Rocket Internet: Burn-Rate von 700 Millionen Euro im Jahr 2015

Die Startup-Schmiede Rocket verfügt derzeit über 1,3 Milliarden Euro flüssige Mittel. Das sind 700 Millionen weniger als zu Jahresbeginn. Das sagte Finanzchef Peter Kimpel bei dem Rocket-Aktionärstreffen am Dienstag. Deshalb holte sich Rocket-Finanzchef Peter Kimpel am Dienstag die Erlaubnis der Aktionäre für weitere milliardenschwere Kapitalerhöhungen und festverzinsliche Anleihen.

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Vor dem Börsengang seiner Startup-Schmiede Rocket Internet im Herbst war er oft mit markigen Sprüchen aufgefallen. Auf der ersten Hauptversammlung des von ihm mit gegründeten Unternehmens übte sich Oliver Samwer am Dienstag in Bescheidenheit. „Wir wollen so wenig verlieren wie möglich“, versprach Samwer den gut 50 anwesenden Aktionären in Berlin. Geld verdienen seine Anteilseigner bislang mit der Geschäftsidee von Rocket Internet nicht: dem Aufbau von Startups nach dem Baukastenprinzip. Doch der 42-jährige glaubt fest an seine Idee. Das Wachstum im Internet lasse auch nach 20 Jahren nicht nach: „Das ist erst der Anfang.“

Deshalb braucht Rocket frisches Kapital. Derzeit habe Rocket noch 1,3 Milliarden Euro flüssige Mittel auf der hohen Kante, 700 Millionen weniger als zu Jahresbeginn, sagte Finanzchef Peter Kimpel bei dem Aktionärstreffen in einer Ladenpassage in der Nähe des Berliner Bahnhofs Zoo. Rocket benötigt ständig frisches Geld für Neugründungen und zur Finanzierung des Wachstums der Startups, die alle noch rote Zahlen schreiben. Von den Aktionären holte sich das Unternehmen deshalb die Erlaubnis für weitere milliardenschwere Kapitalerhöhungen und Wandelanleihen.

Seit dem Börsendebüt von Rocket im Oktober stieg der Wert der Unternehmensbeteiligungen nach Angaben von Kimpel um 2,2 Milliarden auf 4,8 Milliarden Euro. Im Mai waren es noch 4,6 Milliarden Euro gewesen. Grund zu feiern sieht Samwer deswegen noch nicht. Erst müssten schwarze Zahlen her. Auf eine Dividende müssen Rockets Aktionäre verzichten. Geld will das Unternehmen nur für Startups ausgeben.

Samwer hatte sich vor Jahren als „aggressivster Mann des Internets“ bezeichnet und markige Sprüche wie „Ich bin süchtig nach schnellem Wachstum, Formel 1 und nicht Golf“ geliefert. Rocket verglich er in der Vergangenheit lieber mit Weltmarken wie Amazon als mit anderen deutschen Unternehmen.

Konkret bat Rocket die Aktionäre um einen Vorratsbeschluss, mit dem das Grundkapital in einem oder mehreren Schritten um 41 Prozent aufgestockt werden könnte. Damit könnte Rocket zum derzeitigen Aktienkurs rund 2,5 Milliarden Euro einsammeln. Darüber hinaus stimmten die Anteilseigner auch der möglichen Ausgabe von Wandelanleihen über bis zu zwei Milliarden Euro mit einer Mehrheit von 89 Prozent zu. Die Erlaubnis gilt bis 2020. Das bisherige genehmigte Kapital hatte Rocket schon kurz nach dem 1,4 Milliarden Euro schweren Börsengang zum Teil aufgebraucht: Im Februar sammelte der Wagniskapitalfinanzierer knapp 590 Millionen Euro bei Investoren ein.

An der Börse kamen die Pläne nicht gut an. Die Rocket-Aktie gab vier Prozent auf 37 Euro nach und blieb damit unter dem Ausgabekurs von 42,50 Euro. Malte Diesselhorst von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) stellte sich aber hinter Samwers Strategie. Die Aktionäre hätten Rocket einen Vertrauensvorschuss gegeben. Jeder, der die Papiere gekauft habe, müsse sich der Risiken bewusst sein.

Auf die Kritik von Aktionären, dass die frühere Tochter Zalando Rocket den Rang ablaufe, reagierte Samwer gelassen: Jedes Geschäftsmodell benötige seine Zeit. Die Aktie des mittlerweile profitablen Online-Modehändlers Zalando ist im Mittelwerteindex MDax notiert. Von den von Rocket betreuten Startup-Firmen gelten der Essenslieferdienst Delivery Hero und die beiden Online-Möbelhändler Westwing und Home24 als wahrscheinlichste nächste Kandidaten für einen Börsengang. Rocket ist nach eigenen Angaben in 110 Ländern aktiv. Nur 17,3 Prozent der Aktien sind frei handelbar, der Rest liegt in den Händen von festen Investoren.

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