Krisensitzung der Regierung in Athen: Banken-Panik befürchtet

Die griechische Regierung trifft sich in Kürze zu einer Krisensitzung: Die Banken sollen für mindestens eine Woche geschlossen bleiben. Die Notfall-Kredite reichen nicht für eine Banken-Panik. Jetzt sind die Spareinlagen in Gefahr. Auch die Börse in Athen dürfte am Montag nicht öffnen.

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Nach dem Scheitern der Griechenland-Gespräche bleiben die Banken des Landes am Montag geschlossen. Das sagte der Chef der einheimischen Piraeus Bank, Anthimos Thomopoulos, am Sonntagabend nach einer Krisensitzung mit Regierungsvertretern. Die Banken sollen laut Kathimerini mindestens bis zum 6. Juli geschlossen bleiben, also einen Tag nach dem Referendum. In Finanzkreisen hieß es zudem, auch die Börse in Athen werde zum Wochenauftakt nicht öffnen. Bei der Zentralbank hieß es, die beschlossenen Maßnahmen sollten nach einer Sitzung des Regierungskabinetts bekannt gegeben werden.

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hatte schon zuvor der BBC gesagt, sein Land erwäge Kapitalverkehrskontrollen und auch die Banken könnten am Montag geschlossen bleiben. Man werde darüber mit den Behörden in Griechenland und der Europäischen Zentralbank (EZB) beraten. Er hatte die Aussage allerdings kurz danach wieder dementiert.

Den Finanzmärkten steht nach dem Abbruch der Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Geldgebern eine intensive Handelswoche bevor.

Die griechische Regierung trifft sich in wenigen Minuten zu einer Krisensitzung in Athen. Angeblich hat die Europäische Zentralbank der Regierung empfohlen, die Banken am Montag nicht wieder zu öffnen. Es droht eine veritable Bankenpanik. In diesem Falle würde die Not-Liquidität nicht ausreichen, um die Wünsche der Kunden zu befriedigen. Das berichtet der Nachrichtendienst Bloomberg, der in solchen Themen in der Regel gut informiert ist. Die EZB hatte am Nachmittag zugesagt, die ELA-Notkredite offenzuhalten, die Deckelung jedoch nicht erhöht. Allerdings behält sich die EZB vor, im Notfalle schnell zu intervenieren.

Im Falle einer Bankenschließung wären die Sparguthaben der griechischen Bankkunden in Gefahr. Man kann dafür das Beispiel von Zypern heranziehen: Hier wurden während der Krise im Jahr 2012 die Banken ebenfalls über Nacht geschlossen und blieben etwa eine Woche geschlossen. Danach kam es zu einem so genannten Bail-In.

Die zypriotische Botschaft erklärte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten den Vorgang, der sich in vergleichbarer Weise nun in Griechenland wiederholen könnte:

Die Geschäfte der Cyprus Popular Bank (CPB) wurden in die Bank of Cyprus (BOC) überführt, nachdem Maßnahmen in Übereinstimmung mit Beschlüssen der Eurogruppe vom 25. März 2013 umgesetzt wurden. Demzufolge sind alle Vermögenswerte der CPB (mit Ausnahme von Investitionen in ausländische Tochterfirmen) sowie alle Kunden-Einlagen bis zum versicherten Betrag von 100.000€ (oder dem Äquivalent in ausländischer Währung) an die BOC übertragen worden. Darüber hinaus wurde die BOC durch vollumfängliche Beiträge ihrer Anteilseigner und 47,5% der Spareinlagen über 100.000€ rekapitalisiert.

 Spareinlagen bis zum versicherten Wert von 100.000€ waren von den Maßnahmen in der CPB und BOC überhaupt nicht betroffen. Es wird geschätzt, dass nur 4% der Bankkunden über nicht-versicherte Spareinlagen über 100.000€ verfügten und die dadurch von den Maßnahmen betroffen waren.

Sparguthaben bis 100.000 Euro sind demnach geschützt. Dies ist auch durch die europäische Banken Union mittlerweile gewährleistet. Demnach könnten auf die Euro-Retter verschiedenen Berechnungen zufolge noch einmal etwa 40 Milliarden Euro zukommen, wenn nämlich die griechischen Banken nicht in der Lage sein sollten, die Einlagensicherung vollständig selbst zu bezahlen. Tatsächlich gehen Beobachter davon aus, dass Griechenland allein die Spareinlagen der Kleinsparer nicht sichern kann.

Die europäische Einlagensicherung sieht vor, dass die Sparguthaben innerhalb von 20 Tagen ausbezahlt werden müssen. Es gibt gewisse rechtliche Unsicherheiten, ob die Einlagensicherung wirklich schon greift. Allgemein wird jedoch erwartet, dass die Euro-Zone die griechischen Kleinsparer keinesfalls hängenlassen kann. Wenn die Kleinsparer nämlich ihre Sparguthaben verlieren, würde das Vertrauen in das gesamte europäische Banken-System erschüttert.

Im Fall Zypern wurden alle Kleinsparer gerettet. Nur etwa vier Prozent der Gläubiger waren nach Angaben der zypriotischen Zentralbank von dem Bail-In betroffen.


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