Medienunternehmer Hahn will Formel 1 übernehmen

Der Münchner Medienunternehmer Dieter Hahn will gemeinsam mit dem Emirat Katar und US-Investor Stephen Ross die Formel 1 übernehmen. Hahn soll sich um die Fernsehvermarktung kümmern. Aktueller Inhaber der Formel 1 ist der Finanzinvestor CVC.

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Was sich der Münchner Medienunternehmer Dieter Hahn in den Kopf gesetzt hat, gibt er so schnell nicht auf. Zwölf Jahre lang attackierte er für seinen damaligen Chef Leo Kirch und dessen Erben die Deutsche Bank und rang ihr schließlich einen 925 Millionen Euro schweren Vergleich ab. Kirch, der 2011 starb, hatte der Bank die Schuld an der Pleite seines Medienimperiums gegeben. Seit der Beilegung des Rechtsstreits im vergangenen Jahr hat Hahn, Hauptaktionär und Aufsichtsratschef des Film-, Fernseh- und Sportrechte-Konzerns Constantin Medien, mehr Zeit und Geld fürs Operative. Sein jüngstes Ziel: die Formel 1 Formula One.

Der 54-Jährige hat sich mit dem arabischen Emirat Katar und dem US-Investor Stephen Ross verbündet, die bei der Motorsportserie einsteigen wollen, wie Reuters im Juni von eingeweihten Personen erfahren hatte. Hahn solle sich um die Fernsehvermarktung des Rennspektakels kümmern. Schon seit Langem vermarktet die Constantin-Tochter Highlight Communications die Champions-League-Rechte, auch an der Bundesliga hat Hahn bereits Interesse angemeldet. Seinem Mentor Kirch sicherte er die Fußball-WM-Rechte für 2002 und 2006. Zu den Formel-1-Plänen äußert er sich nicht.

Den Insidern zufolge buhlen die Partner um den Formel-1-Anteil des Finanzinvestors CVC. Der versuchte in den vergangenen Jahren zweimal vergeblich, den Rennzirkus an die Börse zu bringen. Komme nun ein ein Verkauf zustande, könne das Paket von gut 35 Prozent mit sieben bis acht Milliarden Dollar bewertet werden, sagte eine mit dem Deal vertraute Person.

Doch CVC zeigt sich unbeeindruckt von diesen Beträgen. Man sei nicht mehr unter Zugzwang, sagte Co-Chef Donald Mackenzie an diesem Wochenende zu Reuters. Die Fonds von CVC hätten eine Laufzeit von zwölf Jahren, innerhalb derer das ursprünglich investierte Geld zurückgezahlt werden müsse. „Das haben wir bereits getan. Der Druck ist also weg“, erklärte der Manager. CVC hat bereits einen Teil seiner ursprünglich 63 Prozent an andere Investoren versilbert. Die Formel 1 sei ein gutes Geschäft, sagte Mackenzie. „Wir fühlen uns wohl damit, wir wollen nicht verkaufen.“

Allerdings gelten Deals in der Branche gemeinhin als Frage der Konditionen. Hahn hat bei der Formel 1 schon einmal seinen Willen durchgesetzt. Vor knapp 15 Jahren fädelte der Manager den Einstieg der Kirch-Gruppe bei der Motorsportserie ein – gegen den erbitterten Widerstand von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone. Hahn nutzte damals die Krise des skandalumwitterten Medienunternehmens EM.TV, um von ihm ein Formel-1-Paket zu übernehmen. Wenig später geriet Kirchs Imperium selbst ins Wanken, die BayernLB bekam die Formel-1-Beteiligung für einen ausgefallenen Kredit und verkaufte sie schließlich vor knapp zehn Jahren an CVC.

Weil es bei dem letzten Besitzerwechsel nicht mit rechten Dingen zuging, hat Hahn noch eine Rechnung mit dem 84-jährigen Ecclestone offen, ohne den bei der Formel 1 nichts läuft. Aus Hahns Sicht wurde der Anteil auf Betreiben des Briten unter Wert verkauft. Hahn beruft sich auf eine alte Forderung des EM.TV-Konzerns, der mittlerweile Constantin Medien heißt und von ihm selbst kontrolliert wird. Der Hintergrund: Als EM.TV sich von der Formel 1 trennte, ließ sich das Unternehmen einen Nachschlag für den Fall zusichern, dass ein bestimmter Preis erzielt würde.

„Der Verkauf war ein Witz, sowohl hinsichtlich des gezahlten Preises wie auch des ganzen Verkaufsprozesses“, sagte der öffentlichkeitsscheue Unternehmer Hahn im vergangenen Jahr dem Handelsblatt. CVC zahlte der BayernLB mehr als 800 Millionen Dollar für ihren knapp 50-prozentigen Anteil. Während der verantwortliche BayernLB-Manager Gerhard Gribkowsky wegen Mauscheleien mit Ecclestone ins Gefängnis musste, wurde ein Strafprozess gegen den Formel-1-Chef allerdings mangels Beweisen eingestellt. Auch eine Schadenersatzklage, die Constantin in London anstrengte, prallte an Ecclestone ab. „Die Constantin Medien AG wird ihre Ansprüche jedoch weiter verfolgen und prüft die hierfür notwendigen Schritte“, bekräftigte das Unternehmen im Mai in seinem Quartalsbericht.

Das persönliche Verhältnis zwischen Hahn und Ecclestone sei von dem Zwist nicht getrübt, sagen Personen, die beide kennen. Während Hahn darüber öffentlich schweigt, beteuert Ecclestone, er habe nichts gegen seinen alten Widersacher. „Er hat die Sache verloren, warum sollte ich ihm böse sein?“, sagte der Formel-1-Chef am Wochenende am Rande des britschen Grand Prix zu Reuters. „Wenn er jetzt hier wäre, würden wir wahrscheinlich zusammen essen gehen.“

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