Manipulierte Märkte: Höhere Zinsen für Staatsanleihen sind überfällig

Im Gegensatz zu den Spekulanten sind die Turbulenzen auf dem Bondmarkt ist für die Banken eine positive Entwicklung. Steigende Zinsen würden für Normalität auf dem Markt sorgen, so die Consorsbank. Anleger haben hingegen allein seit April 640 Milliarden Dollar verbrannt.

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Die Unruhen auf dem Anleihenmarkt verunsichert die Spekulanten, für die Banken hingegen ist die Entwicklung positiv: „Wir erleben gerade – trotz der Turbulenzen – eine Normalisierung des Bondmarkts“, so Stefan Maly, Anleihen-Experte bei der Consorsbank, zu den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Einerseits habe das Auswirkungen auf den Rentenmarkt, da die Inflationserwartungen angestiegen sind. „Die große Unbekannte ist Griechenland. Da gibt es ja nur zahlreiche Vermutungen, wie es weitergehen kann. Für die Banken und Versicherer ist der Anstieg der Garantiezinsen eine positive Entwicklung. Für jene, die Investitionen mit einer langen Restlaufzeit am Bondmarkt haben, ist es natürlich unangenehm“, so Maly.

Gerade die Südstaaten geraten unter Druck – ein möglicher Crash auf dem Bondmarkt würde diese Länder am härtesten treffen: „Wir hatten in den vergangenen 20 bis 30 Jahren kontinuierlich sinkende Renditen. Die EZB-Politik soll ja die Inflationsrate steigen lassen. Das beinhaltet auch, dass die Zinsen ansteigen und für eine Normalisierung des Zinsumfelds sorgen. Wir sind weit von einem Crash entfernt. Doch Länder wie Italien, Portugal oder Spanien hätten tatsächlich ein Problem, wenn der Realzins deutlich steigt“, so Maly.

Für die EZB, die seit März Staatsanleihen im großen Stil aufkauft – und vom EuGH kürzlich die Bestätigung für diese Vorgehen erhielt – sind die Kursschwankungen ein eher vernachlässigbares Problem: „In erster Linie sind das jetzt Buchverluste für die EZB, die aber zum Gutteil miteinkalkuliert wurden. Mit Ende der Laufzeit wird die EZB wohl keine großen Verluste hinnehmen müssen, weil das durch die Zinszahlungen gedeckt sein wird. Für jene Anleihen, die mit einer negativen Rendite gekauft wurden, wird es eine Verlustposition geben. Aber dies sind nur Nebeneffekte und langfristig keine Katastrophe.“

Doch zahlreiche Spekulanten haben bereits Riesensummen auf dem Anleihenmarkt verbrannt: Allein seit April 640 Millionen Dollar. Hedgefonds hingegen fahren die Gewinne ein: „Bill Gross twitterte Ende April, dass deutsche Bundesanleihen der Leerverkauf eines Lebens seien. Hedgefonds haben sehr große Gewinne gemacht, allerdings nicht eins zu eins. Denn es gibt natürlich auch eine Menge Buchgewinne“, so Maly.

Doch auch die Vermögensverwalter verwerfen aufgrund der Kurschwankungen ihr bisheriges Vorgehen. BlackRock, der größte Vermögensverwalter, warnt auch vor den deutschen Bunds, die eine Ewigkeit als besonders sicher galten: „Der Markt für deutsche Bundesanleihen ist unkalkulierbar volatil“, so Scott Thiel, stellvertretender Investmentchef Festverzinsliche Fundamental bei BlackRock in London. „Es macht keinen Sinn, sie unter traditionellen Aspekten zu bewerten. Die Citigroup Inc. hält die Risiken bei europäischen Staatsanleihen jetzt für höher als zur Zeit des Zusammenbruchs der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008.

 

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