Ungleichheit der Einkommen ist der soziale Skandal in Griechenland

Die Krise hat in Griechenland lange vor den ersten Rettungs-Krediten der Euro-Zone begonnen. Das Hauptproblem: Durch die Kreditorgie wurde die Ungleichheit noch vergrößert. Dies wird sich nach der Krise ändern müssen.

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In der öffentlichen Diskussion in Deutschland findet man immer wieder die Behauptung, erst die Hilfsprogramme für Griechenland hätten das Land ins Unglück gestürzt. Dafür wird ein Popanz aufgebaut, indem mit dem Jahr 2010, als die Hilfsprogramme einsetzten, verglichen wird. Doch dieser Ausgangswert war durch den kreditfinanzierten und unhaltbaren Boom dramatisch überhöht und verzerrt damit jeden Vergleich. Ein realistischeres Bild ergibt sich erst, wenn man mit den Daten des Jahres 2000 vergleicht, also unmittelbar vor Eintritt des Landes in die Eurozone und vor dem Beginn des dann sofort einsetzenden weitestgehend kreditfinanzierten Strohfeuers, aus dem sich keine nachhaltige Entwicklung ergeben konnte.

In einer einzigen Grafik zeigt sich, wie sehr die privaten griechischen Haushalte über ihre Verhältnisse gelebt haben (Abb. 18861).

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Sie steigerten ihren Verbrauch bis zum Ausbruch der Krise im 1. Quartal 2009 um nicht weniger als 37 %, während die Eurozone insgesamt nur um 10 % zulegte, also fast viermal stärker. Dann begann der Absturz bis zum 3. Quartal 2013 etwa auf den Ausgangswert vor Eurobeitritt zurück, gefolgt von einer leichten Erholung um 3 % bis zum 1. Quartal 2015. Seitdem dürfte sich der Abschwung des privaten Verbrauchs unter dem Eindruck der schwierigen innenpolitischen Lage mit starker Kapitalflucht und Zurückhaltung von Steuern wieder fortgesetzt haben.

Mehr braucht man eigentlich nicht zu wissen, um die griechische Tragödie zu verstehen. Die Konsumblase platzte unvermeidbar in dem Augenblick, als die Finanzmärkte die Finanzierung der ständig wachsenden Defizite vor dem Hintergrund der globalen Kreditkrise verweigerten. Das Ergebnis war der tiefe Einbruch der Binnennachfrage und zugleich eine Schieflage der griechischen Banken, durch die die Gelder an die griechischen Haushalte geflossen waren. Beides wiederum trieb die Arbeitslosigkeit immer höher. Wer da nur mit 2010 vergleicht und dann noch die Entwicklung danach allein den Hilfsprogrammen in die Schuhe schieben möchte, täuscht absichtsvoll über die Gesamtsituation und ihre wirklichen Ursachen hinweg. Er verschweigt ebenso, dass sich die Nachfrage privater Haushalte noch vor Antritt der Tsipras-Regierung bereits gefangen und begonnen hatte, sich leicht zu erholen.

Auch ein Vergleich mit dem anderen in vielerlei Hinsicht vergleichbaren Krisenland Portugal zeigt, wie extrem der private Pro-Kopf-Verbrauch in Griechenland hochgefahren wurde. Verglichen mit dem Durchschnitt der Eurozone stieg der in Griechenland auf 94 %, dagegen in Portugal nur auf 70 %. Beide Länder haben nun wieder etwa denselben Abstand zum Durchschnitt der Eurozone, den sie im Jahr 2000 hatten (Abb. 18862).

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Wenn man den Hergang der Krise nicht verstehen will, verbaut man sich den Blick auf Lösungen. Griechenland kann einfach nicht durch weitere Gelder der Eurozone auf das Niveau an privatem Verbrauch zurück gebracht werden, das das Land Dank der Kreditblase im Jahr 2008 erreicht hatte. Wie Portugal wird es lernen müssen, wieder auf einem Konsumniveau erheblich unter dem Durchschnitt der Eurozone zu leben. Um das sozialverträglich zu ermöglichen, wird Griechenland das extreme Maß an Einkommensungleichheit – das höchste in der Eurozone – drastisch abbauen müssen, wozu bisher wenig geschehen ist. Außerdem müssten die griechischen Auslandsschulden gegenüber den Europartnern und dem Eurosystem ziemlich total abgeschrieben werden. Sollte die griechische Bevölkerung nicht bereit sein, eine solche und dann ziemlich dauerhafte Absenkung des Konsumniveaus zu akzeptieren, wird Griechenland nicht im Euro zu halten sein.

 

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