschlossenen Bail-In-Regeln angewandt werden müssten. Bloomberg beruft sich auf deutsche Regierungskreise. Demnach habe die Bundesregierung gefordert, dass zuerst die Gläubiger der Banken an Verlusten beteiligt werden müssten. Danach sei eine Abwicklung auch mit Hilfe von Steuergeldern möglich.

Der unabhängige Finanzexperte Achim Dübel von Finpolconsult, der unter anderem die EU-Kommission in der Banken-Krise beraten hat, analysiert den Vorgang:

„Es kann keine Bankenunion – geplant mit privatem Backup – geben, in der die Investoren in Banken nicht für deren Verluste haften. Auch wegen der schon jetzt weit offenen Vergemeinschaftungskanäle dieser Rettungen über EZB und ESM muss das in einer Währungsunion so erfolgen. Es ist dabei vollkommen egal, wer diese Gläubiger sind.

Zur Befriedigung der Betrogenen und Unerfahrenen haben wir das Zivilrecht und den Verbraucherschutz. Das wird den BMF-Juristen bekannt sein. So ist man auch in Spanien vorgegangen, zumindest teilweise.

In Italien werden nicht nur ungesicherte Bankbonds, die aus ,steuerlichen‘ Gründen massenhaft an Kleinanleger verkauft wurden, gerettet, sondern selbst explizit nachrangige Bankbonds.

Der italienische Schritt würde innerhalb des Euros automatisch zu einer Erhöhung der erwarteten deutschen Staatsschuld führen, wenn nämlich, wie absehbar, Italien sich die dauernden Rettungsaktionen nicht mehr leisten kann.

Ein ,sudden stop‘ – ausgelöst durch eine fehlgeschlagene Auktion von Staatsschulden mit anschließendem Investorenrun, ist bei solchen schubweisen Erhöhungen von Staatsschulden, denen keine oder nur fragwürdige Aktivawerte gegenüberstehen, jederzeit denkbar.

Die Kanäle der Vergemeinschaftung sind offen. Sie erfolgt bereits jetzt über die EZB-Käufe von Staatsanleihen, sodann über verstärkte EZB-Repo-Operationen von in Schwierigkeiten kommenden Banken, und schließlich über den ESM, der sicher im italienischen wie im spanischen und griechischen Fall die Investorenrettung finanzieren würde.

Die Modelle sind der griechische Bankenrettungsfonds und eine ESM-Finanzierung von dessen Verlusten – offiziell 35 Milliarden Euro, davon 25 Milliarden für die vier Großbanken.

Jeweils mit der Fiktion einer Staatshaftung, die nichts anderes ist als ein Verschieben von finanzpolitischen Lasten auf die kommende Generation, die feststellen wird, dass es diese nationale Haftung mangels Masse nicht gibt.

Mit dieser finanzpolitischen Drohkulisse für Deutschland ist es klares Mandat des deutschen BMF, gegen eine derartige Verschiebung von privaten Schulden auf den Staatssektor in Italien vorzugehen.“

Italiens Premier Renzi hat nach der Ablehnung der Rettung bereits einen Rückzieher gemacht: Italien wird seinen Banken nach Angaben von Ministerpräsident Matteo Renzi auch ohne neue Ausnahmen von EU-Regeln helfen können. Er habe auf dem EU-Gipfel keine Änderung der geltenden Vorschriften gefordert, sagte Renzi am Mittwoch nach Ende des EU-Gipfels in Brüssel. Hilfe für die Banken sei auch im bisherigen gesetzlichen Rahmen für die Bankenunion möglich. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, sowohl der Stabilitätspakt als auch die Regeln der Bankenunion böten ausreichende Flexibilität, um bei spezifischen Problemen in einzelnen EU-Ländern reagieren zu können. Es gebe keine Notwendigkeit für neue Regeln. „Wir können ja nicht alle zwei Jahre die Dinge wieder neu machen“, sagte sie.

Renzi hatten nach der Austritts-Entscheidung der Briten bereits am Montag in Berlin auf Probleme italienischer Banken verwiesen. Er kritisierte seine Vorgängerregierungen, weil diese anders als die Regierungen anderer EU-Staaten etwa die Frage der Rekapitalisierung der Banken noch nicht angegangen seien. Eine Sprecherin der EU-Kommission wies in Brüssel darauf hin, dass man sich das italienische Vorgehen genau anschaue. Es stimme, dass die Brexit-Entscheidung einen negativen Effekt auf italienische Banken gehabt habe. Allerdings lasse sich dies auch in anderen Ländern beobachten.

Allerdings stellt sich die italienische Zentralbank offenbar auf eine größere Operation ein: Der Gouverneur der Banca d’Italia, Ignazio Visco, sagte der Zeitung Il Sole 24 Ore, dass die Zentralbank alle Instrumente nützen werde, um die Stabilität des italienischen Banken-Systems zu sichern.

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