Europa in der Krise: China im Vormarsch

China will die Euro-Krise nützen, um bei europäischen Unternehmen einzusteigen. Zugleich lockt die am Montag in Peking gegründete Entwicklungsbank AIIB Investoren aus aller Welt. China sieht gute Chancen, zu echten globalen Player zu werden.

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Bei einer Zeremonie in der Großen Halle des Volkes in Peking ist am Montag die Gründungsakte für den Aufbau der Asiatischen Infrastruktur Investmentbank (AIIB) unterzeichnet worden. An dem Finanzorgan unter chinesischer Führung beteiligen sich 57 Staaten. Nach China, Indien und Russland ist Deutschland mit einem Anteil von 4,1 Prozent der viertgrößte Geldgeber und das wichtigste Mitgliedsland, das nicht aus Asien stammt. Die neue Bank soll dem großen Finanzierungsbedarf an Infrastrukturprojekten in Asien nachkommen. Die USA und Japan beteiligen sich nicht an der Bank, die Kritiker als Konkurrenz unter anderem zur Weltbank ansehen.

Chinas Regierung bietet Europa Hilfe bei der Lösung der Griechenland-Krise an. Europa könne auf Unterstützung bei den „Herausforderungen der internationalen Finanzkrise und dem Schuldenproblem in Griechenland“ rechnen, sagte Ministerpräsident Li Keqiang in einem Interview mit europäischen Zeitungen. Konkret äußerte sich Li nicht, sagte aber: „Ich habe mehr als einmal betont, dass China ein florierendes Europa sehen will, eine vereinte Europäische Union und einen starken Euro, weil das im Interesse Chinas ist.“ Die Zusammenarbeit zwischen China und der EU solle vertieft werden.

China ist vor allem interessiert, bei europäischen Unternehmen einzusteigen. Das Land hat seine Aktivitäten in dieser Richtung deutlich verstärkt und hat schon zahlreiche europäische Unternehmen übernommen. Das besondere Interesse gilt Infrastruktur-Unternehmen in den Bereichen Energie, Transport und Wasser. Der chinesische Staatsfonds CIC baggert an mehreren großen Unternehmen, unter anderem auch in Deutschland.

Die chinesische Wirtschaft sieht Li bei ihrem Umbau auf gutem Kurs. „Insgesamt bewegt sich die Wirtschaft in einem angemessenen Rahmen.“ Die Regierung in Peking sei zuversichtlich, dass die Wirtschaft unter bestimmten Umständen ihr langfristiges Wachstum halten könne. Dazu gehörten Strukturreformen, eine moderne Verwaltung und eine Öffnung des Landes. „Wir werden keine starken stimulierenden Schritte durchsetzen.“ Treibende Kraft für die Konjunktur werde die inländische Nachfrage sein.

Peking trimmt die Wirtschaft auf Nachhaltigkeit und nimmt dafür weniger Wachstum in Kauf. Angestrebt wird in diesem Jahr ein Plus von sieben Prozent. Bereits 2014 hatte es nur noch zu 7,4 Prozent gereicht: Das ist viel für europäische Verhältnisse, in China aber der kleinste Zuwachs seit rund 25 Jahren.

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