Konsumenten sorgen für stabiles Wachstum in China

Die chinesische Wirtschaft befindet sich Dank der steigenden Kauflaune der Chinesen nach wie vor auf Wachstumskurs. Der im Juni begonnene Börsencrash könnte aber in der zweiten Jahreshälfte sichtbare Bremsspuren hinterlassen, warnen Experten.

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Die chinesische Wirtschaft wächst ungeachtet schwerer Börsenturbulenzen in stabilem Tempo. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni um 7,0 Prozent zum Vorjahreszeitraum zu – genauso stark wie im ersten Quartal und etwas schneller als von Ökonomen erwartet. Das sei vor allem der steigenden Kauflaune der Konsumenten zu verdanken, erklärte das Statistikamt am Mittwoch in Peking. Der im Juni begonnene Börsencrash könnte aber in der zweiten Jahreshälfte sichtbare Bremsspuren hinterlassen, warnten Experten.

„Wir müssen feststellen, dass sowohl die inneren als auch die äußeren Konjunkturbedingungen kompliziert bleiben“, sagte ein Sprecher des Statistikamtes. Der Absturz an den Börsen vernichtete zeitweise fast vier Billionen Dollar Marktwert und trifft viele Verbraucher. Denn diese haben sich angesichts der lange währenden Goldgräberstimmung am Aktienmarkt mit stetig steigenden Kursen mehr leisten können. Der private Konsum steuerte deshalb im ersten Halbjahr 60 Prozent zum Wachstum bei, nachdem es 2014 noch 51,2 Prozent waren. „Mit der anhaltenden Katerstimmung am Aktienmarkt ist mit einem Dämpfer im dritten Quartal zu rechnen“, sagte NordLB-Analyst Frederik Kunze. Viele Kleinanleger haben durch den Absturz der Kurse viel Geld verloren.

Auch die deutschen Exporteure verfolgen die Situation mit Sorge. „Das ist beunruhigend“, sagte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner. „Die Hoffnung ist, dass die chinesische Regierung das in den Griff bekommt.“ Der weltgrößte Automarkt China wächst nach einer Prognose des dortigen Branchenverbandes in diesem Jahr auch wegen der Börsenturbulenzen nicht einmal halb so stark wie bislang angenommen. Audi musste in seinem weltweit größten Einzelmarkt bereits im Juni ein Absatzminus von fast sechs Prozent hinnehmen.

China macht die schwache Weltkonjunktur zu schaffen. Das globale Wachstum sei „uneben und langsam“, sagte der Sprecher des Statistikamtes. Der Exportweltmeister hängt stark von der Nachfrage aus dem Ausland ab. Diese ist aber derzeit vor allem in großen Schwellenländern wie Brasilien und Russland nicht besonders ausgeprägt. Und auch Europa schwächelt. Die Regierung in Peking strebt für das Gesamtjahr 2015 ein Wirtschaftswachstum von sieben Prozent an – es wäre das niedrigste seit einem Vierteljahrhundert. Um die Konjunktur anzuschieben, senkte die Zentralbank zuletzt mehrfach ihren Leitzins.

An den Börsen in Shanghai und Shenzhen fielen die Leitindizes zur Wochenmitte um jeweils mehr als drei Prozent. Investoren interessierten sich derzeit eher für Maßnahmen der Politik zur Stabilisierung der Finanzmärkte, sagte Analyst Zhang Qi vom Vermögensverwalter Haitong Securities. „Die Verbindungen zwischen Konjunkturdaten und dem Markt haben sich etwas gelockert.“ Zudem zweifeln einige Experten an der offiziellen Statistik. „Die Wachstumsrate dürfte mit einiger Sicherheit um ein oder zwei Zehntel niedriger sein als offiziell ausgewiesen“, sagte Ökonom Julian Evans-Pritchard vom Analysehaus Capital Economics in Singapur.

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