Tupper-Party: Schwellenländern sollen Tupperware aus der Krise holen

Das klassische Vertreter-Geschäft hat durch Amazon & Co. kräftige Konkurrenz bekommen. Als Folge müssen Firmen wie etwa Tupperware, deren Verkausstrategie auf solche persönlichen Vertreter setzt, an Gewinnen einbüßen. Nun aber sollen die Schwellenländer das Tief in etablierten Märkten ausgleichen.

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Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer ist in Rente, an den letzten Wurzelbürstenverkäufer vor der Haustüre können wir uns nicht mehr erinnern und die letzte Weinverkostung im Wohnzimmer à la Loriot muss ebenfalls schon eine ganze Weile zurückliegen. Der klassische Vertreter gerät in Zeiten von Amazon & Co. ebenso unter Druck wie Direktvertriebe, die ihre Produkte in Verkaufspartys an den Mann oder die Frau bringen möchten. So ist etwa der Kurs von Avon, einer schicken Nifty-fifty-Aktie der siebziger Jahre, zuletzt kollabiert.

Im Vergleich dazu kamen Anteilseigner von Tupperware mit einem Minus von „nur“ 40% seit dem Allzeithoch 2013 mit einem blauen Auge davon. Alleine am vergangenen Mittwoch rutschte der Kurs aber um 8% ab, nachdem der Hersteller von Lebensmittelbehältern durchwachsene Q2-Zahlen gemeldet hatte. In den Industrieländern lagen die Umsätze unter ihren Vorjahresniveaus. Besser lief es in den Emerging Markets (v. a. Argentinien, Brasilien und China), die für 67% der Erlöse stehen.

Der Tupperware Aktienkurs in US-Dollar. (Grafik: Platow, Quelle: Thomson Reuters Datastream)

Der Tupperware Aktienkurs in US-Dollar. (Grafik: Platow, Quelle: Thomson Reuters Datastream)

Offenbar ist die klassische Tupperparty, auf der Verkäufer Freunden im trauten Heim die neuesten Tupperdosen vorführen, in den aufstrebenden Ländern nach wie vor angesagt. Für das Gesamtjahr setzt das Management seine Hoffnungen ebenfalls auf die Schwellenländer, die den schrumpfenden nordamerikanischen Markt ausgleichen sollen. Der Analystenkonsens (Thomson) ist weniger optimistisch und erwartet einen Umsatzrückgang von rund 10%, der allerdings auch Wechselkursentwicklungen geschuldet ist. Mit dem Ziel des Vorstands, 2016 wieder auf Expansionskurs („6 bis 8%“) zu gehen, können sich die Experten dagegen anfreunden. Das EPS soll dann auf knapp 5 US-Dollar steigen, was der Aktie (57,63 US-Dollar; US8998961044) ein 2016er- KGV von 11,5 beschert. Diese niedrige Bewertung spiegelt die Skepsis der Anleger ebenso wider wie die hohe Dividendenrendite von 4,7%, die uns bei einer Ausschüttungsquote von grob zwei Drittel gesichert erscheint. Gleichwohl empfehlen wir den Nebenwert wegen des angeschlagenen Charts und der dünnen Eigenkapitalquote von lediglich 10% nur mutigen Anlegern zum Kauf. Diese greifen bis 57,65 Dollar zur Tupperdose und sichern Bestände mit Stopp 46,70 Dollar ab.

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