Die Rache der Überwachten: Späh-Software-Anbieter gehackt

Das „Hacking-Team“ verkauft Überwachungssoftware an Geheimdienste und Regimes. Jetzt wurde das italienische Unternehmen selbst gehackt: Die Überwachten schlagen zurück und veröffentlichen Details aus dem Alltagsgeschäft der Überwacher, wie etwa Passwörter oder Pornokonsum.

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Hacking-Team beschreibt seine legalen Überwachungs-Produkte als „offensive Technologie“ und liefert Spähsoftware auch an Regime in Marokko und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Kasachstan. Seins Fernsteuerungs-Programm „Remote Control System“ ist in der Lage, die Verschlüsselung von E-Mails, Dateien und Chat-Protokollen zu knacken und so infizierte Computer auszuspähen. Reporter ohne Grenzen zählt sie daher in ihrer Liste zu den „Feinden des Internets“.

Am Montag wurde die Firma nun selbst gehackt, dabei erbeuteten Unbekannte über 400 Gigabyte an Informationen, Emails, Dokumente und Quellcodes die sie nun nach und nach veröffentlichen, unter anderem mit viel Häme auf dem ebenfalls gehackten Twitter-Account des Unternehmens. Auch Passwörter und Surfverhalten der Überwachungs-Mitarbeiter etwa der Pornokonsum wird nun genauso bloßgestellt, wie die privaten Daten der ausgespähten Kunden. So benutzen auch die angeblichen Superhacker das häufigste Passwort der Welt: „Passwort“. Die Firma nutzte den Dokumenten zufolge eine bis dahin unbekannte Sicherheitslücke im Flash-Player, die von Adobe als Reaktion auf die Enthüllungen geschlossen wurde.

Die Dokumente zeigen, dass etwa das FBI seit 2011 über 700000 Euro an die Italiener bezahlte für das RCS-Programm,  mit dem Smartphones und Computer beliebig ausgespäht werden können und das unter anderem bereits nachweislich von Äthiopien aus gegen US-Journalisten eingesetzt wurde. Das Mailänder Hacking Team soll damit auch gegen Handelsembargos etwa gegen den Sudan verstoßen haben. Die Warnung vor den Programmen werten viele als Eingeständnis, dass die veröffentlichten Informationen echt sind. Die Webseite ist derzeit offline.

Noch hat sich niemand offiziell zu dem Hack bekannt, allerdings wird aus den hämischen Tweets  deutlich, dass es sich um eine gezielte“Anti-Überwachungs-Aktion“ von Netzaktivisten handelt. Mit der zunehmenden Überwachung entwickeln Bürger neue Methoden des Widerstands, um der staatlichen Kontrolle zu entkommen: Von der Verschlüsselung des gesamten Netzes über Schminke gegen Gesichtserkennung oder Apps zur Korruptionskontrolle: Im Internet formiert sich für jede neue Überwachungsmethode eine Gegenbewegung.

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