Bundesbank sieht mögliche Probleme beim Bargeld-Kreislauf

Die Bundesbank sieht offenbar Probleme bei der technischen Abwicklung des Zahlungsverkehrs mit Bargeld in Europa. Sie erwartet jedoch, dass die Probleme zu keinen größeren Verwerfungen führen - wenn sich alle Marktteilnehmer professionell verhalten. Die EZB kündigt eine Umstellung der Systemtechnik an, die am Wochenende durchgeführt wird. Es soll nur noch wenige Bugs geben.

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Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele hat sich gegen Vorgaben ausgesprochen, wie viel Bargeld Bürger halten dürfen. Ihm zufolge besteht zwar die Möglichkeit, dass Banken die Negativzinsen auf ihre Kunden abwälzen und letztere dann verstärkt in Scheinen und Münzen umschichten. Dies sei derzeit aber nicht zu beobachten. „Restriktionen der Bargeldhaltung lehnt die Bundesbank ab“, sagte Thiele bei einer Veranstaltung in Berlin.

Thiele sieht allerdings mögliche technische Probleme beim baren Zahlungsverkehr: Demnach ist der Bargeldkreislauf durch die verschiedenen Kulturen im Euro-System herausgefordert. Es sei notwendig, neben der Effizienz auch auf die Sicherheit zu achten. Thiele sagte, dass der reibungslose Ablauf nur dann gewährleistet sei, wenn sich alle Marktteilnehmer professionell verhalten.

Offenbar gibt es hinter den Kulissen gewisse Abstimmungsprobleme bei den Bargeld-Kreisläufen.

Thiele sagte wörtlich:

Der Bargeldkreislauf ist jedoch nicht nur durch externe Schocks herausgefordert. Allein die Schaffung des Eurosystems hat unweigerlich zur Vermischung der unterschiedlichen Kulturen und Gebräuche in den nationalen Bargeldkreisläufen geführt. Daneben haben die zunehmende Automation in Form von Cash-Recycling-Geräten und die fortschreitende Übertragung von Transport- und Bearbeitungsaufgaben auf Wertdienstleister zu Veränderungen im baren Zahlungsverkehr beigetragen. Dabei wurde das Ziel eines immer effizienteren Cash-Managements verfolgt.

Dieses Streben nach mehr Effizienz steht gelegentlich im Gegensatz zu dem Ziel vermehrter Qualität und Sicherheit, die ihren Preis hat. Diese Intention wurde zum Beispiel mit der EU-Münzverordnung aus dem Jahr 2010 verfolgt. An dieser wurde jedoch auch Kritik geübt, insbesondere hinsichtlich teilweise praxisferner Vorgaben. Andererseits haben Marktteilnehmer selbst lange Übergangsfristen – die am 31.12.2014 endeten – nicht genutzt, um die aus den Anforderungen resultierenden Schwierigkeiten zu beseitigen.

Die Deutsche Bundesbank wird die Sorgen und Bedenken der Marktakteure an die EU-Kommission adressieren und sich weiterhin für Bedingungen hinsichtlich des privaten Münzrecyclings einsetzen, die in der Praxis leichter umsetzbar sind. Doch allen muss klar sein: falls Anpassungen seitens der Kommission erfolgen sollten, können diese nicht von heute auf morgen beschlossen werden. Dass die Deutsche Bundesbank den Willen des Gesetzgebers umsetzen wird, ist selbstverständlich. In diesem Zusammenhang ist noch auf das Online-Schulungsportal der Deutschen Bundesbank für Münzen und Banknoten zu verweisen. Hiermit bieten wir den Bargeldakteuren ein pragmatisches Instrument an, ihrer Pflicht, nur „geschultes Personal“ einzusetzen, rechtssicher nachzukommen.

Die Deutsche Bundesbank nimmt also ihren Sorgeauftrag für den baren Zahlungsverkehr in Deutschland ernst und unterstützt die anderen Bargeldakteure dabei, ihren Aufgaben nachzukommen. Wenn alle Teilnehmer des Bargeldkreislaufs kontinuierlich bereit sind, sich neu aufkommenden Herausforderungen zu stellen, wird der bare Zahlungsverkehr auch weiterhin zum Wohle aller Wirtschaftssubjekte sicher, effizient und reibungslos funktionieren.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat sich ebenfalls zum Bargeld geäußert und den Deutschen versichert, dass es zu keiner Abschaffung des Bargelds kommen wird. Die „Diskussion um Minuszinsen und die Existenzberechtigung des Bargelds“ gehe „am eigentlichen Problem vorbei“, sagte Weidmann am Montag in Frankfurt zum Auftakt eines Symposiums der Bundesbank laut Redetext. Notwendig seien Strukturreformen, um für Wirtschaftswachstum zu sorgen.

„Wenn also die Wachstumsschwäche den Kern des Problems darstellt, dann gilt es, diese Schwäche zu überwinden, anstatt kühne Akrobatik in der Form zu betreiben, das Bargeld abschaffen zu wollen, damit die Geldpolitik noch expansiver wirken und langfristige Strukturprobleme kurzfristig mit billigem Geld überdecken kann“, sagte Weidmann.

Befürworter einer bargeldlosen Wirtschaft argumentieren unter anderem, eine Abschaffung von Schein und Münze würde die Durchschlagskraft der Geldpolitik erhöhen. Aktuell sind die Zinsen im Euroraum extrem niedrig, teils liegen sie schon im Minusbereich. Rutschen die Zinsen zu tief ins Minus, steigt für Verbraucher und Unternehmen der Anreiz, Geld nicht mehr auf dem Konto zu parken, sondern Bargeld zu horten. Somit würde Bargeld die Möglichkeiten einer Notenbank bremsen, mit Minizinsen und Billiggeld das Wachstum anzuschieben.

„Eine Verdrängung des Bargelds ist aus meiner Sicht auf absehbare Zeit kein realistisches Szenario, unter anderem deshalb nicht, weil sich das Bargeld als Zahlungsmittel bei uns weiterhin großer Beliebtheit erfreut“, sagte Weidmann. Jeder solle so bezahlen können, wie er wolle – also bar oder unbar, betonte Weidmann.

An einer anderen Stelle könnte es am Wochenende  zu Störungen kommen: Die EZB stellt das Target2 Securities (T2S) System auf eine neue technische Plattform um. EZB-Direktor Yves Mersch sagte in einer Rede, dass diese Umstellung die größte in der Geschichte des Euro-Systems sei. Man sei aber gut vorbereitet. Es gäbe nur noch einige wenige, kleinere Bugs, von denen Mersch jedoch nicht erwartet, dass sie das System gefährden könnten.

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